OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Lena Rebekka Rehberger: Die Grabmalkunst von Karl Friedrich Schinkel.

 - Oktober 2017
Ausgabe: 
Nr. 139, IV, 2017

Deutscher Kunstverlag 2017, 312 Seiten mit 31 farbigen und 324 schwarzweißen Abbildungen

Diese ausführliche kunsthistorische und gesellschaftspolitische Einordnung der von dem Architekten Karl Friedrich Schinkel entworfenen Grabmäler enthält zugleich einen breit angelegten wissenschaftlichen Katalog seiner sepulkralen Werke. Das Buch besticht als opulenter Bild- und Textband besonders durch seine zahlreichen exzellenten Abbildungen, die teilweise in Farbe wiedergegeben sind. Es geht der Autorin sowohl um die Entwurfszeichnungen des Künstlers als auch um die davon ausgehenden ausgeführten Grabmale und Mausoleen; Kunstwerke, die bisher noch nie in ihrer Gesamtheit behandelt worden sind. Die Autorin umreißt den bisherigen Forschungsstand und benennt ihre Quellen, deren Fülle beeindruckend ist. Es geht sowohl um die in Stein oder in Metall ausgeführten Grabmale und Mausoleen, die die Autorin in ganz Deutschland und Polen aufgefunden hat, wie um die Zuordnung der Entwurfszeichnungen, für die sie zahlreiche Archive und Museen zu Rate gezogen hat. Dabei ist die Fülle unterschiedlicher Entwürfe nicht nur für die Grabmale aus Gusseisen beeindruckend, die nach den frühen Entwürfen als erstes im Mittelpunkt stehen. Auch die Vorbildlichkeit – besonders der einfachen Grabmale Schinkels – für die Grabmalkunst des 19. Jahrhunderts wird gut belegt. Bei den Entwürfen für Mausoleen, Gruftbauten und Grabmale aus Stein geht es hauptsächlich um Monumente für Mitglieder der preußischen Oberschicht; berühmte Grabmale werden dabei ebenso wie unbekanntere Bauten und Grabmale ausführlich vorgestellt und in ihren historischen Kontext gestellt. Dabei ist es der Autorin dank ihrer akribischen Forschungsarbeit möglich eine Vielzahl neuer Erkenntnisse zu präsentieren. Schinkel war als Baumeister besonders eng mit dem Preußischen Königshaus verbunden und hat so auch für die Herrscher seiner Zeit Grabmalbauten entworfen. Die Autorin interpretiert ausführlich den ersten gotisierenden Entwurf für das Mausoleum der Königin Luise, der nicht ausgeführt wurde. Zugleich belegt sie gründlich die enge Verbindung Schinkels zu dem Kronprinzen Friedrich Wilhelm (IV.) bei der Ausgestaltung der Grabmale, die dieser seinen Erziehern und Lehrern stiftete.

Ein ausführlicher Anhang mit Quellen-, Literatur- und Abbildungsverzeichnis vervollständigt diese umfassende Studie, die mit ihrer Vielfalt und Fülle von Informationen und Interpretationen eine großartige Bereicherung für das Verständnis der Sepulkralkultur der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bildet. Zum Schluss noch ein Hinweis: Lena Rebekka Rehberger wird ihre interessanten Forschungsergebnisse am 10. Dezember 2017 um 15.00 Uhr im Förderkreis persönlich vortragen.

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