Am 9. Oktober 1874 fand die erste offizielle Einäscherung eines menschlichen Leichnams in Deutschland statt. Es war ein Experiment, das in Dresden realisiert wurde, aber noch nicht in einem Krematorium - das erste in Deutschland wurde erst vier Jahre später 1878 in Gotha eröffnet. Dieses Ereignis und die weiteren Entwicklungen der modernen Feuerbestattung in Deutschland sind aktuell und in den folgenden Jahren Thema zahlreicher Veranstaltungen und Publikationen.
Die Zeitschrift "Bestattungskultur" hat sich in ihrem Oktober-Heft umfassend der Geschichte und Gegenwart angenommen. Marion Stein berichtet ausführlich über die oben erwähnte erste Einäscherung in jenem Siemensschen Regenerativofen, der später auch Verwendung in einigen Krematorien finden sollte. Norbert Fischer behandelt die Geschichte der Feuerbestattung von ihren Anfängen bis zur Gegenwart. Inken Gaukel schildert den Weg zum ersten Stuttgarter Krematorium, Barbara Leisner die Geschichte der Aschenbeisetzungen und Martin Venne die weitere Entwicklung von Aschenbeisetzungsanlagen auf Friedhöfen. Dazu gesellen sich unter anderem Interviews zum ersten deutschen Krematorium in Gotha sowie zum Konzept des "Flamariums Saalkreis".
Optisches Glanzlicht des anspruchsvoll gestalteten Heftes sind Schwarz-Weiß-Fotografien des bekannten Geografen und Stadtforschers Jürgen Hasse, die unter dem Titel "Ein Ort erkalteter Lebendigkeit" Einblicke in das bereits geschlossene Krematorium Frankfurt/Main zeigen. Zugleich wird Jürgen Hasse über seine Intentionen zu "Fotografie als ästhetischer Praxis" interviewt. Dieses wie auch alle weiteren Interviews wurden von Simon Walter und Eva Schmidt geführt.