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OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

15 Jahre "Garten der Kinder" auf dem Friedhof Schleswig-Friedrichsberg

Autor/in: Elke Heinen
Ausgabe Nr. 151, IV, 2020 - November 2020

Im September 2005 wurde der "Garten der Kinder" in Schleswig auf dem Friedrichsberger Friedhof eingeweiht.

Das gemeinsame Interesse, für verstorbene Babys aus der Zeit der Schwangerschaft oder kurz nach der Geburt einen freundlichen Ort zu finden, führte zum gemeinsamen Projekt verschiedener Träger. Beteiligt sind der Friedhofsverband Schleswig und Umgebung, das damalige Martin-Luther-Krankenhaus (heute Helios), die Krankenhaus-Seelsorge des Evangelischen Kirchenkreises Schleswig-Flensburg, ein Steinmetz, ein Bestatter und der Verein der Verwaisten Eltern Schleswig-Holstein e.V.

Blick in den "Garten der Kinder"

Das Angebot der Beisetzung der "Sternenkinder" wurde von betroffenen Eltern in der Klinik gern angenommen. So waren die zunächst 40 geplanten Grabstellen rasch belegt. Die dritte Erweiterung des Gartens hätte zum 15jährigen Bestehen im Jahr 2020 eingeweiht werden sollen. Die kleine Feier musste wegen der Pandemie ausfallen. Inzwischen wurden ca. 125 Einzel- oder Gemeinschaftsbeisetzungen durchgeführt. Fast 250 Sternenkinder ruhen im "Garten der Kinder".

Vor der Bestattung

In der Kooperation hat es im Laufe der Jahre einige Wechsel der Anprechpartner*innen gegeben. Organisatorische Abläufe, Finanzierung und Öffentlichkeitsarbeit müssen immer wieder abgestimmt werden. Mit großer Kontinuität sind die ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen der Verwaisten Eltern aktiv, die sich als betroffene Eltern für betroffene Eltern engagieren.

Interview von Elke Heinen mit Frau Jenny Jägers (38 Jahre), Friedhofsgärtnerin auf dem Friedhof Schleswig-Friedrichsberg zum "Garten der Kinder" am 30. 9.2020

Heinen: Frau Jägers, unser "Garten der Kinder" wird in diesem Jahr 15 Jahre alt. Die für den Juni geplante Veranstaltung mussten wir wegen der Corona-Pandemie ausfallen lassen. Sie sind seit 10 Jahre Gärtnerin hier auf dem Friedhof und haben schon oft die kleinen Grabstellen für die Beisetzung von Sternenkindern vorbereitet. Können Sie sagen, welche Bedeutung für Sie der "Garten der Kinder" hat?

Frau Jägers: Das hat für uns hier einen ganz hohen Stellenwert. Ich bin doch selbst auch Mama. Ich habe zwei kleine Kinder. Das ist ganz etwas anderes als wenn ich einen 80Jährigen beisetze. Bei den Kleinen denkt man, warum ist das so? Warum müssen die schon gehen? Und dann will man es besonders schön haben, auch für die Angehörigen.

Frage an den Mitarbeiter Tobias Rüscher: Was ist für Sie anders bei den Beerdigungen?

Herr Rüscher: Das sind kleine Kinder, das ist frisches Leben. Das ist einfach nur traurig, auch für die Eltern. Das ist auf jeden Fall für uns ein Unterschied.

Geschmückte Grabstätte

Elke Heinen ist Referentin für Trauerarbeit beim Verein Verwaiste Eltern und trauernde Geschwister Schleswig-Holstein e.V..

Fotos: Elke Heinen

Auflistung alle Artikel aus dem Themenheft Begräbnisplätze in Schleswig-Holstein (November 2020).
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