OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Das Grab von Reuben Giles

 - Mai 2015
Ausgabe: 
Nr. 129, II, 2015

Sieben Jahre alt war Suzanne Kay, als ihr Vater starb. Er starb am Samstag, dem 26. Juni 1954, bei einem Flugzeugabsturz in der Nähe von Kyritz 80 km nordwestlich von Berlin über dem Gebiet der damaligen DDR.

Sein Name war Reuben Henry James Giles. Mit ihm zusammen starben bei diesem Unglück Captain Bernhard Stanley Murphy und Radio Officer Zander Irwin Paterson. Ihr Flugzeug, eine viermotorige Frachtmaschine vom Typ Avro York der Firma Skyways war ohne Ladung auf dem Weg von Hamburg nach West-Berlin, als es aus zunächst ungeklärter Ursache abstürzte. Das Hamburger Abendblatt berichtete am Montag, dem 28. Juni 1954, über den Absturz. Eine englische Lokalzeitung druckte einen Nachruf mit Foto von Reuben Giles.

Zeitung
Zeitungen in Deutschland und England berichteten über den Flugzeugabsturz. Abb.: Archiv

Zwei von den drei Fliegern, Murphy und Giles, wurden in Urnengräbern auf dem Ohlsdorfer Friedhof beigesetzt. Im Jahre 2007 versuchten die Kinder von Reuben Giles erstmals durch eine Anfrage beim Förderkreis die Lage der Grabstätte ihres Vaters in Erfahrung zu bringen. Die Suche war mühselig, aber letztendlich erfolgreich. Die Nutzungsdauer der Gräber in dem Grabfeld BG63 war zwar seit 1979 abgelaufen, aber die Gräber selbst waren noch nicht geräumt.

Murphy
Grab von Flugkapitän Murphy in BG 63-420. Foto: P. Schulze 2007

Auf der Grabstelle von Captain Murphy lag sogar immer noch ein Grabstein mit erhabener Fraktur-Inschrift. Wie zu erfahren war, hatte Murphy eine deutsche Verlobte, die sich um das Grab in BG63-420 liebevoll gekümmert hatte. Das Grab von Reuben Giles lag gleich daneben in BG63-421. Es hatte aber keinen Grabstein. Die Urne mit der Asche des dritten englischen Fliegers Irwin Paterson war nach Überführung nach Ohlsdorf von dort nach England versandt und dort beigesetzt worden.

Nachdem die Familie von Reuben Giles von seinem Grab erfahren hatte, wuchs vor allem bei seiner Tochter Suzanne Kay der Wunsch diese Grabstätte persönlich zu besuchen. Es war ihr ein Herzensanliegen. Wegen einer schweren Krankheit verzögerten sich die Reisepläne immer wieder für lange Zeit. Es war im Jahre 2014, als die Familie Kay erneut Kontakt mit dem Verfasser aufnahm, um sich zu erkundigen, ob es möglich sei, ihr die Grabstätte zu zeigen. Inzwischen waren die Grabstätten der beiden Piloten aber geräumt und im Jahre 2008 neu belegt worden. Trotz dieser Situation wollte Suzanne Kay die Stelle, an der das Grab ihres Vaters gewesen war, unbedingt sehen.

Am 12. März 2015 kamen Suzanne Kay und ihr Ehemann Ian aus England, um den Ohlsdorfer Friedhof zu besuchen. Nach 61 Jahren ein erstmaliger Besuch am Grabe des Vaters. Eine rote Rose und ein in den Boden gestecktes Erinnerungstäfelchen aus schwarzem Schiefer erinnern an diesen Besuch. Der Text auf dem Täfelchen lautet: "In loving memory of Reuben Henry Giles, 11.4.1915 – 26.6.1954, husband to Eileen and father to Angela and Suzanne, gone but never forgotten".

Giles
Eine Rose und eine Erinnerungstafel auf dem ehemaligen Grab von Flugoffizier Reuben Giles in BG 63-421 erinnern an den Besuch der Angehörigen aus England. Foto: P. Schulze 2015
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