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OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

"Funeral Master" und anderes: "Sprachpanscher des Jahres"

Autor/in: Peter Schulze
Ausgabe Nr. 75, IV, 2001 - November 2001

Während in Frankreich ein Kulturminister darüber wacht, dass die französische Sprache weitgehend freigehalten wird von unerwünschten Anglizismen, scheint es in Deutschland noch kein wirksames Mittel gegen die weitere Verhunzung der deutschen Sprache zu geben, obwohl laut Emnid-Untersuchung die Mehrheit der Deutschen das Empfinden hat, dass die Durchsetzung mit englisch-amerikanischen Ausdrücken unsere Sprache unattraktiv macht und ein Gesetz zum Schutz der deutschen Sprache wünschenswert wäre.

Seit einigen Jahren gibt es allerdings einen Verein zur Wahrung der deutschen Sprache, der alljährlich von seinen inzwischen über 10.000 Mitgliedern den "Sprachpanscher des Jahres" wählen lässt. Nach Ron Sommer (Deutsche Telekom) mit "Sunshine-Tarif" und "Moonshine-Tarif" im Jahre 1998, Dr. Johannes Ludewig (Deutsche Bahn AG) mit "Service Point" und "Ticket Counter" 1999 und Prof. Dr. A. Heldrich (Rektor der Uni München) mit "Departments" statt Fakultäten im Jahr 2000, wurde in diesem Jahr Wolfgang H. Zocher, Vorsitzender des Bundesverbandes des deutschen Bestattungsgewerbes zum "Sprachpanscher des Jahres" gewählt. In der Urkunde für Wolfgang H. Zocher heißt es wörtlich:

"Damit würdigt der Verein das würdelose Anbiedern an den amerikanischen Kulturkreis, wie es sich etwa in dem von Wolfgang H. Zocher mitverantworteten Ausbildungsgang zum "funeral master" oder die Bezeichnung "eternity" für die jährliche Bestattungsmesse äußert. Der Verein Deutsche Sprache e.V. sieht darin, wie auch in der Wahl des Wortes "peace box" für den guten deutschen Sarg, kein Zeichen von Weltoffenheit, sondern ein unüberhörbares Misstrauen gegen unsere eigene Sprache und Kultur."

Auflistung alle Artikel aus dem Themenheft Kinder erleben den Friedhof (November 2001).
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