OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Zur Umbenennung der Kriegerehrenallee

 - November 2015
Ausgabe: 
Nr. 131, IV, 2015

"In unserer Arbeit geht es nicht um die Verehrung der Toten sondern um die würdige Erinnerung an sie."

Mit diesen Worten zitierte das Hamburger Abendblatt in seiner Ausgabe vom 25.8.2015 die Landesvorsitzende des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. Hamburg, Karen Koop, zur Umbenennung der "Kriegerehrenallee" auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg.

Hintergrund ist die seit Juni dieses Jahres andauernde Debatte um die Straßenumbenennung, die vom "Bündnis Ohlsdorfer Friedensfest" angestoßen wurde. Diesem Bündnis gehört neben diversen regionalen Institutionen und Vereinen auch der Hamburger Landesverband an. Im Zuge des Vorstoßes regte sich die Öffentlichkeit genau wie einige Mitglieder des Volksbundes, denn nicht alle können die Umbenennungsbestrebungen nachvollziehen. Grundsätzlich ist auch der Hamburger Volksbund gegen eine "einfache" Beseitigung problematischer Dokumente der Vergangenheit, sondern im Gegenteil für eine kritische Auseinandersetzung mit ihnen.

In diesem Falle gibt es jedoch gute Gründe, einer Umbenennung zuzustimmen: Der benannte Straßenzug begrenzte einst das Gräberfeld der gefallenen deutschen Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg. Doch bis in die 1950er Jahre hinein wurden diverse Tote auf diese Gräberfläche hinzugebettet. Neben Soldaten des Ersten und des Zweiten Weltkriegs liegen hier auch Frauen, Kinder, Flüchtlinge, Zivilisten, KZ-Häftlinge und viele andere Personengruppen. Nicht nur die Benennung der Straße entspricht lange nicht mehr ihrem Ursprung. Der Name ist auch ein Überbleibsel aus der Zeit der Monarchie, als sich um den Soldatentod noch Heldentum und Opfermythos rankten – und eben auch Begriffe wie Krieger und Ehrung. Die Gesamtanlage, zu der auch das vom damaligen Volksbund-Chefarchitekten Robert Tischler konzipierte "Ehrenmal für die Gefallenen des Zweiten Weltkrieges" von 1953 gehört, ist heute Ausdruck einer überkommenen Gedenkkultur, aus der sich – unwissend und unkommentiert – ihre Komplexität und Vielschichtigkeit schlichtweg nicht erschließen lässt. Dies ist nach zeitgemäßer Interpretation nicht mit einer würdigen Form der Erinnerungskultur in Einklang zu bringen.

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