OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Ohlsdorf 2050 – Nachhaltige Friedhofsentwicklung - Tagung am 27. und 28. April 2017 im Forum Ohlsdorf

 - August 2017
Ausgabe: 
Nr. 138, III, 2017

An der Fachtagung im Rahmen des Projekts "Ohlsdorf 2050" nahmen etwa 100 Personen teil.

Neben Beiträgen zum aktuellen Stand des Projekts gingen die Vorträge auf unterschiedliche Aspekte in der Entwicklung der Bestattungs- und Erinnerungskultur ein, und für die Fachleute bot sich die Möglichkeit zum Informationsaustausch.

Frau Prof. Dr. Dolff-Bonekämper von der Universität Berlin behandelte das Thema 'Ruheräume: Friedhöfe als Denkmallandschaften in der Großstadt'. Am Beispiel von vier Berliner Friedhöfen zeigte die Referentin sehr unterschiedliche Möglichkeiten im Umgang mit der historischen Substanz. Hier lassen sich sicher auch Anregungen für den zukünftigen Umgang mit dem Gartendenkmal Ohlsdorfer Friedhof finden.

Drei der Vorträge beschäftigten sich mit dem Wandel der Bestattungskultur. Veränderte Familienstrukturen, größere Mobilität oder ganz allgemein der Wunsch nach mehr Individualität – dies sind einige der Gründe, die bisherigen Traditionen und Regeln und damit auch die Rolle der Friedhöfe immer häufiger infrage zu stellen.

Wie man auf dem Amsterdamer Friedhof "De nieuwe Ooster" auf diese Entwicklung reagiert hat, berichtete der niederländische Landschaftsarchitekt Bart Brands. Dieser Friedhof wurde 1889 angelegt und ist mit etwa 32 Hektar und 30 000 Gräbern der größte Friedhof der Niederlande. Der jüngste Teil der Anlage von 1928 sollte komplett neu entwickelt werden. Man entschied sich für eine Struktur aus unterschiedlich breiten Streifen, angeordnet wie bei den bekannten Strichcodes, die an der Supermarkt-Kasse gescannt werden. Diese verschieden breiten Streifen sind sehr unterschiedlich gestaltet, sowohl was das Umfeld betrifft – eher ruhig oder eher lebhaft –, als auch in Bezug auf die jeweilige Gestaltung – z.B. Birkenhain, Grasgarten und Tulpengarten. Auch ein Kolumbarium wurde errichtet. Leitidee des Konzepts ist: "Alles ist möglich – aber nicht alles überall." Neben der Schaffung neuer Strukturen öffnet sich der Friedhof für kulturelle Veranstaltungen, die sehr gut angenommen werden.
Schließlich gab Dipl.-Ing. Dirk Christiansen einen Überblick über den aktuellen Stand des Projekts "Ohlsdorf 2050". Anlass für das Projekt ist bekanntlich der stark verminderte Platzbedarf auf Grund des hohen Anteils an Urnenbestattungen. Damit einher geht das Sinken der Gebühreneinnahmen. Ziel des Projektes ist es daher, "Modelle für eine angepasste, nachhaltige Pflege zu entwickeln und die dauerhafte Finanzierbarkeit sicher zu stellen. Dies erfordert eine Neuausrichtung des bisherigen Nutzungs- und Gestaltungskonzeptes unter Berücksichtigung der Belange des Friedhofsbetriebes, des Denkmalschutzes und der Naturentwicklung."

Dass Teile der Bestattungsflächen zum Friedhofspark werden sollen, ist ein "Baustein". Gerade dieser Punkt zeigt, wie langfristig hier gedacht werden muss, denn auch 2030 wird es keine komplett freien Flächen geben. Andere Teilprojekte können dagegen ohne Probleme sofort in Angriff genommen werden, z. B. die zukünftige Nutzung des Regenwassers zur Bewässerung, um möglichst auf das teure Trinkwasser verzichten zu können. Verstärkt werden sollen auch die Aktivitäten in den Bereichen Kultur und Natur. Um diese und andere Maßnahmen sinnvoll zu koordinieren, fehlt zurzeit noch ein "Kümmerer", der auch die Umsetzung der Bürgerprojekte vorantreibt.

Im letzen Vortrag stellte die Restauratorin Inka Hansen einige Ergebnisse der Untersuchungen an den Kapellen vor. Die Kapellen 1, 3 und 6 konnten die Teilnehmer am Schluss der Tagung noch selber in Augenschein nehmen, um sich ein Bild von zukünftigen Nutzungsmöglichkeiten zu machen.

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