OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

"Und plötzlich war alles ganz anders …": Hospiz-Themenwoche in Cloppenburg

 - Juni 2014
Ausgabe: 
Nr. 125, II, 2014

Unter dem Titel "Und plötzlich war alles ganz anders …" veranstaltete der Hospizdienst für den Landkreis Cloppenburg e.V. vom 24. bis 29. März 2014 eine Themenwoche über Leben, Sterben und Tod, über Abschied, Trauer und Hoffnung.

Von Montag bis Freitag fanden an wechselnden Veranstaltungsorten abendliche Vorträge und Aufführungen statt. Am Samstag wurde mit zahlreichen Vorträgen und Workshops ein Thementag abgehalten und zum Abschluss der gesamten Themenwoche gab es als Höhepunkt das Musik- und Tanztheater "Siris Reise oder Wo ist der Weg zur Ewigkeit?" mit dem Ensemble "Siris Welt" und Karin Grabenhorst.

Gerichtet war die Themenwoche nicht nur an ehrenamtliche Hospizmitarbeiter, Trauerbegleiter und weitere Fachleute, sondern auch an alle Interessierten, die sich bislang noch nicht oder nicht viel mit der Thematik auseinandergesetzt haben. Vorträge, Informationen, Austausch und Diskussionen rund um die Themen standen dabei im Vordergrund. Aber gerade der Thementag zeigte, dass einige anwesende Betroffene in ihrer Trauer durch den Austausch, die Erfahrungen anderer Teilnehmer und die Diskussionen einen weiteren Schritt machen konnten.

Zu Beginn der Themenwoche gab Dr. Heinrich Dickerhoff einige Märchen zum Besten, die von Trauer und Trost erzählen. Die Hospizarbeit im Landkreis Cloppenburg wurde unter dem Titel "Sterben für Anfänger" vorgestellt, und Karin Grabenhorst berichtete in ihrem Vortrag "Wie ist das mit der Trauer?" von ihrer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in der Trauerbegleitung. In dem Pantomimentheater "Das Leben" von Christoph Gilsbach wurde das Leben und dessen Verfall sehr anschaulich dargestellt. Der Medienpädagoge Jens Wienken machte zum Thema Suizid und Internet deutlich, wie wichtig es ist, in unserer Gesellschaft Medienkompetenz, aber auch Sozialkompetenz – auch bereits bei unseren Kindern und Jugendlichen – zu entwickeln. Er warnte eindringlich vor den Gefahren des Internets, in dem die Ort- und Zeitgrenzen aufgehoben sind. Bereits Kinder sollten und müssen sich mit dem Medium beschäftigen, um so überhaupt Medien- und Sozialkompetenz erlernen zu können. Auch wenn Austausch und Anleitungen zum Suizid sehr leicht über das Internet zu bekommen sind, liegen aber dennoch große Chancen in diesem.

Auf dem Thementag am Samstag referierte Petra Hohn vom Bundesverband Verwaister Eltern und trauernde Geschwister in Deutschland e.V. (VEID e.V.) zum Thema "Suizid" – Leben mit Suizid, sowie über die Arbeit des VEID e.V. – Gelingende Netzwerkarbeit. Ulrich Strickling berichtete über die Arbeit des Kriseninterventionsteams und Dieter Rolfes von der spezialisierten Palliativversorgung (SAPV) bei Schwersterkrankten. "Bestattung zum Anfassen" erlebten die Teilnehmer beim Bestatter Ludger Bramlage. "Tod und Trauer im Internet – Neue Wege der Trauer am Beispiel Facebook" wurde von Sabine Schaper ausführlich dargelegt. Ulrike Straßheim konnte mit "Trauma und Trauer in der Familie – Ein Netz, das trägt" eindringlich von ihren Erfahrungen berichten. Auch die Erste Kriminalhauptkommissarin Annemarie Blömer referierte von der Polizeiarbeit im Zusammenhang mit Todesfällen.

Darüber hinaus wurden dazu parallel die Workshops "Wir machen unser Ginkgo-Ding" – schöpferisch-gestaltete Impulse für Trauernde mit Karin Grabenhorst sowie Spirituelle Lieder mit Burkhard Müller über den ganzen Vormittag bzw. Nachmittag angeboten. Die Verpflegung der Teilnehmer des Thementages mit Getränken, Mittagessen und Kaffee und Kuchen wurde in Eigenregie vom Hospizdienst sehr üppig und bestens organisiert. Alle Veranstaltungen, Vorträge und Workshops wurden mehr als gut angenommen.

Siri
Hospizwoche Cloppenburg, Aufführung von "Siris Reise". Foto: B. Buder

Zum Abschluss wurde am Samstag um 18 Uhr das Musik- und Tanztheater "Siris Reise oder Wo ist der Weg zur Ewigkeit?" aufgeführt. Eine zutiefst berührende Geschichte, die von Jugendlichen und jungen Erwachsenen eindrucksvoll dargestellt und mit toller Musik und tief greifenden, im wahrsten Sinne des Wortes zu Tränen rührenden Liedern ergänzt wird. Die kleine Seele Siri geht auf die Suche nach der Ewigkeit und trifft dabei auf Gefährten, mit denen sie auf eine ganz besondere Reise geht, begleitet von vielen Fragen, auf die sie gemeinsam eine Antwort suchen.

Die gesamte Themenwoche und vor allem der Thementag am Samstag mit der Siri-Aufführung darf ohne Übertreibung als großer Erfolg gewertet werden. Die Hospizarbeit präsentierte sich wieder einmal sehr positiv in der Öffentlichkeit, die oft verdrängten Themen Sterben, Tod und Trauer rückten weiter aus der Tabuecke und alle Beteiligten bekamen viele, gute Denkanstöße und Impulse.

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