OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

30 000 vertriebene Hamburger 1813–1814 - Das Ende der Hamburger Napoleonzeit in Denkmälern

 - August 2010
Ausgabe: 
Nr. 110, III, 2010

Denkmäler sollen erinnern helfen, müssen aber selbst oft erst einmal in Erinnerung gerufen werden. Außerdem bedürfen sie ständiger Pflege.

Vor 200 Jahren, von 1811 bis 1814, war Hamburg (Hambourg) eine französische Stadt. Kaiser Napoleon stellte nicht nur in der Umgebung Truppen für seinen Russlandfeldzug auf, sondern er hatte für Hamburg auch langfristig große Pläne. Der Russlandfeldzug endete jedoch in einer Niederlage, und Hamburg wurde in Mitleidenschaft gezogen. Im kollektiven Gedächtnis hat sich aus der "Franzosenzeit" deshalb vor allem das Geschehen zwischen Mai 1813 und Mai 1814 erhalten – ein kriegerisches Ende, gekennzeichnet von Besatzung, Belagerung, Vertreibung.

Was ist aus jener Zeit übrig geblieben und zum Denkmal erhoben worden? Wo befinden sich Denkmäler, die damals und in den folgenden Jahrzehnten errichtet worden sind? Wie sind sie zu pflegen – materiell und ideell? Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat 2009/2010 in ihre Aktion "denkmal aktiv" ein Projekt des Emil-Krause-Gymnasiums einbezogen, das die Katalogisierung und Wiederbelebung von Denkmälern aus der Napoleonzeit und an die Napoleonzeit verfolgte: Die Unterrichtsfächer Kunst, Geschichte, Philosophie, aber auch Musik, waren hier um das Thema "Erinnerungskultur" gruppiert.

Denkmal
Denkmal für Hamburger Vertriebene des Winters 1813/14, die in Barmbek umkamen, am Kraepelinweg (Barmbek) - vernachlässigt, vergessen.
Foto: Stubbe da Luz

Der Förderkreis Ohlsdorfer Friedhof bietet ab Oktober 2010 eine Ausstellung, in deren Rahmen nicht nur einige dokumentarische, künstlerische und philosophische Werkstücke von Schüler(inne)n geboten werden, sondern auch ein Überblick über das, was der Ohlsdorfer Friedhof in puncto „Napoleonzeit“ zu bieten hat, des weiteren Exponate des Barmbeker Heimatforschers Georg Baumann. Die Beteiligung des Vereins für Geschichte des Weltsystems sorgt dafür, dass der globale Rahmen der Hamburger Ereignisse des Jahres 1813/14 ins Auge gefasst wird.

Medienberichte über Katastrophen des Jahres 2010 in Thailand oder Kirgisistan, im Kongo oder Kolumbien weisen auf die Aktualität des Themas hin. Immer wieder sind Städte bekriegt, Flüchtlingsströme in Gang gesetzt, hernach Denkmäler gesetzt worden – hat sich deshalb an alledem etwas geändert?

Ausstellung im Museum Friedhof Ohlsdorf. Veranstalter: Förderkreis Ohlsdorfer Friedhof e.V. zusammen mit dem Emil-Krause-Gymnasium, dem Verein für Geschichte des Weltsystems (VGWS) e.V. und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz – "denkmal aktiv". Eröffnung am 17. Oktober 2010

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