OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Susanna Kolbe: Da liegt der Hund begraben. Von Tierfriedhöfen und Tierbestattungen.

 - Juni 2014
Ausgabe: 
Nr. 125, II, 2014

Marburg 2014, 135 Seiten, zahlreiche farbige und s/w-Abbildungen

Als ob es eine Verabredung gegeben habe, kam kurz nach der Einladung zur Tagung der Schwaben Akademie in Irsee über "Tier-Tod: Bestattung, Friedhöfe und Grabmale für Tiere" (23.-25. Mai 2014, siehe in diesem Heft unter "Aktuelles") die Ankündigung des neuen Buches von Susanna Kolbe zu demselben Thema. Der handliche Band teilt sich in zwei Hauptteile. Begonnen wird mit einem Überblick über die Geschichte der Tierbestattung, die von den ägyptischen Tiermumien bis zu den teilweise anrührenden Geschichten besonders treuer Hunde reicht, für die – nicht nur, aber doch sehr oft in den Landschaftsparks des 18. und 19. Jahrhunderts – eigene Erinnerungsmale aufgestellt wurden. Daneben werden historische Tierfriedhöfe vorgestellt. Besonders dem "Cimetière des chiens" am Rande von Paris wird breiter Raum gegeben und seine mit Tieren geschmückten Grabmale werden in einem ausführlichen Bildteil gezeigt. Ein kurzer Exkurs führt außerdem zur Tierbestattung in der Literatur, für die sicher noch viel mehr Beispiele zu finden sind, als der Friedhof der Kuscheltiere und einige andere Stellen in englischsprachigen Romanen. Danach geht es um den gegenwärtigen Umgang mit toten Tieren. Als erstes wird die Begrifflichkeit geklärt, indem der Unterschied zwischen Haustier und Heimtier erläutert wird. Heimtier steht für die mehr oder weniger verhätschelten tierischen Hausbewohner wie Hunde, Katzen und andere "Familienmitglieder". Die innigen Beziehungen, die Menschen mit ihren tierischen Lebenspartnern verbinden, sind das eigentliche Thema, wenn es um Tiertod, Tierkörperbeseitigung und die (Tier-)bestattungskultur der Gegenwart geht und der Beruf des Tierbestatters ebenso wie die Feuerbestattung für Tiere – am Beispiel des Portaleums in Berlin – vorgestellt wird. Zahlreiche Fotos von modernen Tierfriedhöfen untermalen dabei die persönlichen Eindrücke, die die Autorin beim Besuch dieser Anlagen gesammelt hat. Insgesamt legt Susanna Kolbe mit ihrer Schrift eine lesenswerte Schilderung des gegenwärtigen Zustandes der Bestattungskultur ab. Frappierend ist dabei, wie sehr Tiere gegenwärtig vermenschlicht werden. Denn ihre Bestattungskultur und ihre Friedhöfe ähneln sehr stark den letzten Ruhestätten der Menschen. Die Nähe zum Menschen hat inzwischen dahin geführt, dass selbst kirchliche Friedhöfe damit liebäugeln, Flächen für die Bestattung von Tier und Mensch zu öffnen. Ein erstes konkretes Beispiel ist der Tierfriedhof im Wiesengrund Karlshorst, dessen Fläche von dem bestehenden evangelischen Friedhof abgetrennt und für Tiere geöffnet worden ist.

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