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OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Massentod in Flüchtlingslagern

250 000 Flüchtlinge aus Ostpreußen und Pommern wurden in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges nach Dänemark verschlagen.

Bis Kriegsende war die deutsche Besatzungsmacht für sie verantwortlich, danach übernahmen dänische Behörden die Kompetenz. Die deutschen Internierten wurden streng von der einheimischen Bevölkerung ferngehalten - eine Folge der fünfjährigen Okkupation durch die Nazis.

Da sich dänische Ärzte und Krankenhäuser weitgehend weigerten, die Flüchtlinge zu behandeln, hielt der Tod reiche Ernte unter diesen zivilen Opfern des Weltkrieges. Allein 1945 starben 13 000 von ihnen, darunter 7000 Kinder, von denen die meisten keine fünf Jahre alt geworden sind. Die Säuglingssterblichkeit lag bei nahezu hundert Prozent. Die häufigsten Todesursachen waren Unterernährung, Flüssigkeitsmangel, Darm- und Mageninfektionen sowie Scharlach.

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Geschwistergrab in Esbjerg (Foto: Schreiber)

So verständlich die Stimmung der Bevölkerung gegen Deutschland und die Deutschen auch gewesen sein mag, so die Ärztin und Historikerin Kirsten Lylloff: Die Frage stelle sich, wie denn Kleinkinder Feinde sein könnten. Sie war während des Besuchs eines Friedhofs mit einer unverhältnismäßig großen Zahl deutscher Kindergräber konfrontiert worden und hat daraufhin eine Ursachen-Studie durchgeführt.

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Gemeinschaftsgrab in Kopenhagen (Foto: Schreiber)

Die führende dänische Zeitung "Politiken" hat das Schicksal der bis 1949 in Dänemark untergebrachten, unnachgiebig von der einheimischen Bevölkerung isolierten Flüchtlinge die "größte menschliche Tragödie der dänischen Kriegsjahre" genannt. Nicht nur die "dänische Unmenschlichkeit sei erschreckend, sondern im besonderen die massive Verdrängung" des Themas in den Jahren danach. Dennoch muss herausgehoben betont werden, dass Zehntausende deutscher Flüchtlinge ihr Leben durch die Aufnahme in Dänemark haben retten können und dies auch anerkennend zum Ausdruck gebracht haben.

Auflistung alle Artikel aus dem Themenheft Armenbegräbnisse (November 2002).
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