OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Der Kapitän geht von Bord…

 - Mai 2016
Ausgabe: 
Nr. 133, II, 2016

Persönliche Worte zum Abschied von Holger Andresen

Andresen
Holger Andresen. Foto: privat

„Abschied ist die Tür zur Zukunft“
Manfred Hinrich

Dieses Wort eines wichtigen deutschen Philosophen mag versöhnlich, mag hoffnungsfroh stimmen. Holger Andresen zitiert 2009 in einem mit mir geführten Interview aus Hermann Hesses Gedicht "Stufen" – das ließ einen hoffnungsfrohen Beginn einer neuen Ära erwarten: "…und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne…". Genauso empfand ich das, sagte Holger Andresen damals und genauso ist er dieser schönen Vorgabe gefolgt.

In diesem Interview haben wir viel über Ziele, neue Aufgaben und Prioritäten, die gesetzt werden sollen, gesprochen. Im Nachhinein lässt es sich immer gut und leicht bewerten und kritisieren: Was wurde erreicht, was nicht, was nur unzulänglich bewältigt? Ich kann dir mit großer Anerkennung und Freude bestätigen; Danke, Holger, alles erreicht, summa cum laude!

Auch wenn ich nicht alle deine verdienten Meriten aufzählen werde, etwas möchte ich erwähnen, hervorheben: In deiner Zeit als erster Vorsitzender wurde die Digitalisierung von umfangreichem Archivmaterial begonnen. Seit nunmehr mehr als vier Jahren werden alle Dias – man sagte mir über 7.000 ! – Fotos, Postkarten, Zeitungsartikel digital erfasst und so geordnet, dass jeder die Datei, die das Ziel seines Interesses ist, finden kann. Eine gewaltige Arbeit, die auch noch lange nicht abgeschlossen ist. Auch konnten wir uns der freundlichen Hilfe verschiedener FOF Mitarbeiter bedienen. Ebenso unseren Archivar möchte ich erwähnen, ohne ihn wäre diese Mammutaufgabe nicht zu bewältigen gewesen.

"Abschied muss man nehmen, nicht erdulden" so ein weiteres Zitat, welches zweifellos einen gewissen Wahrheitsgehalt in sich birgt. Und ich finde auch, das ist ein wichtiges Wort. Ganz gewiss, so wie ich dich in den letzten sieben Jahren kennen lernen durfte, wirst du diesen Abschied nehmen, großartig und souverän…

Natürlich, auch ich finde es mehr als nur schade, dass du den Vorstand verlässt, aber glücklich bin ich, dich als Freund gefunden zu haben und du als Freund bleibst mir ja erhalten, so jedenfalls hast du es gesagt.

Zwei Dinge noch, die dich besonders auszeichnen, möchte ich gern erwähnen, obwohl oder gerade, weil sie nichts mit dem Förderkreis direkt zu tun haben.

Da ist zum einen deine Erkrankung vor mehr als drei Jahren. Nicht nur deine Familie, auch ich hatte allergrößte Sorge, du könntest von uns gehen. Bei fast jedem Besuch in der Klinik musste ich feststellen, dass es dir eher schlechter als besser ging.

Mit einem schier unglaublichen Lebenswillen (und der Ärzte Kunst!) hast du es geschafft – du lebst! Insgeheim hatte ich – für mich – befürchtet, du würdest nach einer angemessenen Zeit der Rekonvaleszenz sagen… nun ist aber Schluss mit dem Förderkreis – Henning, du als mein Stellvertreter darfst nun ran. Aber nicht so Holger Andresen: kaum zu Hause, forderte er Arbeit an, der FOF ruft! Langsam zwar aber stetig geht es dir besser, fast ein Wunder und wir sind dankbar, dass es so ist. Nun aber willst du das Wagnis weiterer OPs auf dich nehmen, zumindest wirst du es abwägen. Das Risiko ist hoch und sicher wirst du es gewissenhaft entscheiden, so, wie es deine Art ist – ich werde mir erlauben, dich nach dem Stand der Dinge zu fragen – nicht nur mich interessiert es, wie es dir geht.

Das andere, was ich erwähnen wollte und wofür ich dir unendlich dankbar war und bin: Du hast dich spontan bereit erklärt, die Abschiedsworte für meine verstorbene Frau zu sprechen.
Klar, ohne falsches Pathos, tröstlich und großartig empathisch war es zu hören, was du zu sagen hattest. Auch hast du mir angeboten, wann immer ich Hilfe benötigen würde, mir diese zu geben. Lieber Holger, das werde ich dir nie vergessen.

Beruhigend für mich zu wissen, dieser Abschied ist nur ein Abschied vom Vorstand, ich freue mich, dass du mir als Freund erhalten bleibst.

Ein letztes Zitat, dieses Mal von Friedrich von Schiller:

"Der Abschied von einer langen und wichtigen Arbeit ist immer mehr traurig als erfreulich."

Hamburg, 13. 3. 2016

Dein Freund Henning

Heft-Rubrik: 

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