Migration und Integration sowie neue Formen in der Bestattungskultur standen im Mittelpunkt der diesjährigen Sitzung des Zentralen Besprechungskreises Kirche-Handwerk. Zu der Tagung des seit fast sechs Jahrzehnten bestehenden Gremiums kamen am 20./21. Januar 2025 in Hamburg Vertreter der evangelischen und katholischen Kirche sowie des Handwerks zusammen.
Am zweiten Tag führte das Programm die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf den Ohlsdorfer Friedhof, den mit 202.000 Grabstätten größten Parkfriedhof der Welt. Thematisch stand hier die veränderte Trauer- und Bestattungskultur im Fokus. "Immer mehr Menschen sterben allein, und die Vielfalt der Bestattungsformen nimmt zu. Als Kirche müssen wir uns fragen, wie wir den Friedhof als Ort der Begegnung und des Gedenkens bewahren und gleichzeitig auf gesellschaftliche Entwicklungen reagieren können", erklärte Thomas Adomeit, Bischof der evangelisch-lutherischen Kirche aus Oldenburg."
Wert und Würde kommen einem Menschen nicht nur im Leben zu, sondern reichen über den Tod hinaus. Deshalb ist die Bestattungskultur einer Gesellschaft ein Ausdruck von Humanität und des Umgangs auch mit Lebenden," betonte Josef Holtkotte, katholischer Weihbischof in Paderborn. Bei der Gestaltung von Bestattungen und Friedhofssatzungen befürworte er eine gute Zusammenarbeit zwischen Kirchen, Handwerk und staatlichen Akteuren.
Die Bundesverbände der deutschen Bestatter und Steinmetze, die das Programm auf dem Friedhof mitgestaltet haben, warben für lebensnahe Regelungen bei Friedhofssatzungen und wiesen auf die aktuellen Anliegen und Herausforderungen ihrer Gewerke hin. Beide positionierten sich deutlich gegen die Praxis anonymer Bestattung. Eine solche solle nur auf ausdrücklichen Wunsch der Verstorbenen erfolgen. Das namentliche Gedenken an einen Menschen sei eine Frage persönlicher Würde und kultureller Verantwortung gleichermaßen. Beide sprachen sich im selben Kontext für eine gesellschaftliche Stärkung der Friedhöfe aus, die neben ihrer Primärfunktion als Orte der Beisetzung und Trauer heute zu Orten der kulturellen und sozialen Begegnung und insbesondere in größeren Städten zu naturbelassenen Rückzugsorten geworden seien.In diesem Zusammenhang forderten die beiden Gewerke eine bessere Zusammenarbeit auf Augenhöhe mit staatlichen und kirchlichen Friedhofsträgern, bei Satzungsregelungen zu Grabgestaltung, Gebührenordnungen und der Zulassung von Gewerken. Lebensnahe, flexible Regelungen seien entscheidend, um die Bedürfnisse und Wünsche der Hinterbliebenen berücksichtigen zu können.
"Die Bestatterinnen und Bestatter sind die zentralen Ansprechpartner für alle, die einen geliebten Menschen verloren haben, oder die sich Gedanken um ihren eigenen Abschied machen. Für uns als Berufsverband ist es entscheidend, eng mit den anderen friedhofsnahen Gewerken und mit den Kirchen im Austausch zu stehen, um unsere Erfahrungen und unsere Expertise zielgerichtet einzubringen", sagte Stephan Neuser, Generalsekretär des Bundesverbands Deutscher Bestatter.
"Jeder Verstorbene hatte einen Namen und war eine Persönlichkeit. Dies endet nicht mit dem Tod. Steinmetze schaffen würdevolle Orte der letzten Ruhe, die vor allem für die Hinterbliebenen wichtig sind, weil hier der Verstorbenen individuell gedacht werden kann. Dafür braucht die Gesellschaft geschützte, aber öffentlich zugängliche Räume. Dies sind und bleiben Friedhöfe. Es ist eine gesellschaftliche Aufgabe, diesen besonderen Ort zu schützen und zu erhalten. Kommunalpolitik und Kirchen tragen hier eine besondere Verantwortung", sagte Sybille Trawinski, Geschäftsführerin des Bundesverbandes Deutscher Steinmetze.
Lutz Rehkopf aus dem Leitungsbereich der Hamburger Friedhöfe führte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über die beeindruckende Anlage, während Prof. Norbert Fischer vom Institut für Empirische Kulturwissenschaft der Universität Hamburg in einem Impulsvortrag sowohl die Kirchen als auch das Handwerk in die Verantwortung nahm. Bestattungs- und Friedhofskultur müsse in erster Linie von den Menschen her gedacht werden. Neue Formen der Trauer und des Gedenkens entwickelten sich heute sozusagen "von unten herauf".
Die Sitzung des Besprechungskreises zeigte eindrucksvoll: Kirche und Handwerk gestalten gemeinsam gesellschaftliche Verantwortung - ob in der Integration Geflüchteter oder im respektvollen Umgang mit dem Tod.
Anmerkung der Redaktion: Auszug aus einer Pressemeldung des Zentralverband des Deutschen Handwerks vom 21.1.2025.