Das Kreisarchiv Stormarn hat einen wichtigen Teil aus dem Nachlass des Bildhauers und Keramikers Richard Kuöhl erwerben können, der lange Zeit in Kupfermühle gelebt und gearbeitet hat. Urkunden, Schriftstücke und Fotos erlauben bisher unbekannte Einblicke in die Biografie des umstrittenen Künstlers.
"Wir erhoffen uns aus den Dokumenten neue Erkenntnisse über Richard Kuöhl", erklärt Kreisarchivar Stefan Watzlawzik. "Aufgrund der ausführlichen Unterlagen kann sich bald jeder selber ein Bild von dem Künstler machen." Denn nachdem der Nachlass in den nächsten Monaten erschlossen wird, soll er digitalisiert und online zugänglich gemacht werden. Damit könne Kuöhls gesamte Biografie von der Geburt bis zum Tod nachgezeichnet werden. Watzlawzik erwartet auch Erkenntnisse zu der Zeit der Anfeindungen, die Kuöhl nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte.
Mit der Erschließung kommt eine spannende Aufgabe auf den Verantwortlichen zu, denn Kuöhl war ein bekannter Mann. Vor allem seine Zusammenarbeit mit dem Hamburger Oberbaudirektor Fritz Schumacher bot ihm bei der Gestaltung zahlreicher öffentlicher Bauten und Plätze eine Plattform für sein künstlerisches Arbeiten, das bis heute sichtbar ist. Die Finanzbehörde am Gänsemarkt, die Davidwache auf der Reeperbahn, das Krematorium auf dem Ohlsdorfer Friedhof oder Chilehaus und Hummelbrunnen tragen in Form von Baukeramiken seine Handschrift. Auch in Bremen sind Werke von Kuöhl erhalten, der ursprünglich aus Meißen stammt.
Im Stormarn-Lexikon (www.stormarnlexikon.de) ist aktuell ein Artikel zu Richard Kuöhl erschienen, in dem es unter anderem heißt, dass Kuöhl 1905 und 1906 auch Spielzeugtiere entwarf, die von Dresdner und Meißener Kunsthandwerkerstätten ausgeführt wurden. Tierfiguren von Richard Kuöhl kann man neben rund 40 weiteren Exponaten auch im Stormarnschen Dorfmuseum in Hoisdorf besichtigen. Sie stammen großteils aus dem Nachlass von Kuöhls Tochter, die in Hoisdorf gelebt hat. Andere Kleinfiguren sind von der Sparkassen-Kulturstiftung Stormarn als Dauerleihgabe ins Museum gekommen, darunter ein Hase und ein Springbock aus Bronze.
Ein Privatsammler hat dem Kreisarchiv auch den umfangreichen Nachlass Kuöhls angeboten, und Watzlawzik griff sofort zu. "Dass man eine so komplette Sammlung bekommt, ist äußerst selten", erklärt er. Oft würden Sammlungen bekannter Persönlichkeiten aufgelöst und die Stücke einzeln verkauft.
Der Kreisarchivar überlegt schon über die zukünftige Nutzung. "Mit der Sammlung hat jeder die Möglichkeit, seine umstrittene Person selbst beurteilen zu können." Denkbar sind beispielsweise auch Schulprojekte, bei denen die Schüler auf Spurensuche geschickt würden, um anhand der Unterlagen den Künstler und seine Wirkung auf das Stadtbild bis heute zu erarbeiten.
Neue Literatur (online): Norbert Fischer: Richard Kuöhl (Lexikon-Artikel, März 2020); link: www.stormarnlexikon.de/richardkuoehl/
Pressemitteilung des Kreises Stormarn vom 9. März 2020, Kontakt: Kreisarchivar
Stefan Watzlawzik, E-Mail: [email protected]
Fotos: Kreisarchiv Stormarn