OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Helmut Schoenfeld zum Gedächtnis

 - Februar 2017
Ausgabe: 
Nr. 136, I, 2017

Ich lehne mich bewusst an meine Rede auf der Trauerfeier in Kapelle 4 auf dem Ohlsdorfer Friedhof am 28. 12. 2016 an, da ich damit meine starke Verbundenheit mit Helmut Schoenfeld (7.3.1933–14.12.2016) intensiver zum Ausdruck bringen kann.

Lieber Helmut!

Fast gleichzeitig im Jahr der deutschen Wiedervereinigung 1989 waren wir zwei der dreizehn Mitbegründer vom "Förderkreis Ohlsdorfer Friedhof". Unser gemeinsames Ziel war der Erhalt der hohen Sepulkralkultur unseres herrlichen größten Parkfriedhofs der Erde. Dein Fachwissen als Gartenarchitekt und Deine fest, beständig auf ein Ziel gerichtete Wesensart machten Dich bald zu einer Führungsfigur in unserem kleinen Kreis, der aber bald zu seiner jetzigen Größe heranwuchs. Ein Vorteil war, dass Du Jahrzehnte in der Hamburger Kultur-, später Umwelt-Behörde leitend tätig warst und daher für unsere Arbeit wichtige Verbindungen hattest.

Schoenfeld
Helmut Schoenfeld (7.3.1933-14.12.2016). Foto: H.-J. Mauss

Du warst Mitbegründer unserer "Zeitschrift für Trauerkultur", die erst sechs Jahre als "Rundbrief" in Blattform, dann als Heftchen im Schwarz-Weiß-Druck und dann ab 1999 als wohlansehnliches Büchlein im Farbdruck erschien – und dies alles mit wertvollen Artikeln über Sepulkralkultur und im Vierteljahres-Rhythmus! Ich habe in Erinnerung an Dich, Helmut, die letzten 84 Zeitschriften für Trauerkultur durchgesehen: Dein Kürzel "schoe" ist praktisch in jeder Schrift mehrfach zu finden; bei Organisationshinweisen wie auch als Verfasser naturbeschreibender oder kultureller Artikel.
1997 "Das Rosarium auf dem Ohlsdorfer Friedhof"
2014 "100 Jahre Stadtgrün"
2015 "Prähistorische Grabbeigaben auf dem Ohlsdorfer Friedhof"

Du hast mehrere verschiedene Friedhofsführer über unser Totenareal verfasst, ein letzter blieb leider unvollendet. Es ist Dir gelungen, präzise historisch wie jetztzeitliche Angaben mit lebhaftem, ausdrucksstarkem Text und einer ihn unterstützenden Bebilderung zu verbinden, sehr überzeugend in Wort und Bild nach dem A–Z zu ordnen. Die Krönung Deiner Bücherreihe aber ist Dein 260seitiges Buch "Bäume in Ohlsdorf". Dein großes botanisches Fachwissen verbindest Du auch hier mit praktischer Nutzung durch den Leser, indem Du zehn Rundgänge auf klaren Friedhofskarten rot markierst und im Text das Wichtigste fettgedruckt hervorhebst: Eine Meisterleistung! Vom Melaten-Friedhof in Köln übernahmen wir auf Deine Initiative hin 1989 die Idee der Grabmalpatenschaften. Dazu schreibst Du in Deinem Führer: "Die Patenschaft bietet die Möglichkeit, durch den Erwerb des Nutzungsrechtes an einem Einzel- oder Ensemblegrabmal dieses vor dem Verfall zu bewahren." Noch in Deiner beruflich-behördlichen Stellung hast Du Denkmalschutz-Erklärungen für erhaltenswerte Grabmale ausgestellt (Dr. Julius Menck, 1994) und Dich mit Nachdruck für neue Patenschaften eingesetzt, so dass wir bis heute über 400 Ensembles erhalten konnten. Während der Intensivbeschäftigung mit Gräbern im Umfeld unseres Hamburgers Johannes Brahms restaurierten wir mit Dir das Grabmal von Caroline Brahms (1824–1902) nahe dem Haupteingang und fügten Textplatte und Hinweisschild hinzu. Desgleichen beim Grabmal von Bülow.

Weit über 500 Führungen über unseren Parkfriedhof hast Du gemacht, mit leiser Stimme, festem Wege- und Zeitplan, exaktem Wissen und bestimmtem Auftreten. Von Dir lernte ich, dass das Symbol für Geburt und Tod christlichen Ursprungs ist. Der Stern von Bethlehem = Geburt. Das Kreuz von Golgatha = Tod.

Rede
Trauerrede von Dr. Hans-Jörg Mauss in der Kapelle 4 des Ohlsdorfer Friedhofs am 28. Dezember 2016. Foto: C. Behrens

Mit respektvollem Humor nannte man Dich wegen Deines breitgefächerten historischen wie kulturellen Wissens um "unser" Ohlsdorf schon mal "Mister Ohlsdorf". Mit Recht wurdest Du zum Ehrenmitglied berufen. Über zwanzig Jahre warst Du mein fachlich wie menschlicher Freund. Danke! Fachlich warst Du trotz Deines ruhigen Temperaments in Fachfragen der Sepulkralkultur kritisch, bestimmend-beharrend und unnachgiebig, wenn Du Dich im Recht wusstest. Bei Publikationen, die Deiner Korrektur unterlagen, nahmst Du auch eigene Verbesserungen vor, was dem Text häufig gut tat. Auch bei Diskussionen im Vorstand oder bei anderen Gelegenheiten hattest Du Deine feste Meinung – lenktest aber im Gespräch meist ein, fördernd und hilfsbereit. Dein Rat wird uns fehlen! Menschlich: Nicht übersehbar war äußerlich Dein gelocktes, schönes, gepflegtes Weißhaar, um das man Dich beneiden konnte. Das Wichtigste aber natürlich war Dein harmonisch-ruhiges, auf Frieden und Harmonie gestelltes Wesen. Bescheiden lehntest Du meist Lob und Dank ab. "Tut doch nicht nötig."

Mit Deiner so lebhaft-geistreichen Frau Gerti waren wir hier in Hamburg, aber auch auf Fuerteventura zusammen. Ihr Tod vor zehn Jahren hat Dich tiefst getroffen. Für sie (und nun auch für Dich) hast Du die Patenschafts-Grabsäule mit den vier bewegten Vögeln auf dem Blütenkranz ausgesucht. Du selbst schreibst dazu: "Für mich ist die Säule kein Grabstein im eigentlichen Sinn, sondern eine Gedenksäule an mein liebes Gertje, dessen Fröhlichkeit sich in den vier Vögeln auf dem Kranz des Lebens widerspiegelt." Deine Liebe galt ihr und Deiner Familie, vor allem Deinen nun herangewachsenen drei Enkeltöchtern, die Dich als "Opi" wiederlieben. Deine Familie und Lisa haben Dich während Deines leidvollen Endweges über Monate bis zur Selbstaufopferung begleitet. Der Tod war schließlich eine Erlösung.

Helmut, wir danken Dir für Deinen unermüdlichen und erfolgreichen Einsatz. Wir vermissen Dich.

In unser Aller Namen, Dein Freund Hans-Jörg Mauss

Grab Schoenfeld
Die Grabstätte Schoenfeld mit einem Patenschaftsgrabmal, geschaffen von dem Bildhauer Arthur Bock, auf dem Ohlsdorfer Friedhof. Foto: H. Andresen
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