OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Ein Plädoyer für die Namensbeibehaltung

 - November 2015
Ausgabe: 
Nr. 131, IV, 2015

Die Willi-Bredel-Gesellschaft setzt sich dafür ein, den Straßennamen "Kriegerehrenallee" auf dem Ohlsdorfer Friedhof umzubenennen, da diese Bezeichnung "kriegsverherrlichend" sei.

Ich bin mit Entschiedenheit gegen solch ein Vorhaben und für die Beibehaltung des Namens und begründe meine Meinung wie folgt: Dieser Straßenzug führt unmittelbar an dem Gräberfeld der im Ersten Weltkrieg oft qualvoll getöteten deutschen Soldaten entlang. Also an den Gräbern vieler deutscher Männer, die ungefragt ihr junges Leben lassen mussten. Im Sprach- und Gefühlsbereich jener Zeit Anfang des 20. Jahrhunderts nannte man diese Getöteten "Krieger". Somit meint der Name Kriegerehrenallee das ehrenvolle Gedenken an die jungen Menschen, die im Glauben, ihrer Heimat Deutschland zu dienen, starben und aus eigenem Antrieb nichts Kriegsverbrecherisches taten.

Amerika, England, Frankreich, Russland sehen in ihren toten Soldaten heute noch Helden. Mitnichten ist dieser Name "kriegsverherrlichend", sondern ein historisches Erinnerungszeichen, wie das bei einer Großzahl von geschichtlichen Straßennamen ist, oft mit militärisch-kriegerischem Hintergrund. Das beginnt in Hamburg bei Alter und Neuer Wall als kriegswichtige militärische Verteidigungsanlage des Mittelalters, dann in Schnelsen mit dem Kriegerdankweg an einem Kriegerehrenmal, in Harburg mit Am Soldatenfriedhof oder in Marienthal mit Am Husarendenkmal. Weshalb bleiben diese Namen unbeanstandet? Als kriegerische Bezeichnung ist der Alsenplatz in Altona zu nennen, er erinnert an die militärische Eroberung der dänischen Insel Alsen 1864 durch preußische Truppen, oder das Generals-Viertel in Hoheluft, wo z. B. General Wrangel verewigt ist. Er kommandierte die Truppen, die 1848 in Berlin die Nationalversammlung sprengten, und befehligte 1850 die deutschen Bundestruppen in Schleswig-Holstein gegen Dänemark. Gneisenau, Goeben, Moltke, Kottwitz, Roon, … alles Krieger im Generalsrang, die Aufzählung ließe sich seitenweise weiterführen. Wie wir wissen, sind die aufgezählten Beispiele im Geist des damaligen Zeitempfindens verankert und historisch zu betrachten. Wir müssen sie erhalten, um nicht in monotone Seichtheit zu sinken. Die Gegenwart basiert auf der Vergangenheit, so auch die Bezeichnung Kriegerehrenallee.

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