Kirchwerder ist Hamburgs südlichster Stadtteil im Bezirk Bergedorf. Mit etwa 10.400 Einwohnern (davon ca. 4500 Gemeindegliedern) ist Kirchwerder die größte Gemeinde im "Pfarrsprengel Kirche in Vierlanden". Der Pfarrsprengel aus den Vierländer Gemeinden wird von 4 Pastoren/Pastorinnen in Vollstellen betreut.
Die mittelalterliche Feldsteinkirche aus dem 13. Jahrhundert befindet sich auf dem alten Friedhof. Der sogenannte neue Friedhof -etwas weiter südlich gelegen -wurde 1892, die darauf befindliche, im neugotischen Stil gebaute Friedhofskapelle 1898 fertiggestellt. Das gesamte Friedhofsgelände umfasst eine Fläche von ca. 3 ha. In den Kirchenvisitations-Protokollen um 1600 (Finder 1908) findet man, dass sich an den Sonntagen ein reges Treiben auf dem Friedhof stattfand. Dorthin kamen wie zu einem Markte die Gemeindeglieder um bürgerliche Geschäfte zu erledigen, Verträgezu schließen, Schulden einzufordern, Grundstücke zu kaufen aber auch Neuigkeiten auszutauschen. Das Schmücken der Gräber durch Blumen und Denkmäler war unbekannt, der Friedhof gab damals -wie noch alte Postkarten zeigen -ein Bild starker Verwahrlosung ab.
Nur die Grabstätten der wohlhabenden Bauern waren mit Grabplatten bzw. Leichensteinen abgedeckt. Der älteste Leichenstein ist von 1586, der jüngste von 1753. Heute beherbergt der Friedhof Norddeutschlands größte Grabplattensammlung mit 85 Leichensteinen, die am Rand des alten Friedhofs bzw. an oder in der Kirche aufgestellt sind (dazu siehe den folgenden Beitrag).
Erst in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts wurde der Friedhof so umgestaltet, wie er sich heute mit Grabsteinen und Blumenschmuck dem Besucher zeigt. Gesellschaftliche Veränderungen machen jedoch auch heute nicht vor dem Friedhof halt. So finden sich vermehrt Rasenflächen anstelle von Grabstätten, der Trend geht unter anderem auch aus Kostengründen zu Urnenbestattungen.
Zurzeit sind 1969 Erdgrabstätten von 1-6 Grabstellen, 45 Urnen-Wahl-grabstätten (ca. 1 x 1 m) bis zu 4 Urnen, 40 Urnen-Gemeinschaftsgräber, 368 Urnen-Reihengräber in Rasenanlage vergeben. Neue Ideen zu Urnengräbern wie "Blätter im Wind", Stelen und hochgelegte, mit Cortenstahl eingefasste Flächen werden gut angenommen. In weiterer Planung sind Baumgrabstätten, die im Kreis angelegt sind.
Auf dem Friedhof können auch Verstorbene fremder Gemeinden beerdigt werden. Pro Jahr finden ca. 100 Trauerfeiern statt. Gepflegt wird der Friedhof durch einen hauptamtlichen Gärtner, dieser wird unterstützt durch den Küster und 2 Teilzeitkräfte. Ein Betriebshof mit Halle für die Geräte steht zur Pflege zur Verfügung.
Teil des neuen Friedhofs von 1892 ist das Kriegerdenkmal. Entworfen von dem bekannten Bergedorfer Architekten Hermann Distel wurde es zum Gedächtnis an die Gefallenen des 1. Weltkriegs 1921 eingeweiht und 1959 um 8 Tafeln der Gefallenen des 2. Weltkriegs erweitert. Die Unterhaltung obliegt ebenfalls den Friedhofsgärtnern.
Die Gemeinde kann neben der Kirche und Kapelle auf ein Pastorat innerhalb eines großen Parks, auf eine Gemeindescheune für kleinere Veranstaltungen, ein Gemeindebüro sowie einen Gemeindesaal in dem Ortsteil Fünfhausen zurückgreifen. Informationen über die Kirche St. Severini zu Kirchwerder finden sich im Internet, darüber hinaus können Führungen zu der Kirche, den Grabplatten und Friedhof über das Gemeindebüro (040 7230202) gebucht werden.