Friedhof Harkness - Plan eines neuen Friedhofes in Australien
Mit diesem Artikel soll ein noch in Planung befindlicher Friedhof vorgestellt werden. Auf dem Gelände wurde gerade die letzte Ernte eingefahren. Nach mehreren Anläufen ist es mir gelungen, Kontakt aufzunehmen, so dass ich über dieses Projekt berichten kann. Manches dürfte dem Leser bekannt vorkommen.
Der neue Friedhof - derzeitiger Arbeitstitel "Harkness Memorial Park" -liegt ca. 40 Kilometer nördlich von Melbourne und umfasst ca. 128 Hektar. Über die Metropolregion Melbourne verteilt gibt es bereits 19 Friedhöfe, die alle zum "Greater Metropolitan Cemeteries Trust" (GMCT) gehören. Dieser Trust ist dem Gesundheitsministerium des australischen Bundesstaates Victoria nicht nur unterstellt, sondern auch rechenschaftspflichtig. Warum nun dieser neue Friedhof und in dieser Größe? Im Großraum Melbourne leben auf knapp 9.000 Quadratkilometer ca. 5 Millionen Einwohner unterschiedlichster Herkunftsländer, die hier ein neues Zuhause gefunden haben. Gerade in den letzten Jahren wuchs die Bevölkerung stetig, und es mussten neue Gebiete für den Bau von Wohnungen erschlossen werden. Es wird damit gerechnet, dass die Zahl der Einwohner noch weiter zunehmen wird. Daher ist es den Städteplanern ein Bedürfnis, ein Naherholungsgebiet und auch einen Friedhof in nächster Umgebung zu schaffen. Abb. 1 zeigt die Umrisse des zukünftigen Friedhofs. Ein Masterplan wurde erstellt, der die Interessen der Kommune und die Ansprüche einer sich ständig wachsenden Region berücksichtigen soll.
Umrisse des zukünftigen Friedhofs
Mit dem neuen Friedhof und Landschaftspark sollen sich die hier lebenden Einwohner identifizieren. Daher wurde die Nachbarschaft bereits in einem sehr frühen Stadium der Planung mit einbezogen. Ca. 26.000 Haushalte in der unmittelbaren Umgebung wurden angesprochen. Bei der Auswahl wurde darauf geachtet, dass alle Ethnien, Religionszugehörigen etc. berücksichtigt wurden. Öffentliche Medien machten auf dieses Projekt aufmerksam und ermutigten Interessierte, sich an den Planungen zu beteiligen.Herausgekommen ist ein Masterplan u.a. mit den folgenden Schwerpunkten:
Bei der Erstellung wurden nicht nur die "neuen" Bevölkerungsgruppen berücksichtigt, sondern es wurde großer Wert gelegt auf die Mitwirkungder ursprünglichen Bewohner dieses Gebietes, das Volk der Wurundjeri. Diese Wertschätzung zeigt sich darin, dass der Ältestenrat nicht nur an erster Stelle des Planes genannt wird, sondern auch in die Erstellung miteinbezogen worden ist. Diese Mitarbeit wird nicht mit der Eröffnung des Friedhofes enden, sondern ein Mitspracherecht ist in dem Plan für alle zukünftigen Projekte und Änderungen festgeschrieben. Damit wird die historische Bedeutung dieses Ortes und das Leben der ursprünglichen Bevölkerung am ursprünglichen Ort gewürdigt und ins Bewusstsein der Bevölkerung gebracht. Im Moment ist es nur "Ackerland" und nichts erinnert an das frühere Leben. Erschaffen werden sogenannte "Kulturpfade" (Abb. 2), die zu wesentlichen Kultstätten führen werden, die sichauf dem Gelände des Friedhofes befinden oder befunden haben. Die sich windenden Wege führen über das Gelände und werden gesäumt von Skulpturen, Kunstgegenständen, Informationstafeln etc., die Tradition und Leben der Ureinwohner näherbringen."Kulturpfade" zu Kultstätten auf dem Friedhofsgelände
Fehler der Vergangenheit sollen nicht wiederholt werden, daher sind für Interessierte Workshops in Planung, die sowohl Erwachsenen als auch Schulklassen unterschiedlicher Altersstufen die Tradition des Stammes detailliert darstellen werden. Die Erarbeitung eines Konzeptes und Durchführung dieser Workshops wird von den ursprünglichen Bewohnern vorgenommen, somit ist es gewährleistet, dass die Teilnehmer ein authentisches Bild erhalten. Der Gang durch den Park, egal ob geführt oder auch alleine, soll dazu anregen, sich der historischen Bedeutung dieser Landschaft bewusst zu werden. Man kann jetzt schon feststellen, dass die einzigartige Natur, die geplante offene Parkanlage und die verschlungenen Wege über das Gelände mit Sicherheit dazu beitragen werden.
Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Masterplanes widmet sich dem Schutz der Natur und dem nachhaltigen Wassermanagement. Natürlicher Klimaschutz durch die Erhaltung der Ökosysteme ist von großer Bedeutung, um den existenziellen Krisen zu begegnen. Gerade in Australien ist der Schutz der Ressource Wasser ein bedeutender Faktor, der auch bereits in der Kultur des Stammes der Wurundjeri eine wesentliche Rolle gespielt hat.
Angrenzend an dieses Gebiet befinden sich, wie auf Abb. 3 zu sehen ist, zwei bereits bestehende Parklandschaften. Es handelt sich dabei um ein Naherholungsgebiet (Arnolds Creek Reserve) und einem Nationalpark (Gilgai Woodlands Nature Conversation Park). Auf den ersten Blick scheint es sich bei letzterem nur um ein anspruchsloses Landschaftsgebiet zuhandeln. Aber das täuscht. Hier leben zahlreiche Wildtiere (u.a. Kängurus, Koalas etc.) und die Liste der Vogelarten ist gewaltig. Teilweise handelt es sich um Zugvögel, die hier nur den Sommer verbringen.Masterplan des Geländes
Für alle Tierarten ist das typische "Buschland" wichtig, aber auch der erhebliche einheimische Baumbestand. Darunter befinden sich u.a. verschiedenste Arten von Eukalyptusbäumen, die teilweise nur in dieser Gegend zu finden sind. Viele davon sind sicherlich schon mehr als 100 Jahre alt, und diese Bäume können sogar bis zu 400 Jahre alt werden. Von besonderem Interesse sind dabei die sogenannten "ring-trees", bei denen sich im Laufe der langen Zeit entweder die Äste zu einem kräftigen Ring geformt haben oder sogar in den Baumstämmen selbst sich große Ringe geformt haben. Nur ein Mensch, der diese Einheit von Tier-und Pflanzenwelt erleben kann, wird in die Lage versetzt, negative Auswirkungen auf das Ökosystem zu erkennen und womöglich zu verhindern.
Zu guter Letzt überrascht es nicht, dass das Interesse der befragten Haushalte an verschiedenen und auch neuartigen Bestattungsmöglichkeiten groß ist. Dabei sollen alle Religionen und Glaubensrichtungen berücksichtigt werden. Und die Bestattungen sollen auch für jeden erschwinglich sein. Aufgrund seiner Doppelrolle als konventioneller Friedhof und öffentliche Parkanlage wünschen sich die befragten Haushalte Bereiche, die ausschließlich der Trauer dienen, damit Ruhesuchende und Trauernde ungestört sind.
Allen Beteiligten ist bewusst, dass mit der Eröffnung des Friedhofes die Arbeit nicht getan ist. Daher rechnet der GMCT mit mindestens noch weiteren 100 Jahren, bis alle Vorschläge der Bevölkerung umgesetzt sein werden. Darunter befinden sich u.a. die folgenden Punkte:
RestaurantPicknickwiese
die Eröffnung eines Cafés/Restaurants und, was in Australien so wichtig ist, die Anlage einer Picknickwiese (Abb. 4 und 5). Denkbar ist durchaus, dass z.B. in dort angrenzenden oder separaten Gebäuden Theaterstücke, Ausstellungen, Lesungen etc. veranstaltet werden können.
Wander-und Radwege durch den Park, aber auch entlang der sich anschließenden Flusslandschaft (Abb. 6),
die Einbindung des bestehenden Nationalparkes, um den Freizeitwert als Naherholungsgebiet zu erhöhen (Abb. 7).
Ebenfalls in Planung ist eine bessere Anbindung des Parkes an das öffentliche Verkehrsnetz, um den Individualverkehr einzuschränken.Wander- und RadwegeDer Park als Erholungsgebiet
Bereits im Mai 2024 wurde der Masterplan, der unter Mitwirkung des Landwirtschaftsarchitekten McGregor Coxall entstanden ist, mit einer Auszeichnung bedacht. In der Laudatio zu der Preisverteilung wurde besonders hervorgehoben, dass mit diesem Friedhof nicht nur für den Tod und die damit verbundenen Trauer ein würdiger Platz geschaffen wird, sondern das alltägliche Leben von Mensch und Tier eingebunden wird.
Bei diesem Beitrag kann es sich nur um eine Kurzdarstellung dieses Projektes handeln. Wer sich noch weiter informieren möchte, kann dies unter: https://www.gmct.com.au/harkness machen.
Alle Abbildungen in diesem Beitrag sind von McGregor Coxall und mit freundlicher Genehmigung durch "The Greater Metropolitan Cemeteries Trust" zur Verfügung gestellt worden.
Im Frühjahrssturm 2022 beschädigte ein umgestürzter Baum das historische Grabmal Patow.
Die Frage stand im Raum, ob es besser wiederhergestellt werden oder als Denkmal der Vergänglichkeit in seinem ruinösen Zustand bleiben sollte? Das zerstörte Grabmal Patow
Dazu hat der Förderkreis Ohlsdorfer Friedhof zusammen mit dem Hamburger Abendblatt eine Abstimmung gestartet. Näheres dazu und auch zu den Verdiensten von Otto Wilhelm David Patow (1847 - 1932) um die Hamburger Kultur lesen Sie hier. An der Abstimmung haben sich 114 Menschen beteiligt, von denen 86 Prozent für die Wiederherstellung votierten.
Für eine denkmalgerechte Sanierung sind rd. 8600 Euro veranschlagt. Liebe Freundinnen und Förderer des Ohlsdorfer Friedhofs
HELFEN SIE MIT!
Spenden Sie für die Wiederherstellung des imposanten Grabmals Patow an den Förderkreis Ohlsdorfer Friedhof unter:
IBAN: DE23 2005 0550 1031 2460 00 Verwendungszweck Patow-Grab
oder an das
PAYPAL-Konto: [email protected]