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OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Tagung "Künstler und der Tod"

VI. Tagung der Reihe "Sterben, Tod und Jenseitsglaube": Künstler und der Tod –Künstlertestamente vom Mittelalter bis zur Gegenwart als Quellen der Kunst- und Sozialgeschichte. Schwabenakademie Irsee, Freitag, 9.11.2007 (15.30 Uhr) bis Sonntag, 11.11.2007 (ca. 12.30 Uhr).

Als letzte Verfügungen geben Testamente meist nicht nur Aufschluss über die Besitzverhältnisse des Erblassers und seine Vorsorge für die Hinterbliebenen, sondern auch über sein Verständnis von Seelenheil, Diesseits und Jenseits, von Zeitlichkeit und Ewigkeit. Die Testamente von Künstlern beziehen – dies eine ihrer inhaltlichen Besonderheiten – regelmäßig deren Werke oder das eigene Grabmal ein und bezeugen damit auf oft eindrucksvolle Weise das Ringen um dauerhaften Ruhm. Die Geschichte dieses Quellentypus wurde noch nicht geschrieben. Vor allem Juristen und Historiker, seltener Theologen und Sozialwissenschaftler haben Testamente als Quellen der Rechts- und Wirtschaftsgeschichte untersucht. Dagegen hat die kunstgeschichtliche Forschung nur in wenigen Fällen vereinzelte Künstlertestamente publiziert und ausgewertet.

Die vergleichende Zusammenschau von Künstlertestamenten ist zu einem der virulentesten Desiderate der Kunst- und Sozialgeschichte geworden. Künstler – und deren Auftraggeber – verfügten über Möglichkeiten der Selbststilisierung und Mythenbildung wie kaum eine andere Personengruppe. Somit ist zu erwarten, dass insbesondere Künstlertestamente geeignet sind, solche Mythen zu bestätigen oder aber zu entzaubern. Der Wandel von Memorialkonzepten und Formen des Künstlerselbstverständnisses bzw. der Künstlerrepräsentation stehen im Mittelpunkt dieser Tagung über Testamente und künstlerische Vermächtnisse von bildenden Künstlern. Dabei soll der Bogen vom Mittelalter bis zur Gegenwart gespannt werden, um den Wandel – aber auch die Konstanten – in der Geschichte des Künstlertestaments anschaulich werden zu lassen.

Freitag, 9. November 2007

15.30 - 16.00 Uhr: Dr. Nicole Hegener (Kunstgeschichtliches Seminar, Humboldt-Universität zu Berlin), Dr. Markwart Herzog (Schwabenakademie Irsee), Dr. Thomas Pöpper (Institut für Kunstgeschichte, Universität Leipzig) Begrüßung / Einleitung
16.00 - 17.00 Uhr: Dr. Jeanette Kohl (Institut für Kunstgeschichte, Universität Leipzig) What’s left: Testament im Bild – Bild als Testament
17.00 - 18.00 Uhr: Prof. Dr. Teresa D’Urso (Università degli Studi di Napoli "Federico II") Giovanni Todeschino’s Will: The Intellectual Biography of a Renaissance Artist
18.00 - 19.00 Uhr: Kia Vahland M.A. (Universität Hamburg / Universität Lüneburg)
Das Kreuz mit der Kunst: Sebastiano del Piombos Testament von 1547 im Kontext der innerkatholischen Reformbewegung

Samstag, 10. November 2007

9.00 - 10.00 Uhr: Dr. Nicole Hegener (Kunstgeschichtliches Seminar, Humboldt-Universität zu Berlin) "PICTOR NVLLI SECVNDVS ... IN QVO DILIGENTIA IN MINIMIS MAXIMA": Testament und Nachlass des Miniators Giulio Clovio (1498-1578), des "kleinen Michelangelo"
10.00 - 11.00 Uhr: PD Dr. Thomas Weigel (Universität Münster) Die Testamente Jacopo Tintorettos und seiner Familienangehörigen
11.00 - 12.00 Uhr: Karen Buttler M.A. (Rom / Hamburg) Zwischen Repräsentationsanspruch und Künstlerselbstverständnis: Das Testament des Maler- und Sammlerfürsten Peter Paul Rubens
12.00 - 13.00 Uhr: Torsten Tjarks M.A. (Friedeburg / Bibliotheca Hertziana, Rom) Die Verbindung mit dem Anfang: Das Testament Borrominis
14.00 - 15.00 Uhr: Dr. Esther Meier (Institut für Kunst und Materielle Kultur, Universität Dortmund) Joachim von Sandrarts zweifaches Vermächtnis
15.00 - 16.00 Uhr: Dr. Elisabeth Herzog (Kaufbeuren) Testament und Nachlassverzeichnis des Münchner Hofmalers Johann Degler im Vergleich mit anderen bayerischen Hofmalern
16.30 - 17.30 Uhr: Petra Thomas M.A. (Hamburg) Bartolomeo Cavaceppis Leid mit dem Nachlass: Todesahnung, Nachruhm und römischer Nationalgedanke
17.30 - 18.30 Uhr: Vera Klewitz M.A. (Bad Honnef) Das Künstlerehepaar Sophie und François Rude und ihr Einfluss auf ihr postumes Bild in Kunstgeschichte und Gesellschaft

Sonntag, 11. November 2007

09.00 - 10.00 Uhr: Dr. Roman Zieglgänsberger (Kunstforum Ostdeutsche Galerie, Regensburg) Das sonderbare Testament des Marées-Schülers Karl von Pidoll (1847-1901)
10.00 - 11.00 Uhr: Dr. Thomas Pöpper (Institut für Kunstgeschichte, Universität Leipzig) Corriger la Fortune: Zu postmortalen Strategien der Werkverbreitung bei Max Klinger, Georg Kolbe und Georg Wrba
11.00 - 12.00 Uhr: Dr. Gundula Mayr (Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Münster) Der Traum vom Künstlergrab im Museum: Das Testament des Melchior Lechter (1865-1937)
12.00 - 12.30 Uhr: Resümee/Tagungsende

Informationen und Anmeldung
Schwabenakademie Irsee, Klosterring 4, 87660 Irsee
Tel 0 83 41 90 66 61 / 0 83 41 90 66 62 – Fax 0 83 41 90 66 69

Auflistung alle Artikel aus dem Themenheft Otto Linne der Reformer (Mai 2007).
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