OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Friedhöfe und Trauerkultur auf Guadeloupe - Ein Reisebericht

 - Dezember 2014
Ausgabe: 
Nr. 127, IV, 2014

An der Westgrenze des Atlantiks, südlich vom Wendekreis des Krebses, liegt zwischen Florida und Venezuela die lange Inselkette der Antillen:

Im Nordwesten die Großen Antillen wie Kuba oder Haiti, im Südosten die Kleinen Antillen, unter ihnen die Doppelinsel Guadeloupe; aus der Luft betrachtet, wirkt sie grob wie ein Schmetterling mit ihren beiden verbundenen Teilen Basse-Terre im Westen, Grande-Terre im Osten. Sie wurde von vielseitigen Faktoren geprägt, von denen die wichtigsten hier genannt seien: geographische – tropische Lage und aktiver Vulkanismus; politische – französisches Übersee-Département seit 1946, später entsprechend EU-Enklave, 2000 km von Europa entfernt; religiöse – mit einer katholischen Mehrheit und anderen Glaubensrichtungen; und schließlich historische und ökonomische Faktoren – mit dem im 17. Jahrhundert eingeführten Zuckerrohranbau, dem Dreieckshandel zwischen Europa, Afrika und Karibik, dann der Abschaffung der Sklaverei, welche weitere Zuwanderer mit sich brachte. Alle diese Aspekte prägen bis heute die kunterbunte karibische Kultur und damit ebenfalls die Trauerkultur der Bewohner: Allein die verschiedenen Arten der Öffnungsangaben am Friedhofseingang sprechen für sich.

1. Kleine Küstenfriedhöfe

1.1 Deshaies

Unsere ersten Eindrücke entstehen nordwestlich der vulkanischen Insel Basse-Terre vor einem Friedhof mit hellen Farben und herrlichem Ausblick zur Bucht. Eine Familiengruft hat mehrere Abteilungen, die einzeln mit jedem neuen Sarg zementiert wird. Zementgräber unterschiedlicher Größe sind häufig mit fröhlichen Badezimmer-Kacheln geschmückt. Manche Gräber für arme Leute oder Kinder sind dagegen nur mit den bis zu 30 cm großen Muscheln namens "Lambis" umfasst, welche in acht Metern Tiefe unter Wasser gefischt und in der Karibik sehr gerne gegessen werden (und ferner als Musikinstrument dienen können). Hin und wieder sieht man Mitbringsel auf den Gräbern wie rote Windlichter, Kunstblumen, Fotos oder auch Erinnerungstafeln, wie sie auf dem Festland zu finden sind – so etwa die liebevollen Zeilen für einen fast hundertjährigen Vater, welcher in vier Portraits von jung bis ins hohe Alter zu sehen ist.

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Friedhof in Deshaies. Foto: C. Behrens

1.2 Saint-François

Der "Cimetière indien" von Saint-François, zwischen Point-à-Pitre und Sainte-Anne im Süden der Insel Grande-Terre, erinnert an die freiwillige Einwanderung von Indern aus Pondichéry oder Calcutta, die Ende des 19. Jahrhunderts die befreiten Sklaven auf den arbeitsintensiven Zuckerrohrplantagen ersetzten sollten: Heute besteht ein Drittel der dortigen Bevölkerung aus ihren Nachkommen. Der direkt am Meer gelegene, hier aber sandige Friedhof sieht dem von Deshaies durchaus ähnlich – mit dem wesentlichen Unterschied, dass man hier eine Vielzahl bunter Kunstblumen auf den Gräbern findet. Auf einem Grab aus Marmor stehen darüber hinaus drei Plastikbecher mit Getränken und ein Plastikteller voller Reis mit Hähnchen, dazu ein Besteck…

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Saint-François. Fotos: C. Behrens

1.3 Port-Louis

Ebenfalls nah am Meer liegt dieser Friedhof, diesmal im Nordwesten von Grande-Terre. Hier fallen häufig merkwürdige Metallwannen auf: verrostet, manchmal überstrichen, ersetzen sie vermutlich den Bau von Grabanlagen aus Eisenbeton, deren kostspielige Fertigstellung offenbar nicht immer vollständig finanziert werden kann.

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Port Louis. Foto: C. Behrens

1.4 Sainte-Rose

Im Norden der Insel Basse-Terre wurde 1635 das früher "Grand Cul-de-Sac" genannte Dorf die erste Kolonie auf Guadeloupe. Die 500 Einwanderer aus der Normandie hatten es schwer zwischen den schroffen Bergen im Westen und dem Mangrovensumpf im Osten – von der Feindseligkeit der Bevölkerung ganz zu schweigen. Sie segelten kurz nach ihrer Ankunft weiter nach Süden, und das kleine Städtchen ist bis heute ein urtümliches, lebhaftes Fischerdorf geblieben, dessen schöner Friedhof mit seinen blühenden Bougainvilleas auf einer roterdigen Anhöhe liegt. Da in der Nähe Lambis gefischt werden, sieht man besonders viele Gräber mit den auffälligen Muscheln; ihre rosa Innenfarbe leuchtet oft kräftig, wenn sie noch nicht lange in der Sonne gestanden haben. Auf diesem Friedhof gibt es auch ein "Ossuaire" (Beinhaus), und neben stattlichen Grabkapellen – zum Beispiel von 1824 oder mit der Inschrift "à perpétuité" (für immer) – liegen einfache, unterschiedliche Gräber, häufig mit bunten oder hellen Kacheln dekoriert.

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Sainte-Rose. Fotos: C. Behrens

Auffällig sind auch hier einzelne Grabstellen oder Details: etwa handbemalte Blumenmotive auf weißen Kacheln; ein nur mit Erde und (hier echten) Blumen bedecktes Grab; eine mit weißen Steinchen geschmückte Grabstätte für ein junges Mädchen; oder die eines bei einem Unfall ums Leben gekommenen 23jährigen, die zwei Erinnerungstäfelchen mit Lastwagen- und Motorradmotiven sowie Zeilen in der dortigen kreolischen Sprache ziert… die für Festland-Franzosen kaum zu verstehen sind.

2. Friedhöfe als Spiegelbilder der Gesellschaft und der Geschichte

2.1 Morne-à-l’Eau

Die mit 18.000 Einwohnern kleine Stadt im Binnenland von Grande-Terre liegt an einem verkehrsgünstigen Knotenpunkt, was ihre relative Wohlhabenheit erklären könnte – sie hat zweifellos den berühmtesten und meist photographierten Friedhof auf Guadeloupe. An der Hauptstraße gelegen, ist er ein wahrer Blickfang und macht aus diesem Ort am Hügel (oder "morne") wahrhaftig eine Totenstadt, denn die hier gebauten Grabkapellen sind fast einheitlich mit Keramikkacheln in schwarz/weißem Schachbrettmuster verziert – wobei es zwischen arm und reich sehr wohl Unterschiede gibt: Manche Grabmäler sind wie echte kleine Häuser gestaltet, einfache Gräber werden dagegen oft nur mit Sand bedeckt. Man staunt über die Vielfalt der Motive: Mal sind sie senkrecht, mal diagonal, manchmal ziehen sie Linien oder bedecken ganze Flächen; mal sind es ganze Kacheln, mal nur kleine Stücke, mosaikartig angebracht, mitunter andersfarbige Stücke. Darüber hinaus ist jedoch auch das Material erstaunlich vielfältig, denn hier werden nicht nur die einfachsten Keramikfliesen verwendet.

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Morne-à-l'Eau. Fotos: C. Behrens

Reiseberichte und andere Besucher, die es erlebten, berichten über den Friedhof von Morne-à-l’Eau, dass alle Gräber kurz vor dem 1. November geputzt oder neu gestrichen werden, geschäftstüchtige junge Leute Getränke auf dem Friedhof verkaufen, andere ihre Hilfe bei der Grabpflege anbieten. Denn auf Guadeloupe dürfen die Totenseelen einige Stunden bei ihren Familien verbringen – Mexiko liegt nicht so weit entfernt… Zu Allerheiligen besuchen dann ganze Familien ihre verstorbenen Angehörigen, auch ihre Nachbarn; zu diesem Anlass werden die Gräber geschmückt und einige Kunstblumen angebracht, vor allem aber rote Windlichter und Kerzen: Tausende von Lichtern werden angezündet, oft mit einem heiteren gemeinsamen Essen auf dem Grabmal. Vor dem Friedhofseingang, wo einige Imbisswagen für einen eventuellen Nachholbedarf stehen, soll fast Volksfeststimmung herrschen. Um 21 Uhr gehen die Familien dann nach Hause, um die Toten ruhen zu lassen. Auch Monate später (alle Bilder hier sind von Februar 2014) kann man dort noch viele Windlichter auf den Gräbern, bzw. Reste geschmolzener Kerzen sehen.

Alle Friedhöfe Guadeloupes feiern in derselben Weise Allerheiligen und Totensonntag. Eine ähnliche Stimmung, hier allerdings auf der Nachbarinsel Martinique, entdeckt man auf einem 1958 gemalten Bild vom Künstler Alex Bertrand im Museum Saint-John Perse in Pointe-à-Pitre.

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Gemälde von Alex Bertrand, Martinique. Foto: C. Behrens

2.2 Basse-Terre

Der Verwaltungs- und Bischofssitz des Archipels, 1643 gegründet, besitzt den zweitgrößten Hafen von Guadeloupe, gut von den Passatwinden geschützt und mit bedeutender Bananenausfuhr nach Europa. Die Stadt zählt aber heute nur 12.000 Einwohner, denn sie liegt am Fuß vom aktiven Vulkan Soufrière, mit 1467 m der höchste Berg der Kleinen Antillen, der zuletzt 1956 und 1976/77 ausbrach: Bei der letzten verheerenden Eruption mussten die 70.000 Basse-Terriens evakuiert werden – sechs Monate später kam nur ein Teil von ihnen zurück. Dies erklärt die Größe des dortigen Friedhofs, der im Gegensatz zu den vorigen auch vielmehr den Charakter der Metropole erhalten hat, obwohl die Stadt heutzutage bescheiden wirkt.

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Basse-Terre. Fotos: C. Behrens

Eine der ältesten, größten und höchsten steinernen Anlagen mit einer Büste entstand 1810. Dieser südliche, ältere Teil des Friedhofs ist ein wahres Durcheinander von alten Grabkapellen: häufig mit Metallgittern, Einfriedungen sogar aus Schmiedeeisen, ebenfalls einigen Engeln (dafür deutlich weniger Lambis). Dazwischen stehen oder liegen jedoch auch moderne Gräber, oft aus Granit, Marmor und anderen teuren Steinen. Da mag mancher Eigentümer nicht gerne brennende Kerzen darauf sehen, wie er es mit passendem Sondertäfelchen mit dem Hinweis "N’allumez pas de bougies" ("Bitte keine Kerzen anzünden")klar macht – vielleicht wird Allerheiligen dort auch verhaltener gefeiert.

Selbstverständlich gibt es auch Kachelgräber im alten Teil; deutlich zahlreicher lassen sich diese im neueren nördlichen Teil des Friedhofs finden. Außer dem alten Beinhaus im Empire-Stil entdeckt man hier zudem eine relativ neue, offene Stelle für Urnen.

Erwähnenswert in Basse-Terre ist schließlich das 1643 erbaute Fort Delgrès, wo der Nationalheld Guadeloupes Colonel Louis Delgrès und etwa 200 seiner Leute 1802 im Kampf gegen die einmarschierenden napoleonischen Truppen starben – ihr Versuch, die Wiedereinführung der bereits abgeschafften Sklaverei zu verhindern, blieb vergeblich…

2.3 Le Moule

Der einzige natürliche Hafen an der Atlantikseite war der erste auf Grande-Terre. Inmitten einer großen mit Zuckerrohranbau geprägten Region, ausgestattet mit fünf Zuckerfabriken, war die Stadt auf Zuckerhandel spezialisiert – nicht umsonst war sie lange die zweitgrößte Stadt auf Guadeloupe. Nach verheerenden Wirbelstürmen 1928 und 1929 wirkt sie heute etwas verschlafen und zählt nur noch knapp 20.000 Einwohner. Dafür kann man auf ihrem Friedhof auf Anhieb bemerken, wie wohlhabend ihre Bevölkerung einmal gewesen ist. Einige der älteren Grabstellen sind noch aus Naturstein; große Familienanlagen aus bemaltem Zement tragen hier auffällig viele Porzellanblumen. Kunstblumen gibt es seltener, z. B. für ein Baby, dafür umso häufiger die bekannten Fliesen und Sand.

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Le Moule. Fotos: C. Behrens

2.4 Pointe-à-Pitre

Weniger kolonial als Basse-Terre – und trotz verheerender Brände (1780, 1850, 1871), Erdbeben (1843), Cholera (1866), Wirbelsturm (1829) und Orkan "Hugo" (1989) – bleibt das vitale Wirtschaftszentrum mit Flughafen und dem einzigen Container-Hafen die eigentliche Hauptstadt Guadeloupes, auch wenn ihre Bevölkerung (20.000 Einw.) von 1999 bis 2011 um ein Viertel geschrumpft ist: Man arbeitet da, wohnt aber nicht gerne dort.

Durch einen Erlass vom 12 Juni 1804 hatte Napoleon aus hygienischen Gründen beschlossen, die öffentlichen Friedhöfe aus den Städten zu verbannen: 1807, drei Jahre nach dem Père-Lachaise in Paris, wurde auch der Friedhof von Pointe-à-Pitre gegründet – damals auf einem Hügel, eine Stunde vom Stadtzentrum entfernt. Mehrmals erweitert ist er heute knapp 3 ha groß. Die Hauptstraße mit Pflastersteinen, Queralleen und Wegen, dazu regelmäßigen "carrés" oder Quadraten mit Baumnamen, beweisen den gelungenen Versuch, eine Systematik zu schaffen. Weitere Abteilungen tragen den Namen ihrer "Gäste" – carré Spirituel (für Priester und Nonnen), carré Gendarmerie, carré des Anges (für kleine Kinder), carré des Suicidés (Selbstmörder) – oder der Anlässe: carré des "Cyclonés" von 1928, der Cholera-Opfer von 1865… Hinweise und Pfeile am Boden führen zum Kolumbarium und dem danebengelegenen "Jardin du Souvenir", oder auch zum Beinhaus, wobei diese drei Stätten bescheiden ausfallen. Wie in Europa um 1900 erhielten auch hier mehrere Persönlichkeiten Marmor- oder Bronzebüsten auf ihre Grabstätten. Die vielleicht typischste in Pointe-à-Pitre wurde leider vor einigen Jahren enthauptet und stellte den Kommandanten Bouscaren (1832–1880) dar: mit einer an Magie grenzenden Verehrung wird das ganze Jahr über das Grab mit frischen, roten Blumen geschmückt. Ein weiteres interessantes Beispiel aus weißem Marmor, 1896 von seiner Witwe im Auftrag gegeben, zeigt das Portrait eines Mulatten mit Kraushaar – sichtbarer Beweis seines Erfolgs als Zimmermann in der damaligen Gesellschaft. Unter den zehn verschiedenen Büsten finden sich nur zwei weiblicher Verstorbenen: zum einen die wunderschöne Darstellung einer zwanzigjährigen jungen Frau aus weißem Marmor (1868); zum anderen die bronzene Büste eines 1899 an Gelbfieber gestorbenen, achtjährigen Mädchens. Über die zwei Jahrhunderte lange Kunstgeschichte dieses Friedhofes wäre viel zu sagen… doch würde das diesen Rahmen endgültig sprengen.

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Pointe-à-Pitre. Fotos: C. Behrens

Eine Bemerkung noch: Wie auch in Basse-Terre findet man hier mehrere italienische Familiennamen von Leuten aus Genua, Neapel, Süditalien oder Sizilien, die sich Anfang des 19. Jahrhunderts als Händler oder Reeder niederließen. Später kamen Libanesen dazu.

Im Zentrum der Stadt beobachteten wir übrigens zufällig in der Saint-Pierre-et-Saint-Paul Kirche (die als Kathedrale gilt) eine Trauerfeier mit schönem Gesang; als die Trauergesellschaft dem Sarg folgend auf den Platz hinaustrat, erwartete sie eine flotte Musik mit Lautsprechern aus einem dafür bestellten Wagen – denn hier wird der Tod als Fest betrachtet.

3. Die Spuren der Geschichte heute

Angesicht der vielfältigen Hautfarben, die sich auf Guadeloupe im wahrsten Sinne sehen lassen können, lässt sich die lange Zeit der Sklaverei nicht leicht vergessen – nur 10 % der Menschen hier sind Weiße. Nur gut, dass die Bevölkerung seit den 1930er Jahren, auch dank Aimé Césaire und anderer Schriftsteller aus den Antillen, ihre "Négritude" und die dazugehörige afrikanische Vergangenheit selbstbewusster leben. Dazu beigetragen haben aber auch zwei Persönlichkeiten, die Guadeloupes Geschichte besonders geprägt haben und deren Büsten man hier im öffentlichen Raum häufig zu sehen bekommt: Dabei handelt es sich zum einen um den bereits erwähnten Nationalheld Louis Delgrès (1766–1802), zum anderen um Victor Schoelcher (1804–1893), der sein Leben lang für die Abschaffung der Sklaverei kämpfte; er verordnete und unterschrieb das Dekret vom 27 April 1848 und verkörperte daraufhin als "Père des Noirs" diese Bewegung. Das Schoelcher-Museum in Pointe-à-Pitre ist in dieser Hinsicht sehr informativ und beschreibt eindrücklich den Sklavenhandel sowie das Leben und Werk dieses Mannes.

Bei Le Moule gelegen ist das Museum für Vorgeschichte Edgar Clerc besonders sehenswert, denn bedeutende Ausgrabungen (1997–2002) direkt am Atlantik (Nord-Ost-Küste) haben Hunderte von Gräbern ans Licht gebracht, darunter auch einen alten Sklavenfriedhof aus der Kolonialzeit, der zwischen 1750 und 1848 benutzt wurde. Die Untersuchungen der Skelette haben zahlreiche Rückschlüsse über den Gesundheitszustand dieser Bevölkerung gebracht, die damals 80 % der Gemeinde ausgemacht haben muss. An der Küste der "Anse Sainte-Marguerite" selbst ist wenig zu erkennen, die Ausgrabungen aber scheinen am Korallenriff im Meer fortgeführt zu werden. Im Museum sind dafür gute Erklärungen über diesen Sklavenfriedhof und die Begräbnisriten der Kolonialzeit.

Ein dritter Ort auf Grande-Terre muss noch erwähnt werden: "Les Marches des Esclaves" bei Petit-Canal im Westen, die Sklaverei und Zuckerwirtschaft symbolisieren. Auf jedem Absatz dieser großen Treppe sind die Namen der einzelnen verschleppten Stämmen Afrikas zu lesen – "Congos, Yorubas, Ibos, Ouolofs, Peuls, Bamilékés…". Oberhalb der Treppe gibt es schon seit 1848 ein Erinnerungsmahnmal, das älteste des Départments, unter dem Peitschen begraben sein sollen. Unten steht dazu seit 1994 eine riesige Trommel, aus der Feuer emporgehen sollte: Sie wurde zur Zweihundertjahrfeier der ersten Abschaffung der Sklaverei in Guadeloupe als "Monument der ewigen Flamme für den Unbekannten Sklaven" errichtet.

Weitere Monumente erinnern schließlich an die zahlreiche Kriegstoten, vor allem des ersten Weltkrieges, denn 52.000 Soldaten wurden aus den Antillen berufen, fast 30.000 verletzt, 1500 starben. Hundert Jahre später hat fast jede Ortschaft immer noch ein Monument, wie zum Beispiel Pointe-à-Pitre, auch Lamentin im Norden von Basse-Terre; oder Pointe-Noire südlich von Deshaies: Da staunt man schon über den blauen Soldaten mit Trikolore und Palmen im Hintergrund – wir sind so weit weg und eben doch in Frankreich.

Literatur:
Le Guide Vert: Guadeloupe, Martinique, Petites Antilles, Michelin, 2003
Guadeloupe, Guide évasion, Hachette, 2012
ADAC Reiseführer Karibik von Gerold Jung, 2013
Prospekt über den Friedhof von Pointe-à-Pitre: Laissez-vous conter le cimetière
La route de l’esclave. Traces-Mémoires en Guadeloupe, Conseil général de la Guadeloupe

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