OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Drei Jahre „Garten der Frauen”

 - August 2004
Ausgabe: 
Nr. 86, III, 2004

Am Sonntag, dem 4. Juli 2004, feierte der Verein „Garten der Frauen e.V.” im Garten der Frauen auf dem Ohlsdorfer Friedhof sein dreijähriges Bestehen mit einem abwechslungsreichen Festprogramm.

Die Vereinsgründerin Rita Bake konnte zu der Veranstaltung trotz der sehr wechselhaften Witterung weit über 150 Besucherinnen und Besucher begrüßen. Anstelle von Helga Diercks-Norden, die wegen Krankheit verhindert war, leitete Rita Bake persönlich mit viel Laune durch das Programm. Wie zu hören war, hat der Verein innerhalb der letzten drei Jahre schon 150 Mitglieder gewonnen. Die etwa 120 Frauen vorbehaltenen freien Grabstellen im Garten der Frauen sind inzwischen alle vergeben. Für die ehrenamtliche Tätigkeit der aktiven Mitglieder, der vor allem das gepflegte Erscheinungsbild des Gartens der Frauen, aber auch die sonntägliche Betreuung des Wasserturms zu danken ist, sprach die Vorsitzende ihre Anerkennung aus.

Die musikalische Umrahmung des Festes besorgte das Trio Giocoso, bestehend aus Ulrike Klammer (Querflöte), Jutta Hoppe (Violine) und Annette Reitter (Violoncello) mit unterhaltsamer Klassik. Die Lyrikerin Michaela Viktoria Hoepffner trug eines ihrer Gedichte vor, ein bisher unveröffentlichtes Prosagedicht vom Mandschurenkranichtanz und dem Flug aller erdenklichen anderen Vögel über sämtliche Landschaften dieser Erde. Die Schriftstellerin Doris Gercke, Autorin der bekannten Fernsehkomissarin Bella Block, las eigene Gedichte über die Liebe und die Frauen.

Zur Erinnerung an zwei verdiente Hamburgerinnen wurde der im Garten der Frauen neu aufgestellte Grabstein für Olga Knack präsentiert und für Erna Hoffmann ein weiterer Stein der im März 2003 begonnenen Erinnerungsspirale eingeweiht:

Knack
Grabstein Olga Knack (Foto: Schulze)

Olga Knack war Ballettmeisterin und Bürgerschaftsabgeordnete. Schauspielerin Herma Koehn, kostümiert mit Garderobe im Stil der 30er-Jahre des vorigen Jahrhunderts, wie sie möglicherweise damals von Olga Knack getragen worden war, zeichnete den zumeist beschwerlichen Lebensweg der Tanzpädagogin und Ballettmeisterin nach.

Hoffmann
Gedenkstein für Erna Hoffmann (Foto: Schulze)

An Erna Hoffmann, Opfer der Euthanasie während der NS-Zeit, erinnert jetzt der neueste Teil der Erinnerungsspirale, der nach Ideen von Rita Bake wieder durch den Bildhauer Bert Ulrich Beppler gestaltet wurde. Nachdem Rita Bake Leben und Leiden der Erna Hoffmann geschildert hatte, traten auch einer der Söhne und eine Tochter Erna Hoffmanns kurz ans Mikrophon, um dem Verein für die posthume Ehrung ihrer Mutter zu danken und gleichzeitig als lebender Beweis dafür, dass ihre Mutter, die von den Nazis als „Unwertes Leben” in „Irrenanstalten” eingesperrt wurde, gesund war und gesunde Kinder bekommen hat.

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