OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

10 Jahre "Verwaiste Eltern und trauernde Geschwister Schleswig-Holstein e.V."

 - Dezember 2014
Ausgabe: 
Nr. 127, IV, 2014

Seit 1991 hat es in der Stadt Schleswig Gruppen für Eltern gegeben, die um ein verstorbenes Kind trauern.

Die erste Gruppe mit Eltern von ganz kleinen Kindern entstand im Rahmen der Evangelischen Familien-Bildungsstätte. Eltern, die dort zur Geburtsvorbereitung kamen und Eltern, die mit ihren Kleinen die Krabbelgruppen besucht haben, wurden durch den Tod ihres Kindes aus ihren Gruppen herausgelöst. Den gemeinsamen Anknüpfungspunkt in der Gruppe – das Kind – gab es für diese Eltern nicht mehr.

Ideen, wie man in einer kirchlichen Einrichtung auf diese Situation reagieren könnte, gab es zu dieser Zeit noch nicht. So wurde in Schleswig ein eigenes Konzept entwickelt, das in der Institution Kirche seinen Platz gefunden hat und bis heute weiterentwickelt wird; die Eckdaten: offene Selbsthilfegruppe, die sich monatlich trifft und von einem qualifizierten Trauerbegleiter-"Paar", das eine familientherapeutische Orientierung hat, angeleitet wird. Gruppenteilnahme nach Vorgespräch.

Schon bald wurde die erste Elterngruppe in der Öffentlichkeit bekannt und Eltern von Schulkindern und Jugendlichen wendeten sich an uns. 1994 starteten wir mit einer Gruppe, die diesen Eltern einen Raum gibt für die Trauer in ihrer oft größeren und vielschichtigeren Familiensituation. Beide Elterngruppen bestehen seither und ohne Unterbrechung mit monatlichen Treffen. Die Verweildauer der Eltern liegt zwischen einem und drei Jahren. Viele finden in ihrer Gruppe Freunde und halten den Kontakt untereinander.

Einige Eltern werden auch im "Verein Verwaiste Eltern Schleswig e.V." aktiv, der im Jahr 2004 von engagierten Leuten gegründet wurde. Der Verein hat Themen und Projekte aufgegriffen, die bislang unberücksichtigt blieben: eine Gruppe für Kinder, eine für jugendliche Geschwisterkinder, eine Gruppe für ältere Eltern, eine für durch Suizid Betroffene, der "Garten der Kinder" als Grabstätte für Frühverstorbene, die Mini-Särge, Öffentlichkeitsarbeit in vielfältiger Weise, ...

Die Arbeit des Vereins wurde im Laufe der Zeit immer bekannter, der regionale Radius, aus dem die Nachfragen kommen, immer größer. Der Verein hat seinen Namen 2010 der Situation angepasst: "Verwaiste Eltern Schleswig-Holstein e.V."

Wir konnten eine Dame als Schirmherrin für unseren Verein gewinnen, die hier im Norden sehr prominent ist: Frau Bischöfin i.R. Bärbel Wartenberg-Potter aus Lübeck. Sie hat vor ca. 40 Jahren als junge Mutter ihre beiden kleinen Kinder durch eine Stoffwechselerkrankung verloren.

In Schleswig bekommen wir immer mehr Anfragen aus allen Teilen unseres Landes, auch von den Inseln in Nord- und Ostsee. Die Menschen in einem Flächenland sind gewohnt, dass sie für ihre Versorgung weite Wege auf sich nehmen müssen. Sinnvoller ist es jedoch, ihnen in ihrer Region ein ortsnahes Angebot zu machen.

In einer aufwendigen Recherche suchten wir nach Angeboten für trauernde Eltern und Familien in Schleswig-Holstein. Seit 2012 laden wir Gruppen, Trauerbegleiter und Träger zu Vernetzungs-Treffen ein. Das persönliche Kennenlernen steht im Vordergrund. Wir wollen gerne wissen, an wen wir suchende Trauernde vermitteln können.

Seit 10 Jahren ist unser Verein nun darum bemüht, im Land ein gutes und flächendeckendes Angebot der Begleitung aufzubauen. Einige der Gruppen aus dem Netzwerk sind inzwischen Mitglied in unserem Verein geworden.

Der logische nächste Schritt war die Anpassung der Vereinssatzung zur Struktur eines Landesverbandes. So sind wir rechtzeitig vor unserem 10jährigen Jubiläum, das wir im Oktober 2014 feiern, Landesverband im Bundesverband VEID. Unser Name lautet jetzt: Verwaiste Eltern und trauernde Geschwister Schleswig-Holstein e.V.

Kontakt und Zusammenarbeit mit den Menschen im Bundesverband VEID gib es seit dessen Gründung. Die Treffen der Regionalstellen und das Jahrestreffen gehören – trotz der weiten Anreise – in unsere Terminkalender. Informationsaustausch, Fortbildung und Orientierung über den eigenen Horizont sind immer eine Bereicherung für das eigene Tun. Das gemeinsame Auftreten mit dem VEID in der Öffentlichkeit ist für uns alle im Bundesverband eine Möglichkeit, das Selbstbewusstsein zu stärken und den gesellschaftlichen Umgang mit "unserem" Thema zu verändern.

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