OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

"Tag des Friedhofs" auf den evangelischen Friedhöfen Bahrenfeld/Ottensen

 - November 2005
Ausgabe: 
Nr. 91, IV, 2005

Sonntag, 18. September 2005 – nicht nur Datum des bislang wohl aufregendsten Ergebnisses einer Bundestagswahl, sondern zugleich auch vierter "Tag des Friedhofs".

Er soll, so Reiner Sörries, Direktor des Museums für Sepulkralkultur in Kassel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, "auf die Konsequenzen eines Wandels im Umgang mit den Toten" aufmerksam machen – für die Bedeutung der Friedhöfe als Indiz für die Intaktheit der Gesellschaft, gegen den zunehmenden Trend zur Entsorgung der Toten, zum Beispiel in Form anonymer Bestattungen.

Neben dem Friedhof Ohlsdorf hatten auch im Westen Hamburgs erstmals die Evangelischen Friedhöfe Altona – Bernadottestraße, Bornkamp, Diebsteich und Holstenkamp – die Bevölkerung auf den Friedhof Holstenkamp eingeladen. Hier wurden nicht nur die Angebote und Dienstleistungen der vier zwischen 1860 und 1889 angelegten parkartigen Begräbnisstätten präsentiert. Auch die Gewerbe rund um Tod und Friedhof – Steinmetze, Bildhauer, Bestatter – informierten, zudem luden Hospize und Initiativen wie "Verwaiste Eltern" zu Gesprächen ein.

Das Besondere dieser zusammengeschlossenen christlichen, trotz des Namens jedoch konfessionsfreien Friedhöfe ist, dass sie sich – außer bei Wahlgrabstätten für Särge und Urnen – in ihrer Vielfalt und ihren Angeboten unterscheiden. Wahlgrabstätten in Rasenlage für Sargbeisetzungen gibt es nur auf dem Friedhof Bornkamp, für Urnen indes auf den drei anderen. Die Anlage Diebsteich bietet als einzige des Verbunds neben Wahlgrabstätten als gemauerte Gruft – hervorzuheben sind die stattlichen Monumente der Sinti und Roma (s. a. "Ohlsdorf", Heft 72, I/2001) – Flächen für Verstorbene lutherischen, reformierten oder katholischen Glaubens an und auch nur hier sind Reihengräber für Beerdigungen von Erwachsenen und Kindern bis zu sechs Jahren verfügbar. Für anonyme Beisetzungen in Särgen muss die Entscheidung für den Friedhof Bornkamp fallen, Urnenfelder dieser Art sind auf den drei übrigen zu finden, ein Kolumbarium (s. "Ohlsdorf", Heft 83, IV/2003) am Holstenkamp.

Kolumbarium
Kolumbarium auf dem Friedhof Holstenkamp (Foto: Schreiber)

Legt man die Anzahl der Besucher zugrunde, dürfte sich die Frage nach der anfangs gestellten "Intaktheit der Gesellschaft" durchaus positiv beantworten. Auffallend war die Beteiligung der jüngsten und jungen Generation. So hatten sich die Sieben- und Achtjährigen des Kindergartens der Luthergemeinde nach einem Besuch des Helms-Museums mit dem dort präsentierten Thema "Tod" auseinandergesetzt und ihre Eindrücke in Zeichnungen und Collagen ausgedrückt, die jedes Kind in einem Schuhkarton zeigte.

Auswahl
Auswahl aus Darstellungen der Sieben- und Achtjährigen des Kindergartens zum Thema "Tod" (Foto: Schreiber)

Unübersehbar darüber hinaus das halbe Hundert Konfirmanden, das, mit Fragebogen in den Händen, auf einer Friedhofsrallye mehr als 30 Stationen anzulaufen hatte, um u. a. Antworten zur Historie von Grabstätten bekannter Personen aus Bahrenfeld/Ottensen zu erhalten – zum Beispiel nach dem Schraubenfabrikanten Theodor Heise; nach Johann Heinrich Mohr, Inhaber der Margarinefabrik Bahrenfeld; nach Luise Schröder, der 1946 Regierenden Bürgermeisterin von Berlin.

Und schließlich die eifrige Klasse 9a der Gesamtschule Bahrenfeld, vom frühen Morgen bis in den Nachmittag hinein geöffnet "zum Lernen und Leben", von der Hamburger Schulbehörde im Schul-TÜV 2004 mit einem "unerhört guten Ergebnis" erwähnt: Die 15-, 16-Jährigen hatten sich, auch maßgeblich angeregt durch ihre Alltagserfahrungen mit Gleichaltrigen verschiedener Kulturen, dem Thema "Internationale Bestattungsgebräuche" gewidmet und dazu eine äußerst vielseitige Foto- und Textkollektion gezeigt.

Beppler
Kinder-Atelier mit Bert Ulrich Beppler (Foto: Schreiber)

Reichlich Zuspruch fand auch Steinmetz und Bildhauer Bert Ulrich Beppler von der Firma Carl Schütt & Sohn. Das Mitglied des Förderkreises Ohlsdorfer Friedhof e.V. hatte ein Kinder-Atelier aufgebaut, in dem lebhaft mit Hammer und Meißel gewerkelt werden konnte. Und ebenso in Anspruch genommen wurde eine großzügige Geste der Gastgeber – in Form eines Buffets, an dem man sich, unter musikalischer Begleitung eines Gospel-Chors, bedienen konnte, ganz ohne Entgelt oder aber zum mäßigen Selbstkostenpreis.

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