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OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Tod um 1800

Tod um 1800 ist das Thema dieses Heftes und auf den ersten Blick könnten Fragen auftauchen, wie: Warum geht gerade heute der Blick soweit in die Vergangenheit zurück?

Gibt es nicht aktuellere Themen? Doch gerade in Zeiten großer Veränderungen ist es hilfreich zurück zu schauen und sich über die eigene Herkunft klar zu werden. Und das gilt nicht nur allgemein, sondern auch für die Sepulkralkultur, die sich im Umbruch befindet. Tatsächlich beruht die heutige Hamburger Bestattungskultur zum Teil immer noch auf Traditionen, die um 1800 entstanden oder vorherrschten, wie Petra Schmolinske zeigen kann.

Titelseite Nr. 150

Die Veränderungen, die durch die Aufklärung eingeleitet wurden, bilden die Grundlage für die heutige Bestattung im Grünen und zugleich für die immer weitere Entfernung der Toten von den Lebenden. Letztendlich war auch der Parkfriedhof Ohlsdorf eine Folge dieses Wandels und erst jetzt finden die Toten wieder zurück zu den Lebenden, wenn z.B. demnächst in Lübeck das Kolumbarium DIE EICHE an der Untertrave eingeweiht wird. Dabei erinnert heute nicht mehr viel daran, dass es einmal ein ausgedehntes Gelände mit kirchlichen Begräbnisplätzen vor dem Dammtor und dem Steintor gab. Am Rande von Planten un Blomen steht das Grabmal für die Vertriebenen Hamburger, an deren Schicksal Christine Behrens erinnert. Ganz besonders wertvoll ist die – in ihrer Gestaltung einzigartige – ehemalige St. Petri-Begräbniskapelle an der Petersburger Straße, durch die einst die Toten auf den Friedhof getragen wurden. In einer Masterarbeit wird dieses Gebäude, das unter Denkmalschutz steht und dessen Erhalt offenbar fraglich ist, gerade untersucht. Welch ein Verlust für die Hansestadt, wenn ihr einziges Zeugnis der Revolutionsarchitektur seinen angestammten und geschichtlich hochbedeutsamen Platz verlieren würde oder sogar ganz dem Untergang geweiht wäre!

Auflistung alle Artikel aus dem Themenheft Tod um 1800 (August 2020).
Erkunden Sie auch die Inhalte der bisherigen Themenhefte (1999-2020).