Kennen Sie das Grab von Gartenmeister Sitzenstock? Nein? Kein Wunder, denn das Grab schlummerte - offiziell nach Ablauf der Liegezeit schon vor Jahren geräumt - verborgen im Gestrüpp vor sich hin. Hermann Ludwig Sitzenstock war mehr als 40 Jahre bis zum 1. Juli 1922 auf dem Friedhof als Obergärtner tätig. Diese Position dürfte erklären, wieso Wilhelm Cordes, seines Zeichens verantwortlich für Entwurf und Planung des älteren Teiles des Friedhofes sowie Friedhofsdirektor, als Trauzeuge seiner Eheschließung mit Caroline Johanna Elsabe Nebel aus Groß Borstel fungierte und Sitzenstock zudem die Ehre zu Teil wurde, zu seiner Pensionierung im Hamburger Anzeiger gewürdigt zu werden.
Den Grabplatz an der historischen Sandgrube hat sich Sitzenstock selbst ausgesucht. Sicherlich wohl bedacht, denn in "Benraths Führer durch den Ohlsdorfer Friedhof" von 1901 wird diese so beschrieben: "Im Quadrat V6 ist rechts vom Wege eine frühere Sandgrube zu einer stillen Parkanlage ausgebildet, mit mehreren Ruhebänken für Besucher, die den Frieden des Ortes in voller Einsamkeit genießen wollen. Der Platz wird deshalb von den in Scharen den Friedhof bevölkernden Singvögeln ganz besonders bevorzugt." Das Grab wieder entdeckt und all dies herausgefunden hat Petra Schmolinske vom Förderkreis Ohlsdorfer Friedhof e.V. Wer in der dritten Februarwoche die Nebenallee oder, vom Forum aus gesehen, den ersten oder zweiten Querweg rechts entlang ging, konnte sehen, dass sich an Grab und Sandgrube etwas tut: Ein fleißiger Trupp Gärtner, Auszubildende der Alraune gGmbH und die AusbilderInnen Oliver Stroinski, Marieke Peters und Stefan Huhn, haben trotz Schnee das Grab und den historischen Rundweg um die Sandgrube frei geschnitten, Astwerk geschreddert, den Weg provisorisch mit Schreddergut abgedeckt, diesen so wieder kenntlich und für Sie als Friedhofsbesucher begehbar gemacht. Die Arbeiten sind der erste Aufschlag eines Kooperationsprojektes von Förderkreis Ohlsdorfer Friedhof e.V., Hamburger Friedhöfe AÖR -Friedhof Ohlsdorf-, Alraune gGmbH und Denkmalamt, welches die dem Förderkreis angeschlossene, denkmal- und friedhofsaffine Architektin Elke Sommerfeld initiiert hat. Das Grab Sitzenstock soll nun dauerhaft erhalten und das Quartier UV-6 / Sandgrube, angelehnt an die Gestaltung um 1900, wieder hergerichtet werden. Es soll wieder zu einem so lauschigen Ort werden, wie in Benraths Führer beschrieben. Weitere Ziele des Projektes sind, durch den Erhalt des Grabes die Zunft der GärtnerInnen zu würdigen, ohne deren früheres und heutiges Wirken ein Friedhof weder erschaffen, noch gepflegt werden könnte, sowie die Ausbildung zum Gärtner im Garten- und Landschaftsbau/Friedhofsgärtnerei durch das Zusammenwirken der Kooperationspartner praxisnah zu befördern. Wir werden über den Fortgang des Projektes berichten!
Literatur und Quellen
Petra Schmolinske, Das Grab des Gartenmeisters Sitzenstock auf dem Ohlsdorfer Friedhof, Ohlsdorf - Zeitschrift für Trauerkultur, Ausgabe Nr. 156, I, 2022; https://www.fof-ohlsdorf.de/nr-156-i-2022/das-grab-des-gartenmeisters-s…
Benraths Führer durch den Ohlsdorfer Friedhof, Hamburg 1901
Die geheimnisvolle Kuhle an der Nebenallee (V6), Fredriks.de - https://fredriks.de/ohlsdorf/n03.php?f=12
Vermessungskarte von 1893, Geoportal Hamburg: https://geoportal-hamburg.de/?mdid=46C07D63-8B17-48F7-88D0-E9263C5DD854