OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Friedhof Ohlsdorf - Ein herausragendes Kulturdenkmal

 - Juni 2002
Ausgabe: 
Nr. 77/78, II/III, 2002

Der 1877 für Beerdigungen eröffnete Friedhof wuchs nach einer auf Bramfelder Gebiet vorstoßenden Erweiterung von 1914 bis 1920 zu einem Gesamtareal von 400 ha an. Im Laufe seines 125jährigen Bestands fanden hier knapp 1,5 Millionen Bestattungen auf rd. 400.000 Grabplätzen statt.

Eine durch das Denkmalschutzamt in den 80er Jahren vorgenommene Inventarisation der rd. 200.000 Grabstätten erfasste rd. 5.600 Grabmäler, deren Erhaltung wegen ihres künstlerischen oder geschichtlichen Werts im öffentlichen Interesse liegen. Zusammen mit den Grabstätten bildet der im Wesentlichen in zwei Abschnitten ab 1877 und 1914 gewachsene Friedhof Ohlsdorf eine Gesamtanlage, die durch ihre eindrucksvolle gartenarchitektonische Gestaltung und durch ihren umfangreichen Bestand friedhofsgebundener Bauwerke, insbesondere von Kapellen und dem 1930 bis 1932 nach Entwürfen von Fritz Schumacher errichteten Krematorium, ausgezeichnet ist.

Der Ohlsdorfer Friedhof bildet heute als flächengrößte Gesamtanlage ein herausragendes Kulturdenkmal der Freien und Hansestadt Hamburg, dem als einer der größten Friedhofsanlagen seiner Art neben Speicherstadt und Kontorhausviertel der Rang eines Weltkulturerbes zugemessen werden kann. Der hohe kulturgeschichtliche Rang von "Ohlsdorf" ist unstrittig. Sowohl für die Bewahrung der gartenarchitektonischen Leistung seiner beiden von Cordes und Linne entworfenen Hauptentwicklungsphasen als auch für die Erhaltung des zugehörigen historischen Baubestands und die große Zahl der künstlerisch und geschichtlich bedeutenden Grabmäler gibt es ein breites öffentliches Bewusstsein.

Dennoch gibt es bei aller positiven Hinwendung zu Ohlsdorf als einer hamburgischen Institution, mit der die Hansestadt als moderne Großstadt im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts die notwendige Vorsorge für einen angemessenen Umgang seiner Bevölkerung mit dem Tod getroffen hatte, vielfältige Erhaltungsprobleme. Das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz hat in einem jüngst veröffentlichten Faltblatt auf die problematische Erhaltungssituation historisch wertvoller Friedhofsanlagen hingewiesen. Trotz vieler neuerer Inventare für einzelne schützenswerte Friedhöfe und Einvernehmen über die kulturgeschichtliche Bedeutung des Bestandes weist das Nationalkomitee auf bereits eingetretene enorme Substanzverluste hin. Ohlsdorf macht da keine Ausnahme.

Das Denkmalschutzamt hat mit der Veröffentlichung eines zweibändigen Inventars die Bedeutung des Friedhofs als Gesamtkunstwerk und seine Geschichte und seine Grabmäler 1990 gewürdigt. Dieses über ein Jahrzehnt laufende Forschungsprojekt hatte von den rd. 200.000 Grabmälern rd. 5.600 Objekte als erhaltenswert klassifiziert. Allein diese Zahlen verdeutlichen das Ausmaß konservatorischer Verantwortung für die Bewahrung des künstlerisch und historisch wertvollen Grabmalbestands.

In diesem Spannungsfeld, das sich zwischen den Anforderungen eines nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten arbeitenden Friedhofsbetriebs und der aus dem Denkmalwert der Gesamtanlage resultierenden Erhaltungspflicht im öffentlichen Interesse ergibt, ist die Arbeit des Förderkreises Ohlsdorfer Friedhof angesiedelt. Angesichts der leeren Kassen der öffentlichen Haushalte kommt den Bemühungen des Förderkreises besondere Bedeutung zu. Er vermittelt mit seiner kontinuierlichen Öffentlichkeitsarbeit die herausragende kulturgeschichtliche Bedeutung des Ohlsdorfer Friedhofs für eine breite Öffentlichkeit, er setzt sich mit der Vermittlung von Patenschaften für die Erhaltung wertvoller Grabdenkmäler ein.

Schließlich ist in den vergangenen Jahren unter seiner Regie im Eingangsbereich des Friedhofs ein museales Dokumentationszentrum entstanden, das nicht nur die geschichtliche Entwicklung des Friedhofs in Plänen und Fotos dokumentiert, sondern auch mit der Einrichtung von Museumsbereichen wertvolle Grabsteine, die am historischen Ort nicht gehalten werden konnten, in einem Lapidarium für die Friedhofsbesucher präsentiert.

Heft-Rubrik: 

Förderkreis Ohlsdorfer Friedhof e.V.
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Telefon: 040 / 50 05 33 87 | E-Mail: info@fof-ohlsdorf.de
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