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OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Bergbestattung auf der Bischlinghöhe

Die Bergbestattung ist in Österreich nur in Werfenweng in Salzburg möglich.

Auf 1.832 m Seehöhe bietet die Firma Naturbestattung GmbH mit Firmensitz in der Nähe von Wien Naturbestattungen an, darunter seit 2011 auch die Bergbestattung auf einer Almwiese. Die Asche der Verstorbenen wird in biologisch abbaubaren Urnen beigesetzt.

Als Ende März 2016 der Vater meines Lebensgefährten starb und sich eine Kremation mit Bergbestattung wünschte, wollte es der Zufall, dass ich gerade an einem Seminar zu "Tod und Natur" bei Prof. Norbert Fischer an der Universität Wien teilnahm und noch kein Thema für meine Seminararbeit hatte. Ich begann mich also aus diesem traurigen Anlass mit der Bergbestattung zu beschäftigen und lernte, welche Schritte und wie viel Zeit es braucht für die Vorbereitung einer Bergbestattung und wie Naturbestattungen in Österreich reguliert sind.

Genau genommen hat sich der Verstorbene eine Bestattung auf dem Bergsteigerfriedhof in Johnsbach gewünscht, inmitten "der wildromantischen Bergwelt des Ennstaler Gesäuses" – so die Information zu diesem Friedhof in Johnsbach auf einer Webseite. Allerdings mussten die Hinterbliebenen feststellen, dass dort nur Menschen begraben werden dürfen, die im Gesäuse verunglückt sind. So fiel die Wahl auf die Bergbestattung auf der Bischlinghöhe.

Nach der Kremation, die Anfang April mit einer Kremationsfeier in der Nähe von Wien stattfand, galt es die Bergbestattung zu organisieren. Zunächst musste aber die Schneeschmelze abgewartet werden. Dann waren einige Entscheidungen zur Zeremonie zu treffen. Die Naturbestattung GmbH bietet etwa eine Zeremonie mit Musik, Ansprache und Beisetzung oder die Pflanzung einer Alpenblume an (Edelweiss oder Enzian). Auch das Spiel von Weisenbläsern, einer Form der alpenländischen Volksmusik, steht auf der Übersicht der Angebote, die praktischerweise auch gleichzeitig als Preisliste auf der Webseite des Unternehmens präsentiert wird. Als Bestattungstag wurde ein Samstag im Mai gewählt. Die Urne wurde vom Krematorium direkt an das Bestattungsunternehmen übergeben, das die Urne nach Werfenweng überstellte. Die Hinterbliebenen durften die Urne nicht selbst übernehmen.

Einige Tage vor der Bestattung wurden die Details organisiert. Die Wetterprognose war schlecht. Es würde höchstwahrscheinlich regnen, auf der Bischlinghöhe wurde Schnee erwartet. Das Bestattungsunternehmen bot eine Verschiebung an. Die Alternative war, den Termin beizubehalten und einen Aufpreis für die Seilbahn auf die Bischlinghöhe zu bezahlen, da diese bei Schlechtwetter außer Betrieb war. Die Hinterbliebenen zeigten sich wetterfest und blieben beim vereinbarten Termin. Wen kümmert in so einer Situation das Geld?

Auf Wunsch der nahen Angehörigen wurde die Bergbestattung nur im engen Kreis durchgeführt. Alle anderen hatten schon bei der Kremationsfeier Abschied genommen. Ich durfte an der Seite meines Lebensgefährten an der Bergbestattung teilnehmen und bekam die Rolle der Fotografin. Frühmorgens machten wir uns auf die gut vierstündige Fahrt von Wien nach Werfenweng. Mit warmer (Regen-)Kleidung im Gepäck. Der Verstorbene bewegte nicht nur innerlich, er nahm uns auch räumlich mit auf seine letzte Reise auf Erden.

Wir hatten Glück mit dem Wetter. Es hatte geregnet und es war kühl, als wir in Werfenweng ankamen. Auf den Bergen rundum lag etwas Schnee. Aber die Niederschläge hatten über Nacht aufgehört. Wir warteten bei der Talstation der Seilbahn auf die Urne, die vom Bestattungsunternehmen gebracht werden würde. Für mich war das alles sehr ungewöhnlich, war ich doch katholische Begräbnisse auf "normalen" Friedhöfen gewöhnt. In warmer sportlicher Freizeitkleidung würden wir nun an einer Bestattung teilnehmen, auf einem Berg, wo stellenweise noch etwas Schnee lag. Keine schwarzen Kleider und keine schwarzen Anzüge mit weißen Hemden und schwarzen Krawatten.

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Die Trauergäste und Herr Altmann auf dem Weg zum Urnenhain. Foto: H. Oraže

Als Herr Altmann und zwei Begleiter vom Bestattungsunternehmen ankamen, ging alles recht schnell. Drei Gondeln wurden hergerichtet und die Trauergemeinschaft fuhr zu Berg. Die Berge waren in Wolken gehüllt. Nach etwa 15 Minuten waren wir auf der Bischlinghöhe. Wir waren am "Berg der Ewigkeit" angekommen. Herr Altmann – in traditioneller Lodenkleidung, mit einem grünen Rucksack und Wanderstab aus Holz – war der Leiter der Bestattung und führte uns zum Urnenhain. Er sorgte mit seinem Alter und seiner besonnenen Autorität für eine pietätvolle Atmosphäre. Er trug auch die Urne. Es war ein stiller Trauerzug. An einer Stelle blieben wir kurz stehen und er machte uns auf die Berggipfel rundum aufmerksam. Der Himmel wurde langsam heller, aber es war immer noch kalt. Der Urnenhain lag etwa 200 m von der Bergstation entfernt. Die Angehörigen des Verstorbenen wurden gebeten, sich eine Beisetzungsstelle auszusuchen. Da bisher erst wenige Bergbestattungen durchgeführt worden waren, gab es viele Möglichkeiten zur Auswahl. Sie wählten eine Stelle, von der aus man ins Tal wie auch auf die Berge gegenüber blicken konnte. Dann grub die Mannschaft des Bestattungsunternehmens eine knappe halbe Stunde lang das Urnengrab sorgfältig aus. Die Grasnarbe wurde vorsichtig abgetragen und zur Seite gelegt. Sie wird später das Grab wieder verschließen. Wer Zeit benötigte, um sich auf die bevorstehende Begräbniszeremonie vorzubereiten, hatte diese jetzt.

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Ein Steinkreuz wurde auf das Grab gelegt. Foto: H. Oraže

Schließlich wurde das Grab noch mit Rosenblättern geschmückt – vom Bestattungsunternehmen sowie von den beiden kleinen Enkelinnen des verstorbenen Großvaters. Die nahen Angehörigen senkten dann gemeinsam die Urne in das vorbereitete Grab. Anschließend reichten sich alle Anwesenden die Hände und sangen im Kreis um das offene Urnengrab zum Abschied ein Vaterunser. Danach wurde das Grab geschlossen und die GPS-Daten bestimmt, die im Anschluss in die Bestattungsurkunde eingetragen wurden. Die Kinder legten angeregt von einem nahe gelegenen Grab mit den Steinen des Aushubes ein Kreuz auf das Grab ihres Großvaters. Generell dürfen Grabbeigaben oder Devotionalien nicht am Grab niedergelegt werden.

Auflistung alle Artikel aus dem Themenheft Tod und Natur (Dezember 2016).
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