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OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Der Geschlechterfriedhof in Lunden (Dithmarschen)

Autor/in: Dirk Jonkanski
Ausgabe Nr. 100/101, I+II, 2008 - März 2008

Das von der backsteinernen Umfassungsmauer bis zur St. Laurentius-Kirche ansteigende Gräberfeld gilt als Denkmal der freien Dithmarscher Bauerngeschlechter.

Darauf deuten mit Gras bewachsene Aufschüttungen auf noch 13 erhaltenen Gruftgewölben dieser Familienverbände hin. 66 sandsteinerne Abdeckplatten und die großenteils frei aufgestellten Stelen erzählen in Inschriften, Wappen, Hausmarken und figürlichen Reliefs die besondere Geschichte Dithmarschens. Dass hier einflussreiche Familienverbände ihre Toten in gemauerten, tonnenförmigen Grüften beisetzten, die über einen mit einem Deckstein verschlossenen Treppenschacht zugänglich sind, blieb in Lunden bis zur Anlage des neuen Friedhofs am Ortsrand 1875 Tradition.

Ursprünglich gliederten vier Wege den Friedhof, an die sich die einzelnen Grabstätten reihten. Die "Patina eines alten Kirchhofes2 gab ihm 1938/39 der bekannte Gartenarchitekt Harry Maaß aus Pönitz. Sein Rundweg, der zum Verweilen einlud, führte zu allen Steinen und Gewölben.

Lunden
Der Geschlechterfriedhof in Lunden. Foto: Jonkanski

Die Wiederherstellung dieses Wegenetzes, die Sanierung der backsteinernen Umfassungsmauer, die als Rest einer mittelalterlichen Befestigung von 1476 angesehen wird, sowie die Konservierung der wertvollen Steine standen und stehen im Mittelpunkt des mit EU-Mitteln geförderten Projekts, für das bereits 2001 ein erstes Konzept erstellt worden ist (Thomas Benk u. Manfred Kulmer). Ein vom Landesamt in Auftrag gegebenes gartenhistorisches Gutachten liegt vor (Landschaftsarchitekt Horst Günter Lange 2003ff). Geomagnetische Messungen ermöglichten die zerstörungsfreie Erkundung verborgener Gruftanlagen (Dr. Stümpel/CAU). Um ihren Zustand zu erkunden und Sanierungsmöglichkeiten auszuloten, wurde einer der Gewölbekeller geöffnet (Wolfgang Bauch/LASH).

Lunden
Der Geschlechterfriedhof in Lunden. Foto: Jonkanski

Inzwischen hat das Jugendaufbauwerk Dithmarschen die wassergebundenen Wegeflächen und die Treppe und Pflasterung des Hauptwegs wiederhergestellt (Leitung Hr. Nikisch). Nach wissenschaftlicher Grabung, Aufmass und Baualterskartierung ist für die Friedhofsmauer ein Sanierungskonzept erstellt worden (Arch. Christine Scheer). Zur Öffentlichkeitsarbeit gehören Informationsschilder und -tafeln auf dem Gelände, eine Ausstellung in der Kirche wie auch ein sechseckiger Pavillon als "Info-Punkt" am Rande des Friedhofs (Konzept Hans-Joachim Mocka, Redaktion Isabel Sonnenschein, Architektur Christine Scheer). Eine informative Broschüre ist bereits gedruckt worden (Bauerngeschlechter zwischen Zeit und Ewigkeit, Fleckeby 2006). Die Restaurierung des mehrfach gebrochenen Armentisches, der Gruftplatten und Stelen erfolgt nach der Aufstellung eines Leistungsverzeichnisse (Regina Schwarzburg) durch Steinrestaurator Herbert Böllner. Dazu gehört das Abgießen der besonders wertvollen Stelen als "Sicherungskopie". Alle Tätigkeiten werden von Matthias Günther vom Büro "Region Nord" als Projektleiter koordiniert. Unter anderem bleibt die Umsetzung des Bepflanzungsplans und die Eingangsgestaltung zur zugänglichen Sulemannen- und Nannengruft noch zu realisieren.

Mit den Worten des Provinzialkonservators Sauermann im Tätigkeitsbericht 1938 lässt sich auch dieser Bericht schließen: "Der noch etwas künstliche Ausdruck des Friedhofs wird sich erst mit der Zeit verlieren, wenn die neu gesetzten Pflanzen und Sträucher das Gelände bewuchern".

Kontakt: Dr. Dirk Jonkanski, Landesamt für Denkmalpflege Schleswig-Holstein Sartori & Berger-Speicher Wall 47/51, 24103 Kiel; Tel. 0431-69677.79, Fax 0431-69677.61, [email protected]

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