OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Ein historisches Erbe mit Zukunft: Der Ohlsdorfer Friedhof

 - Juni 2002
Ausgabe: 
Nr. 77/78, II/III, 2002

Hamburg bekommt sehr oft Besuch aus Ländern aller Kontinente, der sich über die Hafenstadt und Wirtschaftsmetropole an der Elbe ein Bild machen möchte. Die Stadt hat sich darauf mit einem breit gefächerten Angebot für Touristen eingestellt und bietet zahlreiche Rundfahrten, Führungen und Events zum "Erleben" der Stadt an.

Mit einem professionellen Management lenkt die Tourismus Hamburg GmbH die Aufmerksamkeit von Reiseveranstaltern auf die Highlights der Stadt: Theater, Musicals, Hafen, City.

Die "Grüne Großstadt", so nennt sich Hamburg gern selbst und wird auch als solche von vielen Experten und Besuchern beschrieben. Sicher verdient die Stadt diesen Ruf durch ihre großzügige Ausstattung mit Gewässern und deren begleitende Grünanlagen oder die zahlreichen Bäume in den Straßen und Parks. Die Highlights der Grünen Großstadt sind die weltberühmten Parks wie "Planten un Blomen", "Winterhuder Stadtpark", "Altonaer Volkspark", "Jenisch Park" und - natürlich - der "Ohlsdorfer Friedhof".

Die Entstehungsbedingungen dieses rd. 400 ha großen Friedhofes, der zugleich die größte zusammenhängende Grünanlage der Stadt ist, ist vielfach beschrieben und dokumentiert. Als größter Parkfriedhof der Welt genießt er in Fachkreisen - und zunehmend auch bei Hamburg-Touristen - eine große Aufmerksamkeit und Anerkennung. Seine Anlage und Gestaltung mit den zwei charakteristischen Teilen - dem Cordes-Teil im Westen und dem Linne-Teil im Osten - und deren geniale gestalterische Verbindung und Erhaltung bis in die heutige Zeit macht den Ohlsdorfer Friedhof zu einem weltweit anerkannten Gesamtkunstwerk.

Einzelelemente des Ohlsdorfer Friedhofes wie die Integration der historischen Knicklandschaft, der Althamburgische Gedächtnisfriedhof, der Rosengarten, die Cordes-Allee, die zahlreichen Brunnen, Denkmäler und Skulpturen sowie die Kapellen und Ehrenfriedhöfe geben diesem Parkfriedhof einen unverwechselbaren Charakter, der weltweit seinesgleichen sucht. Es ist deshalb auch das Ziel des Denkmalschutzes und der Gartendenkmalpflege diese einmalige Anlage als Gesamtkunstwerk unter Denkmalschutz zu stellen und sie in ihrer Qualität zu erhalten.

Nun ist der Ohlsdorfer Friedhof aber nicht nur ein Gartenkunstwerk von internationaler Bedeutung, sondern auch ein aktiver Friedhofsbetrieb mit fast 7.000 Beisetzungen jährlich und als solcher ein städtischer Wirtschaftsbetrieb in der Rechtsform einer Anstalt öffentlichen Rechts (AöR). Deshalb spielen seit 1990 neben den rein gärtnerisch fachlichen, den gestalterischen oder historischen Aspekten auch ökonomische Überlegungen bei der Weiterentwicklung Ohlsdorfs eine zunehmend wichtigere Rolle.

Veränderte Bestattungsgewohnheiten, die Vielzahl zurückfallender Grabstätten bei sinkenden Beisetzungszahlen und die große Zahl denkmalwürdiger Grabmale und erhaltenswerter Grabstellen haben die ökonomische Situation des Unternehmens wesentlich bestimmt. Hinzu kommt, dass viele bauliche Anlagen des Gesamtfriedhofs unter Denkmalschutz stehen und mit hohem Aufwand erhalten werden müssen. Dieser Trend wird sich nach Einschätzung des Unternehmens sowie der Fachbehörde in den nächsten Jahren noch weiter fortsetzen und die Unternehmens- wie Fachpolitik bestimmen.

Das Fachamt Stadtgrün und Erholung hat deshalb vor ein paar Jahren mit der Geschäftsleitung vereinbart, eine Pflege- und Entwicklungplanung für den Friedhof Ohlsdorf zu erarbeiten, die unter Abwägung der gartendenkmalpflegerischen, betrieblichen, gestalterischen und Erholungsbelange und Berücksichtigung der Trends im Bestattungswesen sowie der Bevölkerungsentwicklung neue mittel- und langfristige Ziele definiert. Erste Ergebnisse zeigen deutlich, dass größere Flächen nicht mehr als Belegungsflächen benötigt werden und als Parkanlage entwickelt und unterhalten werden müssen. Dies soll so geschehen, dass der Gesamtcharakter des Friedhofs erhalten wird. In diesem Zusammenhang werden auch Friedhofsteile identifiziert werden müssen, die essentiell für die Sicherung der Denkmalqualität sind und von Veränderungen, die betrieblich sinnvoll erscheinen mögen, ausgeschlossen werden.

Die Pflege- und Entwicklungsplanung wird insgesamt die notwendigen Entwicklungsmassnahmen und die damit verbundenen Kosten in einer Prioritätenfolge darstellen. Auf dieser Basis ist dann über die Kostenträgerschaft zu entscheiden und ggf. über Kontrakte zwischen der Stadt und dem Unternehmen Hamburger Friedhöfe zu regeln.

Die aufwändige Facharbeit zur Erstellung einer Pflege- und Entwicklungsplanung lohnt sich für alle Beteiligten, um Politik und Öffentlichkeit deutlich zu machen, dass ein Gesamtkunstwerk wie der Friedhof Ohlsdorf nicht wie eine "normale" Parkanlage behandelt werden darf, wenn Hamburg weiterhin weltweite Anerkennung für seine Grünpolitik ernten will. Wenn das Grün einer Stadt - und insbesondere das repräsentative Grün - ein bedeutender Standortfaktor für die Wirtschaft ist, was zahlreiche Untersuchungen belegen, dann muss auch in diese Standortqualität regelmässig investiert werden. Die kommunale Aufgabe ist es, Bestattungsflächen bereit zu stellen und sollte als solche auch nicht in Frage gestellt werden. Für eine hochwertige qualitative Gestaltung und Ausstattung sowie die Erhaltung von Friedhöfen auf einem Niveau wie dem des Friedhofs Ohlsdorf ist heute für öffentliche Haushalte nicht mehr leistbar.

Zur Sicherung des Gesamtkunstwerkes müssen deshalb langfristig neue Wege über Paten- und Partnerschaften gefunden werden, die die Verbundenheit zum Friedhof Ohlsdorf fördern und neue Finanzierungswege öffnen. Die bisherigen Ansätze bei den Grabmalpatenschaften zeigen schon gute Erfolge, die weiter ausgebaut werden könnten.

Das Jubiläumsjahr zum 125. Geburtstags des Friedhofs Ohlsdorf könnte in diesem Sinne ein Aufbruch in eine neue Zeit mit neuen Perspektiven werden.

Heft-Rubrik: 

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