"Der Friedhof soll nicht eine Stätte der Todten und der Verwesung sein. Freundlich und lieblich soll Alles dem Besucher entgegentreten und dadurch der Ort aus der umgebenden Landschaft herausgehoben und geweiht werden [...]." Das sind Worte des ersten Friedhofsverwalters und späteren Friedhofsdirektors Wilhelm Cordes über den am 1. Juli vor 144 Jahren eröffneten Ohlsdorfer Friedhof.
Petra Schmolinske, die zur Gruppe der bewährten und mit dem Friedhof bestens bekannten Friedhofsführerinnen des Förderkreises gehört, zeigte alte Grabsteine und Skulpturen, die nicht nur eine persönliche Geschichte, sondern auch ein Stück Hamburger Geschichte erzählen. Beeindruckend waren insbesondere die alten familienbezogenen Grabstätten, die gesellschaftliche Identität auch nach dem Tod bedeuteten, und interessante Lebensgeschichten aufzeigen, wie z. B. der Familie Kutsch von Richard Kuöhl, des Schiffsmaklers John Fontenay oder von Friedrich Sieveking, eines Juristen und Ersten Bürgermeisters in Hamburg.
Es stand ebenso die wichtige Frage im Raum, wie eine so große Fläche mit ihrer Vielzahl von erhaltenswerten Grabmalen erhalten und geschützt werden könnte. Tatsächlich geht man im Denkmalschutzamt davon aus, dass nur sehr wenige der vorhandenen Grabsteine langfristig erhalten bleiben werden. Sehr viele Gräber und Steine werden entweder gleich nach Ablauf der Grabnutzungszeit abgeräumt oder aber nicht mehr gepflegt, bis sie vollkommen verfallen. Damit wird auch der Friedhof seinen Charakter in Zukunft sehr stark verändern. Um dem entgegenzuwirken, müsste eigentlich die gängige Praxis des Abräumens der Grabsteine nach dem Ende der Liegezeit aufhören.
Fotos: Olga Reher