Priv. Doz. Dr. Hans-Jörg Mauss
*4. 11. 1931 +5. 5. 2025
Es ist schmerzlich, wenn ein Mensch aus unserer Mitte für immer von uns geht. Und besonders schmerzlich, wenn dieser Mensch uns nahestand. Das nun kann man mit Fug und Recht sagen, Hans-Jörg Mauss stand - uns allen - sehr nahe. Das lag vermutlich daran, wie er seinem Gegenüber begegnete: Immer menschlich, freundlich und aufgeschlossen.
Bereits zweimal, zum 75. und zu seinem 90. Geburtstag, hatte ich die Ehre, für Dr. Mauss - so hieß er auch intern für alle im Förderkreis Ohlsdorfer Friedhof e.V. (FOF) - die Geburtstagslaudatio zu schreiben. Eigentlich ist dem damals Geschriebenen nichts hinzuzufügen, nur dass die hier geschriebene Laudatio -leider - ein Nachruf ist.
Wer wie ich das Glück hatte, bei fast allen von Dr. Mauss organisierten Reisen dabei gewesen zu sein, kann den Verlust in Ansätzen ermessen. Wir waren gemeinsam in Berlin, in Dresden, auf Föhr, besuchten Weimar, Hannover, waren in Potsdam und - ganz sicher ein großartiger Höhepunkt - wir waren mehrere Tage in Wien. Gern denke ich an diese Reisen zurück, und so manches Detail bleibt in meinen Gedanken erhalten.
Dr. Mauss und mich verbanden zahlreiche gemeinsame Interessen - nicht nur der Ohlsdorfer Friedhof, auch die Musik und die bildende Kunst verbanden uns. So wie er sammelte auch ich Kunst und das seit immerhin über 60 Jahren, auch wenn sich unsere Zielrichtungen unterschieden, wobei natürlich hier kein Werturteil angedeutet werden sollte. So etwas lag unserem Dr. Mauss ohnehin fern.
Für etwas ganz anderes setzte sich Dr. Mauss vehement ein, als wir das Erscheinungsbild des FOF auch äußerlich ändern wollten -sprich, ein neuer Briefkopf mit zeitgemäßer Grafik musste her. Schnell war man sich über viele Details, wie das Schriftbild, die neue Type, die Farbe und natürlich das engelgleiche Logo einig. Das alles verlangte von einigen Mitgliedern des FOF eine gewisse Toleranz. Nur in einem war Dr. Mauss standhaft: "Die Unterzeile muss heißen 'Verein für Kultur und Denkmalpflege', denn das sind wir doch". So der Originalkommentar von Dr. Mauss.
Im Jahre 2005 (?) sprach mich Dr. Mauss an und verriet mir seinen Plan, eine Grabmalpatenschaft zu übernehmen. Natürlich keine ganz "normale" Patenschaft, kein bestehendes Grabmal eines womöglich prominenten Hamburgers; nein, dieses Grabmal lag, durch einen umgestürzten Baum zerstört, in Einzelteilen am Boden - zum Teil erheblich beschädigt. Es entspann sich eine äußerst gedeihliche Zusammenarbeit, nicht nur, aber auch, weil Dr. Mauss' Patenschaft direkt neben unserer ehemaligen Familiengrabstätte liegt. Die Zusammenarbeit zwischen dem Mäzen und dem Steinmetzmeister war ebenso intensiv wie erfolgreich und am Ende stand ein Konzept, das die Wiederherstellung des "neuen" Familiengrabmales für die Familie Dr. Mauss zum Inhalt hatte.
Eine große Aufgabe - das Grabmal besteht aus dem hier eher selten verbauten sogenannten "Rot Meißner Granit". Das Material ist sehr hart und widerstandsfähig, ist polierfähig, nur eines ist es nicht -bruchfest. Bei statischen Belastungen auf Biegung bricht es. Und so ist es zu verstehen, dass viele der Einzelteile durch den Sturz zerbrochen sind. Aber (fast) alles lässt sich wiederherstellen und so erstrahlt das Grabmal der Familie Dr. Mauss heute in altem Glanze. Es hatte Dr. Mauss und mich gleichermaßen erfreut, das Grabmal, das dereinst auch sein Grabmal, seine letzte Ruhestätte sein würde, wieder aufgestellt zu sehen.
Kürzlich habe ich die Grabstätte Dr. Mauss am Rosengarten besucht und mich in einem stillen Gedenken von ihm verabschiedet.
Hans-Jörg, ich verneige mich in Ehrfurcht und Dankbarkeit vor Dir - Du hast mir so unendlich viel gegeben - Du wirst mir fehlen
Henning Hammond-Norden
Diesem sehr persönlichen Nachruf möchte ich noch einige Sätze hinzufügen, denn es gibt noch manche andere Erinnerung. Immerhin war Dr. Mauss Gründungsmitglied des Förderkreises und viele Jahre in verschiedenen Bereichen aktiv tätig. Ab 1993 war er zunächst in der Gruppe der Friedhofsführer und -führerinnen dabei, gerne zu dem Thema 'Bourgeoise Großgräber'. 1996 wurde Dr. Mauss zum ersten Vorsitzenden gewählt. In der Folge konnte der Förderkreis eine bedeutende Zahl weiterer Restaurierungsprojekte durchführen. Durch Dr. Mauss' besonderes Interesse für Johannes Brahms veranlasst, wurden mehrere Grabmale von Personen aus dem Brahms-Umfeld restauriert. Als weitere große Projekte in der Zeit sind die Außenanlage des Museums, das Grabmal Wedells und das Grab der Prinzessin Juliane von Ostfriesland zu nennen. 2009 zog sich Dr. Mauss schließlich aus dem Vorstand zurück. Er verfolgte aber die Aktivitäten bis zuletzt mit wachem Interesse und meldete sich gelegentlich, wenn ihn etwas -zum Beispiel ein Artikel in unserer Zeitschrift -besonders ansprach. Bei einem der letzten Telefonate sagte Dr. Mauss, er freue sich und sei beruhigt, "dass die Fackel weitergetragen werde". Lieber Dr. Mauss, ich hoffe, wir werden Sie nicht enttäuschen.
Im Namen des gesamten Vorstandes des Förderkreises Ohlsdorfer Friedhof e.V.: Petra Schmolinske