OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Erhaltung und Pflege der Grabanlage Cohen und der Skulptur "Das Schicksal"auf dem Ohlsdorfer Friedhof: Überblick über die aktuelle Konservierung und Restaurierung

 - Dezember 2016
Ausgabe: 
Nr. 135, IV, 2016

Die Familiengrabstätte Cohen (nahe Cordesallee, O12/P12) ist reich mit Werken aus massivem Naturstein gestaltet:

Ein Obelisk, eine überlebensgroße Figurengruppe und ein Knabe, geschaffen von Fritz Behn und Hugo Lederer zwischen 1901 und 1904 aus weißem Marmor von hoher Qualität, erkennbar an den großen Formaten der einzelnen Werksteine und den kaum vorhandenen Farbnuancen und Einlagerungen. Die Sockel der Figuren sind aus Granit und Kalkstein hergestellt. Inschriften und Signaturen sind vertieft in den Stein eingearbeitet. Die Schrift im Granitsockel des Knaben ist zusätzlich rotbraun ausgemalt und die Figurengruppe besitzt eine Inschrifttafel aus Bronze.

Grabmal Cohen
Grabanlage Cohen nach der Restaurierung 2016. Foto: S. Silligmann

Hugo Lederer schuf 1905 die Skulptur "Das Schicksal" (nahe Kapelle 7, AH17), eine frei stehende Figurengruppe aus Muschelkalk. Die vertieft eingearbeitete Signatur in der Plinthe ist rotbraun gefasst, zusätzlich war vor der Restaurierung frontal die Bezeichnung "Das Schicksal" aufgemalt. Aufgrund des Denkmalschutzes für den Friedhof Ohlsdorf mussten Veränderungen an beiden Objekten im Vorfeld vom Denkmalschutzamt genehmigt werden. Vor Beginn der Arbeiten wurden daher die geplanten Maßnahmen bei einem Ortstermin vorgestellt und abgestimmt. Das Ausführungskonzept mit konservatorischem Schwerpunkt, um den gealterten Zustand zu erhalten, war Konsens. Es gab aber auch Änderungsbeschlüsse, da der substantielle Erhaltungszustand der verschiedenen Natursteine weitgehend gut ist. Beispielsweise sollten zugunsten eines möglichst authentischen Erscheinungsbildes Sicherungsmaßnahmen an der Steinsubstanz und Ergänzungen von Fehlstellen auf ein vertretbares Minimum reduziert werden. Da durch die Bewitterung mikrobielle Besiedlung und Verschmutzung der Oberfläche nach einer Reinigung wiederkehren, wurde beschlossen, präventive Maßnahmen wie Desinfektion und Schutzbeschichtung zu unterlassen. Ziel dieser Änderungen war, Finanzierungsmöglichkeiten für den dringenden Erhalt anderer Grabmäler zu schaffen.

Das Schicksal
Skulptur "Das Schicksal" nach der Restaurierung 2016. Foto: S. Silligmann

Die Restaurierungsarbeiten fanden im Sommer 2016 statt und umfassten folgende Punkte:

Farbbefunduntersuchung der Inschriften an der Skulptur "Das Schicksal"

Neuversatz des verschobenen Sockels des Knaben von Grabanlage Cohen

Reinigung

Rissverfüllung und Anböschungen zur Sicherung der Steinsubstanz

Metallkonservierung

Erneuerung schadhafter Verfugung

Farbentfernung und Neufassung

Dokumentation aller Maßnahmen

Die Untersuchung der Inschriften ergab eine weiße Ausmalung, die direkt auf dem Muschelkalk liegt, und darüber eine rote Farbfassung. Aufgrund früherer Untersuchungen der Verfasserin ist bekannt, dass 2005 die rote Beschriftung noch weitgehend vorhanden war. Demnach sind beide Fassungen älter als 2005, aber dennoch als nachträgliche Hinzufügung einzustufen. Aufgrund dieser Ergebnisse erfolgte eine Entfernung der aufgemalten und nicht zum Kunstwerk gehörenden Beschriftung. Grundsätzlich wäre auch eine Farbentfernung der Ausmalung der Signatur geboten, da sie vermutlich ursprünglich ungefasst war. Allerdings handelt es sich um eine sehr feine und flach ausgearbeitete Signatur. Um die Lesbarkeit der Signatur zu erhalten und zu verbessern erfolgte eine Neufassung. Aus diesem Grund erhielt auch der Granitsockel der Grabstätte Cohen eine neue Farbfassung der Inschrift. Der Neuversatz des Sockels erfolgte in Zusammenarbeit mit einem Steinmetzbetrieb. Das Fundament wurde geprüft, ausgebessert und die einzelnen Werksteine miteinander verankert.

Für die Reinigung wurden dem Erhaltungszustand entsprechende Methoden angewandt. An der Figurengruppe der Grabanlage Cohen verblieben in den geschützten Tiefen schwarze Krusten sowie in den aufgerauten exponierten Bereichen dunkle Ablagerungen. Die Krusten in den Tiefen sind vermutlich gipsgebunden und können durch eine wässrige Reinigung nicht entfernt werden. Die Ablagerungen in den aufgerauten Flächen sind ohne Substanzschäden am Marmor nicht weiter zu entfernen.

vorher-nachher
Figurengruppe der Grabstätte Cohen vor und nach der Reinigung. Foto: S. Silligmann

Vorsorge, Pflege und Wartung sind die wichtigsten Voraussetzungen und Instrumente für den langfristigen Erhalt von Substanz, um dem natürlichen Alterungsprozess entgegenzuwirken und ihn soweit wie möglich zu verlangsamen. Dies schont die Denkmäler, gleichzeitig handelt es sich um die wirtschaftlichste Erhaltungsmaßnahme, da durch geringen Aufwand der größtmögliche Erhalt erreicht wird. Im Rahmen einer kontinuierlichen Pflege sollten die Skulptur und die Grabanlage alle vier bis fünf Jahre begutachtet, oberflächlich gereinigt und im erforderlichen Maß konserviert werden.

Grundsätzlich ist zu überlegen, ob eine farbige Ausmalung von Inschrift und Signatur sinnvoll ist. Bewitterung, mikrobielle Verwertung und Alterung strapazieren die dünnen Farbaufträge und führen bereits nach wenigen Jahren zu ersten Fehlstellen. Statt einer regelmäßigen Retusche oder Neufassung könnte auch auf einer Informationstafel auf die Texte und Signaturen hingewiesen werden. So könnte auf eine Farbfassung und die Kosten für deren Erhalt verzichtet werden, die Objekte würden einheitlich in ihrem sehr wahrscheinlich ursprünglichen Zustand präsentiert und der Informationsgehalt wäre durch Dokumentation und Hinweistafel gewahrt.

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