"Ach schrittest du durch den Garten
noch einmal im raschen Gang –
wie gern wollt ich warten,
warten stundenlang!"
Ob seine Trauer einer verlorenen Liebe oder einem Verstorbenen galt, verrät das Zitat des Dichters Theodor Fontane nicht. Vielleicht ist es auch nicht wichtig. Denn der tiefe Schmerz, die Angst, die Wut oder die Verzweiflung, die Trauernde spüren, unterliegt keinen Maßstäben oder Regeln.
Die "Trauernde" ist eine der häufigsten und kulturhistorisch bemerkenswertesten Grabmalfiguren des bürgerlichen Zeitalters. Wie kaum eine andere sepulkrale Figur verkörpert sie den "sanften Tod", der diese Epoche auf den Friedhöfen repräsentiert.
[Anm. d. Red.: Die Hamburger Literaturwissenschaftlerin Henriette Hochhuth setzte sich in ihrer 1992 an der Universität Hamburg eingereichten Magisterarbeit mit dem Thema Tod, Bestattung und Friedhof bei Theodor Fontane auseinander. Wir danken der Autorin für die freundliche Erlaubnis, Auszüge aus Einleitung und Schluß ihrer Arbeit abdrucken zu dürfen.]