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OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

"Scientia Mortuorum" 2020 – ein Wissensfestival

Dr. Anja Kretschmer, die mit dem "Friedhofsgeflüster" deutschlandweit über Friedhöfe führt, hatte in diesem Jahr zum dritten Mal zu ihrem "Wissensfestival" mit dem Titel "Scientia Mortuorum" eingeladen.

Eröffnung des Festivals

Es findet immer an einem anderen, mehr oder weniger verlassenen Ort statt; dieses Jahr in der Festung Grauerort bei Stade. Wegen Corona fanden die Programmpunkte bei sommerlich heißen Temperaturen unter freien Himmel statt. Trotz Corona erlebten deutlich über hundert Menschen – beim Herumgehen mit Masken, auf den Stühlen ohne – ein vielfältiges Programm, das den Tod in den Mittelpunkt stellte, aber vielleicht nicht unbedingt für schwache Nerven zu empfehlen war.

Juliane Uhl erzählte sehr lebendig von ihren Erfahrungen im Krematorium sowie von ihrer künstlerischen Arbeit und schloss mit der Antwort auf die Frage, was sie selbst vom Tod gelernt habe, nämlich: "Das Leben ist ein Imperativ!". Roman Shamov las drei Kapitel aus seiner noch nicht erschienenen Biographie, darunter einen bewegenden Text von einem Friedhofsbesuch. Der Hamburger Rechtsmediziner Prof. Dr. Püschel stellte seine Arbeit vor und berichtete zum Schluss von einem haarsträubenden Mordfall. Rurik von Hagens ließ die Zuhörer an der Entwicklungsgeschichte der Plastination teilhaben, die sein Vater Prof. Gunther von Hagens in den 1970er-Jahren entwickelt hat und die heute in Guben zuhause ist. Später am Abend berichtete der Thanatologe Joerg Vieweg als "Zauberer der Entstellten" von den Möglichkeiten der Wiederherstellung toter Körper.

Daneben fanden Führungen durch die Festung statt, ein Korso der historischen Leichenwagen setzte sich in Bewegung, Kurzfilme zum Thema flimmerten über die große Tageslicht-Leinwand, auf der jedes Bild gestochen scharf zu erkennen war. Roman Shamov wanderte singend durch die Gewölbe der Festung, wo Marcus Rietzsch aus Berlin seine Fotoausstellung "Ein letzter Augenblick" zeigte und DER TOD in Kutte und mit seiner Sense in den düsteren Gemäuern auftauchte, der abends auch mit seinem Programm zu hören war.

Rundum eine – kann man das bei diesem Thema sagen? – sehr bunte und informative Veranstaltung oder, wie DER TOD auf seiner Internetseite schreibt: Dort halten "den ganzen Tag über Leute vom Fach (Bestatter, Kriminalbiologen, Friedhofsführer) Vorträge ... und ... die schwarze Szene trifft" sich.

Foto: Barbara Leisner

Auflistung alle Artikel aus dem Themenheft Begräbnisplätze in Schleswig-Holstein (November 2020).
Erkunden Sie auch die Inhalte der bisherigen Themenhefte (1999-2021).