OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Dendrologischer Spaziergang über den Friedhof

 - September 1999
Ausgabe: 
Nr. 66 / 67, III / IV, 1999

Der Spaziergang wird entlang des in diesem Frühjahr eingerichteten Naturlehrpfads im Bereich der Kapelle IV führen.

Auf Informationstafeln sind nämlich zahlreiche Hinweise zu Bäumen zu entdecken. Wenn möglich, werden sie in dieser Abhandlung kurz ergänzt. Der Pfad beginnt und endet am südlichen Fußweg der Cordesallee in Richtung Rosengarten, ist auf etwa 1,5 km durchgehend ausgeschildert und beschreibt 23 Stationen.

1. Willkommen am Südteich!

Mit diesem Gruß wird auf den Teich und einem Graugänse-Paar aufmerksam gemacht, ergänzend sei der Hinweis auf die links der Brücke wachsende mächtige Silberlinde und die dahinterstehende heimische Sommerlinde. Beide sind mit ihrem Namen ausgeschildert. Auf der Teichinsel stehen links vier Sumpfzypressen und rechts davon zwei Lärchen, Nadelbaumarten, die im Winter ihre Nadeln abwerfen.

2. Ein Garten voller Rosen

Neben allgemeinen Hinweisen auf das nicht alltägliche Rosarium mit 50 Rosensorten wird auch auf die älteste hier gepflanzte Sorte, Rosa richardii, eingegangen, die 3000 Jahre v. Chr. im antiken Pompeji geblüht haben soll. Richtiger erscheint mir, daß sie vermutlich in dem genannten Jahrtausend in Phönizien als Naturhybride entstanden und erst viel später auch im Römischen Reich bekannt geworden ist.

3. Das Rätsel der neun Buchen

Nach der Lösung wird nicht gefragt, aber auf höhlenbrütende Vögel hingewiesen. Die vermutlich richtige Lösung muß wohl heißen: Hier stehen 3 geschlitztblättrige Rotbuchen, 3 Hängebuchen, 1 Blutbuche (aber nur als Sämling) und 2 Weißbuchen. Sie sind seit Jahren von einer Wurzelkrankheit befallen und daher in ihrer Wüchsigkeit beeinträchtigt. Man sieht es an der Wipfeldürre.

4. Ein Weidenkorb in der Buche?

Hier erfährt man Näheres über Bruthilfen für Waldohreulen, Waldkäuze oder Falken. Die beschriebene Rotbuche ist genaugenommen eine Blutbuche, eine Kulturform unseres heimischen Waldbaumes. Auf sie treffen natürlich die gegebenen Erläuterungen auch zu.

5. Der Ahorn - Zuckersaft und Flügelfrüchte

Der allbekannte Spitzahorn wird vorgestellt und mit ihm die "Nasenkleber" aus unseren Kindheitstagen, die wintertags eine beliebte Nahrung für die Dompfaffen darstellen.

6. Der Bergahorn

Hilfreich sind die beschriebenen Unterschiede zwischen den heimischen Arten des Spitz- und des Bergahorns. Der vorgestellte Baum ist natürlich die rotblättrige Kulturform. Bis auf ihre Blattfarbe unterscheidet sie sich jedoch nicht von der eigentlichen Art.

7. Die Eiche - Gipfelstürmer unter den Bäumen

Sie wird nicht nur hoch, sondern auch sehr alt und war in früheren Zeiten ein vielfältiger Nutzbaum für den Menschen. Ihre Bedeutung im Ökosystem jedoch ist geblieben, so dient sie u.a. als Futterpflanze für die Raupen von zahlreichen Schmetterlingsarten.

8. Es war einmal ...

Schade, daß die Hinweise auf die ehemaligen Knicks des Friedhofes hier nicht beispielhaft in die Tat umgesetzt worden sind, nämlich: Den noch gut sichtbaren Knickwall von Exoten wie den Rhododendronsträuchern befreien und typische Knickgehölze pflanzen. Ein Exemplar des Weißdorns (links) und der Vogelkirsche (rechts) können sich gerade noch behaupten. Eine standorttypische Krautflora würde sich dann von selbst einstellen. Übrigens, das genannte Zitat bezieht sich auf die Fuhlsbüttler Straße, als diese noch nicht befestigt war.

9. Fingerhut und Königskerze

Zu den beiden näher vorgestellten Wildstauden haben sich u.a. schon der Hornklee, die Lichtnelke und der Waldziest hinzugesellt. Zumindest auf diesem Spaziergang sollten sie genannt werden.

10. Ein Baum – Symbol für das Ewige Leben?

An dieser Station wird die uralt werdende Eibe mit ihren Vorzügen für Mensch und Tier charakterisiert. Leider wurde für diesen symbolträchtigen Großstrauch ein jüngerer Vertreter, mit nicht sehr attraktivem Aussehen ausgewählt.

11. Ein Eldorado für Schmetterlinge - die Ulme

Es sollte ergänzt werden, daß die Ulmenkrankheit in Deutschland bereits große Bestände befallen und vernichtet hat. Einzeln stehende Bäume bleiben meist vom Befall verschont.

12. Die Wildbirne - Urahnin der süßen Frucht

Obwohl ihre Vorzüge als ökologisches Gehölz gepriesen wird, scheint sie Opfer ihres Standortes zu werden: Im Juli waren ihre Blätter vom Birnenrost, einem Pilz, befallen.

13. Die Eberesche als Vogelfalle

Wissenswertes über die Vogelbeere als Nahrungsquelle für Mensch und Tier ist hier zu erfahren.

14. Nisthilfe für Höhlen- und Halbhöhlenbrüter

Hier gibt es Hinweise zu Nistkästen, die man auch im eigenen Garten aufhängen kann.

15. Fleißige Bienen bei der Arbeit

16. Zimmer frei im Insektenhotel

Wie Insekten leben und wohnen wollen und wie der Mensch unterstützend dabei helfen kann, ist hier aus nächster Nähe zu erfahren.

17. Das Kleinbiotop Reisighaufen - einfach tierisch

Ein nichtssagender Haufen weist darauf hin, daß angeblich totes Holz noch Leben in sich birgt, als Unterschlupf für Singvögel und als Nahrungsquelle für Käfer.

18. Ein Reigen bunter Sommerblumen

Hier hätte ich mir im inhaltlichen Rahmen des Lehrpfades Wiesenblumen oder bodendeckende Wildstauden gewünscht.

19. Honig, Tanz und Tee - die Linde

Welch ein Baum für Leib und Seele des Menschen, die Winterlinde. Man erkennt sie im Vergleich zu anderen Lindenarten an ihren 5- bis 11-blütigen Scheindolden und ihren unterseits braunbärtigen Blättern.

20. Wieviel ist ein Baum wert?

Ein schönes Beispiel für einen ausgewachsenen Baum stellt hier die Hängebuche dar, eine Kulturform unserer einheimischen Rotbuche. In 120 cm Höhe ist noch die ehemalige Veredlungsstelle zu erkennen. Der errechnete Wert von 50.000 DM steht natürlich auch für andere Bäume dieser Größe.

21. Die Lärche fällt aus dem Rahmen ...

Der Leser erfährt einiges über die Vorzüge des nadelabwerfenden Baumes. Im Waldbau wird sie daher auch als “Vorwald” für spätere Nachpflanzungen verwendet. In Sichtweite der Informationstafel sind einige Exemplare, von Efeu eng umschlungen, zu finden, siehe auch Station 22.

22. Efeu - der Unverwüstliche

Beim Suchen des Unverwüstlichen sollte man sich zunächst nach Lärchenbäumen umschauen. Dort klettert er bis in schwindelnde Höhen. Wer im Oktober das Verwaltungsgebäudes friedhofsseitig betritt, kann seine Blühwilligkeit von nahem bewundern und mit ihm die vielen Wespen, die sich an seinem Blütennektar laben.

23. Wer knackt die Nuß?

Natürlich auch das Eichhörnchen, das sich der Frucht des Haselstrauches bedient. Einige Exemplare stehen etwas einsam auf einem fast kaum bewachsenen Knickwall. Könnte man hier nicht so verfahren, wie zur Station 8 bereits angemerkt? Weiteres Getier und Gewächs hätte dann hier seinen Lebensraum.

Die eingeflochtenen kritischen Anmerkungen sind wohlgemeinte Vorschläge zur Ergänzung der Texte; denn vermutlich wird die Konstruktion der Informationstafeln alsbald mit Witterungseinflüssen zu kämpfen haben. Ihre dann notwendige Überarbeitung könnte die Vorschläge berücksichtigen. Als sehr beständig erscheinen mir dagegen die Tafeln des BUND auf seinem Lehrpfad am Rande der Teichwiesen in Hamburg-Volksdorf.

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