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OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Hauptfriedhof Karlsruhe - Trauerkultur auf neuen Wegen

Der im späten 19. Jahrhundert eröffnete Hauptfriedhof Karlsruhe zählt zu den bedeutenderen deutschen Friedhöfen seiner Epoche.

Seine Geschichte wurde erst kürzlich in einem informativen Buch festgehalten (siehe Buchvorstellung in "Ohlsdorf" Nr. 77/78). Genauso spannend wie die Vergangenheit ist die Gegenwart, denn auf dem Hauptfriedhof Karlsruhe werden neue Wege gegenüber der Öffentlichkeit eingeschlagen. Ein augenfälliges Beispiel ist das zentral am Haupteingang gelegene, von dienstags bis samstags tagsüber stets personell besetzte "Info-Center" (Haid-und-Neu-Str. 33, Tel. 0721/7820933) sowie die zahlreichen themenbezogenen Veranstaltungen - häufig mehrere pro Woche. Über das "Info-Center" heißt es programmatisch unter dem Motto "Erleben Sie die Vielfalt": "Eigentlich weiß jeder, dass der Tod zum Leben gehört... Durch aktive Auseinandersetzung mit dieser Thematik und umfangreichen Informationen werden Ängste genommen, Vorurteile abgebaut und Verständnis geweckt."

Darüber hinaus gibt es auch andere Beispiele für die neuen Wege, die man in Karlsruhe eingeschlagen hat. Am 16./17. November 2002 wurde die neue Trauerhalle feierlich und mit einem bunten Rahmenprogramm eingeweiht. Bei diesem heute als "Kleine Kapelle" bezeichneten Gebäude handelt es sich um das alte, Anfang des 20. Jahrhunderts eingeweihte Krematorium, das noch bis 1998 in Betrieb war und unter Denkmalschutz steht. Man nutzt seine besondere Atmosphäre, um einen individuellen Rahmen für jene kleineren Trauerfeiern zu schaffen, für die die andere Feierhalle ("Große Kapelle") nicht angemessen erscheint. Damit ist das behutsam umgestaltete Gebäude Ausdruck einer Politik der Friedhofsverwaltung, flexibel auf die Bedürfnisse der Hinterbliebenen zu reagieren und "neue, individuelle Gestaltungsmöglichkeiten für Trauerfeierlichkeiten" zu schaffen - so die Formulierungen in einer Informationsbroschüre. Insbesondere will man künftig den bisher so häufig kritisierten engen Zeittakt bei Trauerfeiern und den damit verbundenen Zeitdruck vermeiden. Wörtlich heißt es über das "neue Gewand" des ehemaligen Krematoriums: "Primäres Ziel war es, das Gebäude in seiner historischen Bausubstanz zu erhalten sowie instand zu setzen und dabei den eigentlichen Kapellen-Innenbereich als konfessionsübergreifenden Raum des letzten Abschieds zu präsentieren."

Ein besonderes Beispiel für die Wege, die man in Karlsruhe einschlägt, ist der neu eingerichtete Aufbahrungsraum der "Kleinen Kapelle". Er eignet sich für den Abschied in kleinem, intimen Kreis. Wörtlich heißt es in der Informationsbroschüre dazu: "In einem neuen eigenständigen, kunstvoll-lebendigen Stil ... zeigt sich der neu geschaffene Raum zur Aufbahrung und persönlichen Abschiednahme im ersten Untergeschoss. Durch eine gezielte Lichtführung sowie eine offene und flexible Gestaltung entstand eine helle, transparente und freundliche Raumsituation, die auch in der Trauer eine positive Kraft vermittelt."

Auflistung alle Artikel aus dem Themenheft Grabmalvorschriften (Februar 2003).
Erkunden Sie auch die Inhalte der bisherigen Themenhefte (1999-2020).