OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Sabine Rachl: Ich wohne bald im Zeitlosraum

 - Februar 2018
Ausgabe: 
Nr. 140, I, 2018

Mutgeschichten vom Sterben und vom Leben. Kinder und ihre Familien erzählen. Patmos Verlag 2017

Dieses schön aufgemachte Buch lässt zum einen Kinder zu Wort kommen, die wissen, dass sie sterben werden, zum anderen Familien, die den Tod eines Kindes verkraften müssen. Die Autorin lässt jeweils nach einer Einführung zuerst die Kinder selbst zu Wort kommen, danach die Geschwisterkinder, die Eltern und zuletzt auch einen Großvater, der seinem Enkel sehr verbunden war. Das Schlusswort stammt von einem Vierzehnjährigen, der nur noch eine begrenzte Lebenszeit hat. Zwischen den Textgruppen stehen auf farbigem Papier kurze Aussagen von Kindern, wie sie sich das Sein nach dem Tode vorstellen. Diese Gedanken sprechen von einem tiefen Wissen, das sehr berührend ist. Doch es ist nicht leicht dieses Buch zu lesen. Alle Geschichten handeln von schweren Verlusten und dem schmerzvollen Umgang damit. Jeder Text lässt den Leser mit einem fremden Leben mitfühlen, sei es, dass ein Ungeborenes tot zur Welt gekommen ist, oder dass ein Kind schon mit einer schweren Krankheit und begrenzter Lebenszeit geboren wird. Wichtig ist dabei, dass die Autorin auch einen Blick auf andere Kulturen wirft, in denen die Kindersterblichkeit höher ist als in Europa und, wo die Toten mit den Lebendigen eine große Familie bilden. Damit zeigt sie auf, wie der Umgang mit Sterben und Tod immer auch von der jeweiligen Kultur geprägt ist und wie Menschen in Trauer von der jeweiligen Umgebung mehr oder weniger stark unterstützt werden. Insgesamt kein einfaches Buch, aber sicher eines, das Menschen helfen kann, sich weniger allein in ihrer Trauer zu fühlen.

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