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OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Ein Gedenkstein für Hugo Meier-Thur und Walter Funder – Verfolgte des NS-Regimes

Die Geschwister-Scholl-Stiftung hat einen neuen Gedenkstein auf ihrem Ehrenfeld für Verfolgte des NS-Regimes gesetzt. Er ist am 20. Oktober 2019 enthüllt worden und erinnert an den Künstler und Kunstprofessor Hugo Meier-Thur sowie den Journalisten und Autor Walter Funder.

Gedenkstein Meier-Thur. Foto: I. Pompesius

Beide hatten in den Bombennächten ihr Hab und Gut verloren und sich aus Barmbek-Uhlenhorst und Eimsbüttel zu Funders Lebensgefährtin Gerda Rosenbrook-Wempe nach Klein Borstel gerettet, wo sie am 1. August 1943 gemeinsam einen Erkundungsgang unternahmen. Dabei sind sie vom Sohn eines Nachbarn lautstark als englische Spione bezeichnet, von einem Mob umstellt und bedroht, dann von der Polizei zur Gestapo gebracht und verhaftet worden.

Hugo Meier-Thur wurde noch im selben Jahr im KZ-Fuhlsbüttel gefoltert und ermordet. Walter Funder blieb in Haft, ihm wurde Monate später der Prozess gemacht. Wegen versuchten Hochverrats erhielt er eine zweijährige Freiheitsstrafe. Bis zum Ende des Krieges blieb er, Hunger und Misshandlungen ausgesetzt, in verschiedenen KZs und Gefängnissen und überlebte gesundheitlich gezeichnet. Nach Kriegsende versuchten diejenigen, die ihm einst nach dem Leben getrachtet hatten, ihn per Gerichtsbeschluss entmündigen zu lassen. Dagegen konnte er sich erfolgreich wehren, blieb aber bis zu seinem Lebensende ein Vorbestrafter und wurde erst 2018 aufgrund der geänderten Gesetzeslage rehabilitiert.

Der feierlichen Enthüllung des Gedenksteins für Hugo Meier-Thur und Walter Funder wohnten ca. 35 Menschen bei. Die Rede zu Ehren der beiden Freunde hielt die Kunsthistorikerin Dr. Maike Bruhns. Sie hat sich mit der Erforschung von Arbeit und Leben während der NS-Herrschaft verfemter und verfolgter Hamburger Künstler verdient gemacht.

Auflistung alle Artikel aus dem Themenheft Mensch-Haustier-Bestattungen (Februar 2020).
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