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OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Antrag auf Aufnahme der "Friedhofskultur in Deutschland" in die UNESCO-Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit

Autor/in: Tobias Pehle
Ausgabe Nr. 149, II, 2020 - Mai 2020

(Textfassung vom 31. Mai 2019, Auszüge). Im Folgenden dokumentiert die Redaktion in Auszügen die abschließende Fassung des Antragstextes für die Aufnahme der Friedhofskultur in die Liste des "Immateriellen Kulturerbes" sowie die beiden wissenschaftlichen Empfehlungsschreiben.

Art des immateriellen Kulturerbes

Die Friedhofskultur in Deutschland umfasst vielfältige kulturelle Ausdrucksformen: von den Ritualen der individuellen Trauerverarbeitung – mit der Beisetzung auf dem Friedhof als zentralem Handlungsrahmen – über die Gestaltung der Gräber als kleine Gärten der Erinnerung bis hin zur Nutzung des Kulturraums Friedhof als sozialer Begegnungsstätte und kulturellem Veranstaltungsort. Mit der Friedhofskultur in Deutschland sind besonderes Wissen und Fertigkeiten in den Bereichen Bestattung, Landschaftsplanung, Gärtnern und Steinmetzhandwerk verbunden. Diesen Kulturraum prägen nicht nur kommunale oder christliche Friedhöfe, sondern auch jüdische Friedhöfe und muslimische Grabfelder. Unsere Friedhofskultur ist über Jahrhunderte gewachsen. Davon legen zum Beispiel alte Friedhöfe beeindruckendes Zeugnis ab – viele sind kulturell und historisch bedeutend. Die Pflege der Friedhofskultur ist somit auch ein aktiver Beitrag zum Denkmalschutz. Literarische Quellen bezeugen den Wandel der Trauerrituale in den jeweiligen Epochen.

St.Johannis-Friedhof in Nürnberg. Foto: Norbert Fischer

Die Friedhofskultur in Deutschland ist so kein statisches Gebilde, was die sich im Laufe der Zeit wandelnden Gestaltungskonzepte belegen. Aktuell lassen sich Veränderungsprozesse an der Zunahme der Urnenbestattungen und den neuen Einflüssen durch Menschen mit Migrationshintergrund beobachten. Die individuelle Gestaltung der Gräber in Deutschland als gärtnerische Anlage verbunden mit steinbildhauerischen Elementen – eingebunden in eine Parklandschaft – ist einzigartig und unterscheidet sich beispielsweise deutlich von mediterranen oder osteuropäischen Traditionen. Unsere Friedhofskultur ist dabei regional geprägt: So sind in Norddeutschland naturbelassene Findlinge als Gedenksteine beliebt, während in Bayern vor allem steinbildhauerische Arbeiten das Bild prägen.

Stadtgottesacker in Halle/Saale. Foto: Norbert Fischer

Unsere Friedhofskultur wird aktiv von den Nachfahr*innen der Verstorbenen, ihren Freund*innen und Verwandten gestaltet. Im Zentrum des Abschiednehmens stehen regional unterschiedlich geprägte Trauerrituale wie das Verfassen von Trauerbriefen, das Schmücken von Särgen, das Singen bei Trauerfeiern, das Verfassen von Trauerreden, die Rituale am offenen Grab, der Leichenschmaus, das Verfassen von Danksagungen. Bei der Ausgestaltung der Trauerrituale zeigt sich das ganze Wissen und Können der begleitenden Bestatter*innen.

Die Beisetzung selbst wird von speziellen Kulturtechniken wie Trauerrede, Trauerfloristik oder Trauermusik geprägt. Es folgt das Gestalten der Gräber mit gärtnerischer Grundanlage, Auswahl von Pflanzen und Materialien sowie dem Gedenkstein mit individueller Beschriftung. Hier fällt den Handwerkskünsten der Friedhofsgärtner*innen und der Steinmetz*innen bzw. Steinbildhauer*innen eine besondere Rolle zu, die mit Wissen, Können und Erfahrung sowie Kreativität und künstlerischem Ausdrucksvermögen vielerorts beeindruckende Gedächtnislandschaften schaffen. Diese stellen bereits an sich einen einzigartigen kulturellen Wert dar, zu dem auch Friedhofsverwalter*innen und Fördervereine einen wichtigen Beitrag leisten. Die individuell angelegten und geschmückten Gräber fügen sich zu einem facettenreichen Gesamtbild, das seit Jahrhunderten Zeitgeist und Gestaltungsvorlieben unseres Landes spiegelt.

Jüdischer Friedhof in Cuxhaven-Brockeswalde. Foto: Norbert Fischer

Die Grabstelle entwickelt sich zum Ort der Erinnerung, der oft gemeinschaftlich aufgesucht und gepflegt wird. Die Friedhofskultur in Deutschland erweist sich als sozialer Begegnungsrahmen, der Kommunikation fördert und der Vereinsamung Alleinstehender entgegenwirkt. Grabbesuche mit Kindern und Jugendlichen sind oft mit der Weitergabe von Wissen über das Leben und Wirken der Vorfahr*innen verbunden. Nicht zuletzt ermöglichen Grabbesuch und -pflege Naturerfahrungen wie das Erleben des Werdens und Vergehens im jahreszeitlichen Zyklus oder Tierbeobachtungen.

Die Rituale auf dem Friedhof fördern die aktive Auseinandersetzung mit Kernfragen nach dem Sinn des Lebens. Menschen erfahren die Friedhöfe als sichtbaren, sich stets fortschreibenden Ausdruck der deutschen Erinnerungskultur – als Geschichtsbücher unseres Landes, unserer Städte, unserer Dörfer. Nicht zuletzt mahnen Soldatenfriedhöfe zu Frieden und Völkerverständigung.

Die individuell gelebten Rituale ergänzen gemeinschaftliche Sitten und Gebräuche an Feiertagen wie dem Volkstrauertag oder dem Totensonntag. Besonders sichtbares Beispiel sind die Lichtermeere zu Allerheiligen, die seit langem schon über alle Konfessionsgrenzen hinweg die Friedhöfe illuminieren. In den letzten Jahren öffnet sich der Kulturraum Friedhof anderen kulturellen Ausdrucksformen mit Konzerten, Lesungen, Filmen, Ausstellungen, Theateraufführungen oder Lichtinstallationen. Einige dieser Veranstaltungen haben ihren festen Platz in den Kulturkalendern von Städten und Gemeinden und sind dort fest im kulturellen Leben verankert. Insgesamt präsentiert sich so die Friedhofskultur in Deutschland als äußerst lebendiges Kulturgut, dessen identitätsstiftende Kraft herausragend und schützenswert ist.

Beschreibung der kulturellen Ausdrucksform

(a) Heutige Praxis

Die Friedhofskultur in Deutschland lebt und beeindruckt durch eine Vielzahl an überraschenden und neuen Ausdrucksformen und Entwicklungen. Im Zentrum stehen dabei die Weiterentwicklung der Trauerrituale und die Öffnung des Kulturraums Friedhof. […]

Die Erinnerungskultur, die ihren sichtbaren Ausdruck auf den Friedhöfen erfährt, wird von zahlreichen Initiativen auf Friedhöfen bewahrt. So kann man beispielsweise vielerorts Patenschaften für historische Grabanlagen übernehmen wie bei der Berliner Aktion "Unter jedem Grabstein eine Weltgeschichte" zur Restauration bedeutender Grabmäler. Stetig weiterentwickelt wird die mit Bundesmitteln geförderte App "www.wo-sie-ruhen. de", die zu über 1.200 historischen Grabstellen in 32 deutschen Städten navigiert und Informationen zu Gräbern bedeutender Persönlichkeiten vermittelt. Einen besonders gelungenen Brückenschlag zwischen dem Erhalt und der zeitgerechten Gestaltung unserer Friedhofskultur stellt der „Garten der Frauen“ auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg dar. In dieser Gedenkstätte rettet ein Verein abgelaufene Grabsteine bedeutender Frauen der Hansestadt und informiert über ihr Wirken. Auch Förderinnen des Gartens werden hier beigesetzt.

Friedhof Reichenbach Markt Mömbris. Foto: Norbert Fischer

Die aktuelle deutsche Friedhofskultur bereichern vielerorts zum Teil hochkarätige Kulturveranstaltungen. Künstler*innen nutzen den Kulturraum als Ausstellungsfläche. Andere wiederum veranstalten auf dem Friedhof Konzerte wie der Philharmonische Chor Bonn auf dem Alten Friedhof der ehemaligen Bundeshauptstadt. In Unna finden auf dem Westfriedhof Theateraufführungen statt. Und manchmal wandelt sich der Friedhof sogar zum Kino wie beim Filmfest Osnabrück. Neue Impulse setzen Gärtner*innen und Steinmetz*innen immer wieder auf Landes- und Bundesgartenschauen mit innovativen Musteranlagen. So wurde beispielsweise auf der Landesgartenschau Mühlacker 2015 eine interkulturelle Gemeinschaftsgrabanlage für Menschen aus unterschiedlichen Ländern, Kulturkreisen und Religionen gezeigt. Die Schauen sind zugleich immer auch Fenster aktueller künstlerischer Gestaltung von Denkmälern und Gräbern.

(b) Entstehung und Wandel

Die Ursprünge unserer Friedhofskultur reichen ins Mittelalter zurück. Damals lag das Bestattungswesen allein in kirchlicher Verantwortung, die Beisetzungen erfolgten im christlichen Abendland nach gleichen Regeln. Die rechtlichen Vorgaben formulierte Karl der Große um 800. Danach durften Tote nicht verbrannt werden und waren bei den Kirchen zu begraben. Allein in Kirchen und auf Kirchhöfen – in der Nähe der Altäre und Reliquien – konnte man in geweihter Erde auf die Auferstehung hoffen. Das Begräbniswesen orientierte sich am Seelenheil der Verstorbenen.

Ein radikales Umdenken setzte mit der Reformation ein, als im Sinne Martin Luthers das Seelenheil der Menschen nicht mehr von äußerlichen Faktoren, sondern allein von der Gnade Gottes abhängig gedacht wurde. Der „Kirchhof“ wandelte sich zum „Friedhof“, der nicht mehr den Verstorbenen, sondern den Lebenden ein Ort des Trostes und der Vergewisserung ihres Glaubens sein sollte. Von da an entwickelte der Friedhof in Deutschland und den protestantischen Ländern eine eigene Gestalt.

Zudem entwickelten die Hinterbliebenen den Friedhof zum Ort der Erinnerung und des sichtbaren Gedenkens. Das Steinmetzhandwerk erhielt die Aufträge zur Gestaltung von Grabdenkmalen, um den Verstorbenen ein sichtbares Zeichen des Gedenkens zu setzen und den Familien einen Ort der Identität zu bereiten.

Friedhof Bremen-Riensberg. Foto: Norbert Fischer

Als in Folge der Aufklärung die weltlichen Kommunen ihre Fürsorgepflicht für ihre Bürger*innen neu formulierten, übernahmen sie auch die Verantwortung für die Friedhöfe, um jedermann ohne Ansehen von Person, Herkunft, Weltanschauung oder Stand ein angemessenes Begräbnis zu ermöglichen. […] Es entwickelte sich das bis heute gültige Gestaltungsprinzip vom naturnahen oder parkähnlichen Friedhof, welches in dieser Form besonders in Europa ist. So entstanden beispielsweise die Waldfriedhöfe nach Münchner Vorbild. Vor allem aber gestalten und pflegen seitdem Angehörige ihre Gräber hierzulande als Gärten der Erinnerung.

(c) Wirkung

Die Friedhofskultur in Deutschland besitzt große Strahlkraft, die nach innen Menschen bewegen und nach außen Gesellschaft prägen kann. Der/die Einzelne erfährt sie besonders im Moment des Abschiednehmens – hier vermittelt sie als zentraler Bestandteil unserer Trauerrituale Kraft und Halt. Zugleich erleichtern die Sitten und Gebräuche, die schmerzvolle Trauer in eine positiv besetzte Erinnerung zu wandeln. Über die Trauerbewältigung hinaus erweist sich der Kulturraum Friedhof als Reflexions- und Besinnungsfläche, die eine intensive Auseinandersetzung mit zentralen Fragen des Menschseins initiieren und intensivieren kann. Zugleich entfaltet sich eine identitätsstiftende Wirkung, die uns Gemeinschaft erfahren und Geschichte begreifen lässt.

Friedhof der Holmer Fischergilde in Schleswig. Foto: Norbert Fischer

Viele Kreative erleben den gestalteten Raum Friedhof als einen Ort der Inspiration – sichtbar nicht zuletzt auch in der Gestaltung der Gräber. Darüber hinaus ist der Kulturraum Friedhof ein Ort der Kommunikation, nicht nur im inneren Zwiegespräch mit den Verstorbenen. Als Ort der Begegnung kommen hier besonders ältere Menschen miteinander ins Gespräch, es entstehen Freund- und Partnerschaften. […]

Eingebundene Gemeinschaften, Gruppen und Einzelpersonen sowie Art ihrer Beteiligung

Träger*innen der Friedhofskultur in Deutschland sind zwei Gruppierungen:
- Alle Bürger*innen, die auf Friedhöfen trauern und erinnern, Gräber gestalten und pflegen sowie all diejenigen, die den Friedhof als Kulturraum annehmen, ihn als Besinnungs- und Reflexionsfläche nutzen oder dort Kulturveranstaltungen besuchen.
- Alle Menschen, die aufgrund ihres besonderen Wissens und Könnens die Friedhofskultur in Deutschland gestalten: Dazu zählen Friedhofsverwalter*innen, Friedhofsplaner*innen, Bestatter*innen, Friedhofsgärtner*innen und Steinmetz* innen, aber auch Friedhofscafébetreiber*innen und -angestellte. Hinzu kommen Kulturschaffende wie Mediengestalter*innen, Redner*innen oder Musiker*innen, die an den Trauerritualen mitwirken.

Viele dieser Kulturträger*innen sind in Gemeinschaften zusammengeschlossen, die diesen Antrag initiiert haben. Zudem gibt es viele zivilbürgerlich Engagierte, die sich aktiv für die Friedhofskultur einsetzen, beispielsweise bei Fördervereinen regionaler Friedhöfe. Zu nennen sind auch diejenigen, die ehrenamtlich im Rahmen von Religionsgemeinschaften Mitverantwortung für Friedhöfe tragen.

Für diese Bewerbung haben sich die wichtigsten Verbände zur Initiative Friedhofskultur zusammengefunden:
- Verband der Friedhofsverwalter Deutschlands
- Bundesverband deutscher Bestatter mit dem Kuratorium deutsche Bestattungskultur
- Bund deutscher Friedhofsgärtner im Zentralverband Gartenbau
- Verein zur Förderung der deutschen Friedhofskultur
- Verband für Gedenkkultur
- Bund deutscher Grabmalhersteller

Zudem hat die Initiative eine Unterstützungserklärung herausgegeben, die weitere Verbände, Vereine, Innungen, Genossenschaften und andere Gemeinschaften unterschrieben haben wie z.B. aus Berlin der Wohltätigkeitsverein Al-Huleh e.V., der 2018 das erste muslimische Grabfeld in Neukölln eingeweiht hat, oder die Stiftung Historische Kirchhöfe und Friedhöfe in Berlin-Brandenburg, die bislang ca. 1.000 Grabstätten vor dem Verfall retten und historische Friedhofsanlagen erhalten konnte.

Stellvertretend für die vielen Gemeinschaften, die schriftlich ihre Unterstützung dieses Antrags ausgedrückt haben, stehen die Kräfte im Hamburger Friedhofswesen, u.a.:
- Hamburger Friedhöfe AöR
- Jüdische Gemeinde Hamburg AöR
- Volksbund Deutsche Kriegsgräber e.V., Landesverband Hamburg
- Landesinnung der Bildhauer- und Steinmetzbetriebe Hamburg
- Bestatter*innen, Friedhofsgärtner*innen, Friedhofsverwalter*innen (vertreten durch die Verbände, die diesen Antrag einreichen)
- weitere Personen und Gemeinschaften wie der Garten der Frauen e.V. des Ohlsdorfer Friedhofs

Risikofaktoren für die Erhaltung der kulturellen Ausdrucksform

Immer mehr Menschen entscheiden sich nicht mehr für die Beisetzung auf dem Friedhof, sondern für alternative Bestattungsformen wie die Seebestattung oder die Bestattung in Urnenwäldern. So hat sich beispielsweise die Zahl der Baumbestattungen von 2008 bis 2013 mit 45.000 Beisetzungen mehr als verdoppelt.

Die Abkehr von tradierten Trauerritualen hat vielfältige Ursachen. Besonders schwer wiegt, dass offensichtlich vielen Menschen der Wert unserer Friedhofskultur, ihre identitätsstiftende Kraft und ihre gesellschaftliche Bedeutung nicht mehr bewusst sind.

In einer Gesellschaft, die den Tod immer noch weitgehend tabuisiert, und in einer Zeit, in der Kosteneffizienz und Pragmatismus das Maß der Dinge darstellen, sind pflegeleichte Lösungen für den Umgang mit Verstorbenen gefragt. Insbesondere die Grabpflege wird von vielen als Belastung wahrgenommen. Dies verschärfen gesamtgesellschaftliche Entwicklungen wie die zunehmende Mobilität von Familien: Es bleiben oft kaum Verwandte in den Heimatorten zurück, die sich um die Gräber kümmern könnten. Gründe für den Rückgang finden sich aber auch im Friedhofswesen selbst. So sind beispielsweise neue Wege bei der Friedhofsplanung und den Gestaltungsvorgaben von Grabstätten gefordert.

Die Gesamtentwicklung führt dazu, dass immer mehr Friedhöfe von der Schließung bedroht sind. Die Situation wird zudem durch sogenannte Überhangflächen verstärkt. Darunter versteht man nicht mehr benötigte Flächen auf dem Friedhof. Sie entstehen auch, weil Urnengräber oder Kolumbarien nicht so viel Platz benötigen wie klassische Erdbestattungen. Abwanderung, Unterbelegung und mangelndes Bewusstsein haben vor allem auch finanzielle Konsequenzen. Auf vielen Friedhöfen müssen die Gebühren erhöht werden, um Umsatzrückgänge abzufangen, was wiederum zu weiteren Abwanderungen führt. […]

Von dieser Bewerbung erhoffen wir uns, dass die Friedhofskultur in Deutschland wieder stärker ins gesellschaftliche Bewusstsein rückt.

Alle Mitglieder der Initiative und die vielen unterstützenden Gemeinschaften setzen sich auf verschiedenste Weise für unsere Friedhofskultur ein, vor allem durch Publikationen und Veranstaltungen. […] Viele Angebote rücken den gesellschaftlichen Wert der Friedhofskultur ins Bewusstsein. So beleuchten und vermitteln Führungen und Kulturprojekte unterschiedlichste Aspekte der Friedhofskultur, vor allem für Kinder. Vielerorts werden Schüler*innen zu Friedhofsforscher*innen und entdecken den Kulturraum auf eigene Weise. Im Rahmen der Dortmunder Initiative Erinnerungsgarten (www.erinnerungsgarten.com) vermitteln Kulturpädagoginnen Kindern auf spielerische Weise, was Abschiednehmen und Erinnern bedeutet – zum Teil direkt auf dem Friedhof. Dabei kommt, wie auch andernorts, der "Museumskoffer" in Sargform des Museums für Sepulkralkultur Kassel mit vielfältigen pädagogischen Materialien zum Einsatz.

Johannisfriedhof in Dresden. Foto: Norbert Fischer

Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Friedhofskultur in Deutschland fördert das Zentralinstitut für Sepulkralkultur in Kassel. Dem angegliederten Museum gelingt es mit öffentlichkeitswirksamen Sonderschauen auf das Thema aufmerksam zu machen.

Die zeitgerechte Weiterentwicklung der Friedhofskultur steht nicht nur bei Fachveranstaltungen im Fokus, sondern auch bei lokalen Initiativen in Form von öffentlichen Diskussionsrunden oder Foren. Bundesweite Strahlkraft besitzt hier der regelmäßig stattfindende Friedhofskulturkongress in Bad Windsheim.

Immer mehr Aktivitäten zielen darauf ab, die Friedhofskultur auch jenseits von individueller Trauer und Erinnerung ins Bewusstsein vor allem auch jüngerer Menschen zu rücken. Beispielgebend ist hier "Der Tag des Friedhofs", der bundesweit im September mit vielfältigen Veranstaltungen auf diesen Kulturraum aufmerksam macht. Viel Beachtung finden auch regelmäßig verliehene Awards wie die Ausschreibung "Deutschlands schönster Friedhof". Nicht zuletzt sind hier auch die vielfältigen kulturellen Veranstaltungen wie Konzerte und Kunstausstellungen zu nennen, die Menschen einen anderen, spannenden Blick auf dieses Kulturfeld ermöglichen.

Kontakt:
Initiative Kulturerbe Friedhof
Tobias Pehle
An der alten Mühle 1b
59427 Unna
Tel.: 0163 8331000
[email protected]
Weitere Informationen und FAQs auf: www.kulturerbe-friedhof.de

Auflistung alle Artikel aus dem Themenheft Friedhof als "Immaterielles Kulturerbe" (Mai 2020).
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