OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Grabstätten der Yeziden

 - Februar 2003
Ausgabe: 
Nr. 80, I, 2003

Am Südrand des Stadtfriedhofs Lahe in Hannover befindet sich ein heckenumfriedetes Grabfeld, das ausschließlich für Gräber verstorbener Yeziden bestimmt ist.

Wer sind die Yeziden und welche Bedeutung kommt den verschiedenen Symbolen auf ihren Grabstätten zu, fragten sich wahrscheinlich nicht nur die Teilnehmer einer Fachexkursion des Förderkreises Ohlsdorfer Friedhof zu den Friedhöfen der Landeshauptstadt Hannover im Herbst 2002. Ergänzend zu den Antworten, die Frau Runhild Porthun von der Friedhofsverwaltung Hannover dazu geben konnte, sollen hier einige Informationen zu diesen Fragen folgen, die auf Grund einer Recherche im Internet zu finden waren:

Die Yeziden sind Angehörige einer alten religiösen Minderheit der Kurden. Ihre Wurzeln reichen bis zu 2000 Jahre vor Christus in die Zeit des Mithraïsmus. Ehemals Ursprungsreligion der Kurden, wurde die Zahl der Yeziden durch Zwangsislamisierung auf heute ca. 800.000 Mitglieder dezimiert.1) Die heutige Ausprägung des Yezidentums basiert auf Reformen des Scheichs Adi Ibn Musafir von 1162 n. Chr.

Die Siedlungsgebiete der Yeziden entsprechen denen der Kurden, d.h. sie befinden sich im heutigen Nordirak, Nordostsyrien, Südosttürkei, Armenien und Georgien. Allerdings leben dort heute nur noch Restgruppen. Im Nordirak wurden sie von Saddam Hussein bekämpft und vertrieben, und in der Türkei, wo sie noch heute wie Staatsfeinde verfolgt werden, leben von ursprünglich über 300.000 Yeziden heute nur noch wenige hundert. Lalish, das religiöse Zentrum der Yeziden, befindet sich im Nordirak nahe der Stadt Mossul. In Deutschland, wo die Yeziden auf Grund ihrer religiösen Verfolgung durch die islamische Bevölkerung in ihrer Heimat als asylberechtigt anerkannt werden, leben zur Zeit ca. 30.000 Yeziden.1)

Auf verschiedenen deutschen Kommunalfriedhöfen wurden inzwischen spezielle Grabfelder für die in Deutschland verstorbenen Angehörigen der yezidischen Religion angelegt, so zum Beispiel in Bochum, in Wesel am Niederrhein und in der Landeshauptstadt Hannover. Die Reihengrababteilung (Abteilung 506) auf dem Laher Friedhof in Hannover mit Grabstätten für Yeziden wurde im Jahre 1989 angelegt. Gemäß den Bestattungsriten der Yezidi ist diese Abteilung für die Gruppen der Scheichs (Sêk), der Pir und der Merit unterteilt. In Anlehnung an Grabsteinformen aus der Osttürkei kann in Hannover unter drei verschieden geformten Grabsteintypen, die verbindlich vorgeschrieben sind, gewählt werden.2)

yezidi
"Grabstätten der Yeziden" (Foto: Schulze)

Unabhängig von diesen Grabsteinformen gilt, dass Gräber von Männern nicht nur am Kopfende des Grabes einen Stein haben, sondern auch am Fußende, Gräber yezidischer Frauen haben nur den Kopfstein. Der Kopfstein trägt immer das Symbol einer Sonne als Kennzeichnung der yezidischen Religion. Darunter steht die Textzeile "YEZIDI", manchmal auch in der kurdischen Schreibweise "Êzidi". Auf einigen anderen Grabsteinen findet man weitere bildliche Darstellungen, die mit der yezidischen Religion zu tun haben, zum Beispiel das Bild des Vogels Pfau oder die Abbildung eines Kandelabers mit einer Pfauendarstellung auf der Spitze.3) Der Pfau ist ein bildliches Symbol für Melek Taus, den von den Yeziden neben Gott (Khode) hoch verehrten obersten Engel und Partner Gottes. Als Adam geschaffen war, fiel Melek Taus von Gott ab und landete daraufhin in der Hölle. Nach vollzogener Reue von Gott wieder in Gnaden aufgenommen, wurde Melek Taus Herr der Welt.4)

1) http://www.yezidi.org
2) http://www.hannover.de/deutsch/kultur/nah_park/naherh/friedhof/infoyezi.htm
3) http://mitglied.lycos.de/benninghaus_ruediger/graves.htm
4) M. u. U. Tworuschka: Religionen der Welt

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