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OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Die Dynamik der Bestattungskultur

Auszüge aus einer Informationsschrift der Hamburger Friedhöfe -AöR-
(mit freundlicher Genehmigung)

Alle Bereiche der Bestattungskultur sind im Wandel. Traditionelle Konventionen verlieren heute immer mehr ihren Sinn für die Bürgerinnen und Bürger und lösen sich nach und nach auf. Alle Friedhofsgewerbe sind von dieser allmählichen Entwicklung betroffen. Die AIDS-Problematik und der prominente Tod Lady Dianas haben auf unterschiedliche Weise in die öffentliche Wahrnehmung hinein gewirkt. Seither haben zunächst kleine, spezifische Bevölkerungsgruppen angefangen, neue Trauerformen zu erproben, die außerhalb der Konventionen liegen. Neue Formen der Trauer, Wünsche nach einem individuellen Grab und zur persönlicher gestalteten Bestattung werden immer mehr zum Allgemeingut. Durch die Medien werden die neuen Ideen verstärkt und gesellschaftlich verbreitet.

Alle Friedhofsgewerbe leben und arbeiten heute mitten in dieser Dynamik, die der vorhergehenden Generation unbekannt war und die sie sich vielleicht kaum vorstellen konnte. Wer heute versucht, innerhalb der alten Strukturen, mit unveränderter Routine und den bisherigen wirtschaftlichen Verhältnissen diesen neuen Wünschen Raum zu geben, wird schnell die Widersprüche zu spüren bekommen, die sich daraus ergeben. Daher gilt es, neue Formen und Möglichkeiten zu erarbeiten, um mit den neuen Bedürfnissen Schritt zu halten und die Entwicklung mit zu gestalten.

Das Bestattungsforum

Eine Schlüsselrolle in dieser Dynamik nimmt das Hamburger Bestattungsforum Ohlsdorf ein. Auf dem Gelände um das Schumacher-Krematorium auf dem Ohlsdorfer Friedhof ist das Hamburger Bestattungsforum Ohlsdorf entstanden mit modernem Konzept und allen relevanten Leistungen rund um Kremation, Trauerfeier und Bestattung. Das Hamburger Bestattungsforum Ohlsdorf wird im November 2011 den Bürgerinnen und Bürgern zur Verfügung stehen. Das Dienstleistungsspektrum wird durch Informationseinrichtungen zu den Themen Abschied und Trauer, Räume für kulturelle Veranstaltungen, eine einzigartige Urnenkrypta sowie gastronomische Angebote erweitert. Das historische Krematoriumsgebäude des prominenten Hamburger Architekten Fritz Schumacher wird unter Berücksichtigung städtebaulicher Anforderungen denkmalgerecht saniert und in die Nutzung einbezogen.

Für das Konzept des Hamburger Bestattungsforums Ohlsdorf wurden die gesellschaftlichen Veränderungsprozesse eingehend beobachtet. Das so entstandene Konzept stellt daher eine Antwort auf die sich aus der Dynamik im Bestattungsverhalten ergebenden offenen Fragen zur Zukunft der modernen Bestattungskultur dar. Die folgenden Gesichtspunkte wurden berücksichtigt:

• Neue Bedürfnisse erfordern moderne Architektur

• Spielräume für künftige strukturelle Veränderungen
im Bestattungsverhalten der Bevölkerung

• Freundliche Architektur des Forums ist kein Luxus,
sondern für die Trauernden erforderlich

• Denkmalgerechte Sanierung des Schumacher-Krematoriums

• Wiederaufnahme der Kremation und neue Grabangebote

• Begegnung, Information und Transparenz

Eine von vielen Besuchern seit langem gewünschte Gastronomie und Informationseinrichtungen sowie Räume für kulturelle Veranstaltungen sollen daher nicht nur den Trauergesellschaften im Rahmen ihrer Feiern zur Verfügung stehen, sondern auch allen anderen Friedhofsbesuchern.

Auflistung alle Artikel aus dem Themenheft Vom Krematorium zum Bestattungsforum (November 2011).
Erkunden Sie auch die Inhalte der bisherigen Themenhefte (1999-2020).