OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Zwischenbericht über die vorgeschlagene Namensänderung

 - November 2015
Ausgabe: 
Nr. 131, IV, 2015

In der letzten Ausgabe dieser Zeitschrift machte der Verfasser aufmerksam auf die von der Willi-Bredel-Gesellschaft-Geschichtswerkstatt e. V. angeregte Namensänderung des Straßenzuges und veröffentlichte dazu einige Überlegungen.

Dies hat vermutlich die Tageszeitung "Hamburger Abendblatt" am 25. August bewogen, ihre Frage des Tages wie folgt enden zu lassen: "Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge schlägt Allee des Gedenkens vor. Eine gute Idee?" Im Ergebnis stimmten 53 % der Leser mit Ja ab, wie einen Tag später zu lesen war. Der Verfasser erläuterte darauf hin in einem Leserbrief kurz und knapp die augenblickliche, beziehungslose Situation zwischen Straßenzug und dem angrenzenden Feld der Soldatengräber und stellte die Gegenfrage: "Und wo bitte soll oder kann man dort gedenken?"

Inzwischen scheint Ruhe in die Namenssuche gekommen zu sein, und die Verantwortlichen sehen keine Dringlichkeit in der Umbenennung. Warum auch, denn eigentlich ist der Ansatz zur Lösung bereits in den Friedhofsplan geschrieben worden, damals als sich der Friedhof raumgreifend auf eine Fläche von rund 400 Hektar entwickelte. Die Verantwortlichen richteten sich bei der Namensbezeichnung nämlich nach einem ungeschriebenen Prinzip: Im Cordesteil haben alle Straßennamen einen Bezug zu ihrer örtlichen Begebenheit wie Bergstraße, Talstraße, Ringstraße, Waldstraße u. s. w. und im Linneteil sind es Alleen, die nach dort gepflanzten Baumarten benannt sind. Erklärbare Ausnahmen sind die Namen der beiden Friedhofsdirektoren, die Cordesallee, die Linnestraße und der die beiden Friedhofsteile verbindende Mittelallee. Nur die Bezeichnung Seehofstraße im Linneteil fällt aus der Reihe. Da die ins Visier genommene Kriegerehrenallee im Cordesteil liegt, müsste ein geänderter Name demzufolge wieder einen örtlichen Bezug haben.

Die angedachte Namensänderung wird auf der Tagung "Gedenken neu denken!" der Hamburger Geschichtswerkstätten am 7. November 2015 u.a. Thema sein. Es ist zu hoffen, dass in der Diskussion auch der historische Bezug erörtert wurde und dabei das Geschichtsbewusstsein für die Zeit des beginnenden 20. Jahrhunderts geschärft war. Zur Bewahrung des Gesamtkunstwerks Friedhof Ohlsdorf gehören nämlich auch seine Straßennamen.

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