OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Siegfried Wedells – Ein bedeutendes Grabmal des Ohlsdorfer Friedhofs wurde restauriert

 - November 2006
Ausgabe: 
Nr. 95, IV, 2006

In einer Feierstunde wurde das Grabmal des erfolgreichen und kunstsinnigen jüdischen Großkaufmanns Siegfried Wedells (1848 – 1919) am "Tag des Friedhofs" 2006 nach monatelanger Restaurierung der Stadt Hamburg zurückgegeben.

Wedells erhandelte sein Vermögen "mit Gütern des gehobenen Bedarfs", Seifen, Parfüms, Textilien und ähnlichem. Er galt als Jude mit preußischem Pflichtgefühl und drang stets auf Exaktheit im Geldverkehr. Trotz seines Reichtums lebte er sehr zurückgezogen. Das Streben nach geistig-künstlerischer Bildung bestimmte sein Privatleben. Er sammelte Gemälde, bevorzugt aus der Zeit der Renaissance. Für sie ließ er sich von Martin Haller 1895 sein Haus, einem Renaissance-Palazzo ähnlich, in der Neuen Rabenstraße 31 erbauen. Seine Bilder vermachte er der Hamburger Kunsthalle, deren Werke der italienischen Malerei von 1350 bis 1800 im Wesentlichen aus dieser Sammlung stammen. Durch ein Wunder überlebte seine Villa mit vielen Möbeln in der Innenstadt Hamburgs das Bombeninferno des Zweiten Weltkriegs. Da das Haus unter Denkmalschutz stand, wurde es in den gläsernen Neubau der Hanse-Merkur-Versicherung als Gästehaus mit einbezogen und erstrahlt heute erneut in seiner alten Pracht.

Parallel zu diesem Haus entstand das große Grabmal auf dem Ohlsdorfer Friedhof, das der Mäzen für sich errichten ließ. Es folgt etruskischen Traditionen mit einer liegenden Erdmutter auf einem Steinsarkophag. Ein Palmettenfries und Eierstabornamente bekrönen es. Die liegende Göttin stützt sich auf einen Krug mit auslaufendem Wasser. Ein Spruch auf der Basis lautet: "Aus mir fließt alles, kehrt zu mir zurück – so Tod wie Leben, Menschenleid und Glück." Die Reliefs auf beiden Seiten beziehen sich auf Handel und Kultur. Die Bildhauerarbeit von Walter Schmarje wurde 1919 in hoher Qualität in Berlin geschaffen.

Grabstätte Wedells
Restaurierte Grabstätte Siegfried Wedells. Lage: N 23 / O 23 (Foto: Mauss)

Dieses bedeutende Kunstwerk erlitt im Bombenkrieg Zerstörungen und verschwand langsam hinter Rhododendrenbüschen. Es schien verloren. Im Zusammenhang mit der Restaurierung des Wedells-Hauses regte die Hanse-Merkur-Versicherung mit Professor Imeyer eine Wiederherstellung dieses außerordentlichen Grabmals an.

Der Förderkreis Ohlsdorfer Friedhof wurde auserkoren, die Ausschreibung, Bauüberwachung und Abrechnung der Restaurierungsarbeiten zu übernehmen und galt damit als Verwendungsempfänger der Gelder, die die Stiftung Denkmalpflege Hamburg, die Agnes-Gräfe-Stiftung und das Denkmalschutzamt zur Verfügung stellten. Fast 25.000 Euro kostete das Vorhaben, beauftragt war die Steinmetzfirma Karbenk. Betrachtet man das fertige Grabdenkmal sowie die vorliegende und ausfühliche Dokumentation, in der die einzelnen Stufen des Ab- und Wiederaufbauens wiedergegeben werden, so kann man sagen, dass die Restauratoren trotz Schwierigkeiten Großes geleistet haben, namentlich zu nennen sind vom Denkmalschutzamt Volker Doose und vom Förderkreis Helmut Schoenfeld. Die Friedhofsverwaltung hat das Umfeld dieses Denkmals abschließend mit einem würdigen parkartigen Rahmen versehen.

Am sonnigen "Tag des Friedhofs" kamen etwa 200 Gäste. Im Namen des Förderkreises Ohlsdorfer Friedhof e.V. begrüßte der Vorsitzende Dr. Hans-Jörg Mauss diese Besucher und sprach über das Kunstwerk des Grabmals Wedells, Professor Gerd-Winand Imeyer über das Leben dieses jüdisch-deutschen Großkaufmanns und Lutz Rehkopf über Techniken der Restaurierungsarbeiten.

Dr. Mauss
Hans-Jörg Mauss bei seiner Ansprache (Foto: Rehkopf)

Ein langer, aber erfolgreicher Weg liegt damit hinter uns. Nur die Gemeinschaft schafft solch ein Werk – aber ohne die dauernd treibende Kraft Einzelner gelingt die Vollendung nicht.

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