OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Trauerkultur im Wandel – neue Wege kirchlichen Redens und Handelns auf dem Friedhof

 - Mai 2017
Ausgabe: 
Nr. 137, II, 2017

So heißt die Überschrift meiner Projektbeschreibung. Seit 1½ Jahren bin ich dadurch nun Pastorin für Trauerkultur in der Propstei Wandsbek-Billetal, zu dessen kirchlichem Bezirk der Öjendorfer Friedhof gehört.

Neben den kirchlichen Friedhöfen und den Gemeinden dieses Bezirks ist hier mein Hauptarbeitsort. Ich kenne den Friedhof schon aus meiner Zeit als Gemeindepastorin in Barsbüttel. Schon damals hat mir der Hinz- und Kunztbaum als Ausdruck veränderter, moderner Trauerkultur gefallen. Und auch der Beziehungspfad "Fremde Nähe", wo man kreuz und quer von Findling zu Findling wandern und so das Netz des Lebens nachbuchstabieren kann (Mutter-Vater-Schwester-Ehemann-Freundin u.v.a.m.). Ich erinnere mich gut an eine Buß-und-Bettags-Wanderung mit der Barsbüttler Gemeinde dort entlang. Daran anknüpfend habe ich für den Öjendorfer Friedhof "Seelenspaziergänge" entwickelt: einen Engelspaziergang, einen Lebenskreis-Spaziergang (Was Grabsteine erzählen) und natürlich der Findlingsspaziergang "Fremde Nähe". Monatlich treffe ich mich mit trauernden Menschen auf einen "Trostmoment" in der Feierhalle Nord. Eine kurze Unterbrechung des Alltags, um der Trauer mal freien Lauf lassen zu können, tut gut und führt oft zu tiefgehenden Gesprächen hinterher bei einer Tasse Kaffee.

Zu Vortrag und Diskussion (Tabu Tod? – Bestattungskultur im Wandel) kann man mich einladen, was von einigen Kirchengemeinden auch schon gemacht worden ist. Auch in den Gottesdienst bringe ich das Thema "Trauerkultur im Wandel" ein, z.B. mit einer Predigt zu Roger Cicero’s Lied "In diesem Moment". Aber ich komme auch in den Tennisverein oder andere interessierte Gruppen! Denn eigentlich geht der Tod ja uns alle an, und das nicht erst am Ende unseres Lebens. Dass wir mit dem Wissen um unsere Endlichkeit unser Leben gestalten, ist "Der Wurm in unserem Herzen", wie es ein Buchtitel beschreibt. Leben und Sterben gehören zusammen.

Jeder Friedhof erzählt davon. Ob wir den Tod verdrängen; ihn in hektischer Lebensfülle mit der Angst, etwas zu verpassen, untergehen lassen; ob wir Angst haben oder in ihm eine Geistgeburt sehen, immer ist der Tod zentrales Thema menschlicher Existenz. Und die interessiert mich. Deswegen habe ich mal Theologie studiert. Den theologischen wie gesellschaftswissenschaftlichen Fragen veränderter Trauerkultur kann ich mich nun auf dieser "Projektpfarrstelle für die letzten fünf Dienstjahre" ausführlich widmen. Die Begegnungen mit Menschen auf den Friedhöfen und in Trauersituationen sind so unterschiedlich, bunt und bereichernd wie das Leben! Und bei all dem begleitet mich der 90. Psalm: "Gott, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, damit wir klug werden!"

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