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OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Friedwald - Über eine neue Form der Bestattungskultur

Der so genannte Friedwald zählt zu den Formen der Baumbestattung. Dabei wird die Asche in einer ökologisch abbaubaren Urne in den Wurzelbereich eines Baumes eingelassen.

Dies geschieht nicht innerhalb der konventionellen Friedhöfe, sondern in der freien Natur einer bestehenden Waldlandschaft. Der Baum ist Grab und Grabmal zugleich.

Das hier zu Lande von der Friedwald GmbH (Darmstadt), also einem kommerziellen Unternehmen, vermarktete und ursprünglich aus der Schweiz stammende Konzept sorgt seit einigen Jahren in Deutschland für Aufsehen – nicht zuletzt, weil die Bestattung durch die Friedwälder von den herkömmlichen, von Kirchen oder Kommunen getragenen Begräbnisplätzen in die freie Natur verlegt wird. Dies widerspricht im Prinzip dem so genannten Friedhofszwang für Beisetzungen, welcher jedoch derzeit in einigen Bundesländern durch eine Novellierung der Bestattungsgesetze gelockert wird (oder in anderen Fällen durch besondere rechtliche Konstruktionen umgangen wird). Seit November 2001 sind in Deutschland vier Friedwälder in Kooperation mit den entsprechenden Forstverwaltungen offiziell eingerichtet und für Bestattungen freigegeben worden: Reinhardswald bei Kassel, Michelstadt/Odenwald, Hümmel/Eifel und Bramsche/Teutoburger Wald. Weitere Friedwälder befinden sich im Stadium der konkreten Vorbereitung oder Planung.

Der Friedwald setzt die Aschenbeisetzung voraus. Man kann sich an Einzel- oder Familienbäumen oder an einem Gemeinschaftsbaum bestatten lassen. Initialen, Familienname oder Daten können auf Wunsch mit einer Plakette angebracht werden. An den Bäumen, die durch einen Grundbucheintrag gegen Abholzung geschützt sind, wird ein vertragliches Nutzungsrecht erworben. Die Bäume sind jeweils genau vermessen, markiert und in einem Baumregister verzeichnet, so dass der genaue Standort mit Hilfe einer Karte auch für Ortsunkundige auffindbar ist. Die Preise für die Friedwald-Bestattung sind vergleichsweise hoch, dennoch ist das Interesse an dieser Alternative zu herkömmlichen Begräbnisplätzen groß. Um der neuen Konkurrenz zu begegnen, bieten inzwischen etliche Friedhofsverwaltungen vergleichbare Formen der Baumbestattung an.

Die ursprüngliche Friedwald-Idee – und zugleich der geschützte Begriff – stammt aus der Schweiz. Im Gegensatz zu Deutschland kann die Asche in der Schweiz ohne weiteres an jedem beliebigen Ort beigesetzt werden. Der erste Friedwald in Mammern (Kanton Thurgau) wurde 1999 offiziell eingerichtet. Träger des Friedwald-Konzeptes in der Schweiz ist ein Verein, in dessen Statuten es wörtlich heißt: „Ein Mitglied kann einen bestimmten Baum käuflich erwerben und auf einem vom Verein vorgesehenen Ort pflanzen lassen oder zur Pflanzung vorsehen. Zu diesem Zweck werden laufend Plätze ausgesucht und die geeigneten Baumarten darauf projektiert. ... Bei einem Todesfall wird die Asche in den Wurzelbereich des betreffenden Baumes eingebracht. Das Gleiche geschieht, wenn der Baum erst nach einem Todesfall gepflanzt wird.” Derzeit bestehen in der Schweiz über 40 Friedwälder.

Auflistung alle Artikel aus dem Themenheft Baumbestattungen (Februar 2004).
Erkunden Sie auch die Inhalte der bisherigen Themenhefte (1999-2019).