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OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Leben und Tod auf Kuorsalo: Ein Insel-Friedhof in Finnland

Vorbemerkung: Finnland bleibt mein Sehnsuchtsland solange ich lebe.

Da ist es doch nur allzu verständlich, dass ich mich auch nach meinem Tod nach einem schönen finnischen Fleckchen sehne, wo ich mich zu Hause fühle. Dieses hätte ich auf Kuorsalo gefunden. Ich bin während meiner Finnlandreise nicht zufällig auf Kuorsalo gelandet, denn in Reiseführern findet man über diesen Friedhof kaum Informationen. Nach einem langen Gespräch mit meiner finnischen Freundin Emmi über Kirchen und Friedhöfe, die ich in Finnland besucht hatte, wollte sie mir unbedingt auch "ihren" Friedhof zeigen. Also machten wir eine Bootsfahrt zum Inselfriedhof Kuorsalo.

Zur Geschichte der Insel

Kuorsalo ist eine große, sanft geschwungene, bewaldete Felseninsel, die südlich von Mäntlahti im Küstengebiet des Finnischen Meerbusens liegt und zum Gemeindegebiet von Hamina gehört. Mit ungefähr 1.200 Hektar ist sie eine der größeren Inseln in dieser Region. Die Hauptinsel ist von dreißig kleinen Inseln und Inselchen umgeben. Kuorsalo ist eine der am längsten bewohnten Inseln des Archipels. Die dauerhafte Besiedlung der Insel erfolgte offenbar zu Beginn des 13. Jahrhunderts, weil vermutlich Robbenjäger auf der Insel sesshaft wurden. Allerdings wurde mir auch eine Geschichte erzählt, dass Vanhankylänlahti bereits Wikingern als Heimatort diente. In den Sümpfen der zentralen Teile der Insel wurden Entdeckungen uralter Kulturgebiete und von Hügelgräbern gemacht. Ab 1293 gehörte die Insel zu Schweden, zur Wyborg-Burg. Als Korusala wird die Insel 1387 erstmalig in schriftlichen Quellen erwähnt. Der auf ihr befindliche Hafen Vanhankylänlahti war ein wichtiger Versorgungsstützpunkt auf der Ost-West Route. 1557 werden in der Fischsteuerliste der Verwaltung in Hamina auch Namen der BewohnerInnen der Insel genannt; dies sind die Familien Lommit, Sipari, Korjus, Korjuslommit, Avirolmmit und Raussi.

Nach dem 25jährigen Krieg von 1570-1595 zwischen Schweden und Russland übernahm dann der Sieger Russland die ganze ostfinnische Region und somit auch Kuorsalo. Auf Kuorsalo fiel fast die ganze Bevölkerung diesem Krieg zum Opfer.

Die bekannteste älteste Siedlung liegt in der Vanhankylänlahti-Bucht. Heute ist das Dorf jedoch menschenleer und der Hauptort wurde an die Nordküste der Insel verlegt. Die Überreste der Siedlung "Old Village" können besichtigt werden. Steinmauern, ein paar Scheunen, ein alter Hof, wilde Apfelbäume, Rosenbüsche und Zäune erzählen von der Vergangenheit.

Der Friedhof auf Kuorsalo

Im 18. Jahrhundert betreiben die BewohnerInnen Kursalos neben der kleinbäuerlichen Landwirtschaft natürlich Fischfang, Robbenjagd, den Steinbruch von Kuorsalo und den Export von Hackschnitzeln und Bauholz nach St. Petersburg. Außerdem war eine Quelle des Reichtums, Wracks und im Meer treibende Waren zu finden und zu verkaufen.

Am wesentlichsten zur Sicherung des Lebensunterhalts trug die Arbeit in der Lotsenstation bei. In den frühen Jahren bestand eine Wachkette mit Hilfe von Markierungslichtern. Die höchsten Punkte der Inseln wurden mit Leuchtfeuern bestückt, die dann gezündet wurden, wenn sich ein Feind näherte. Zu diesem Zweck wurden von den herrschenden Schweden Siedlungen an der Küste Südostfinnlands gegründet, einige lagen auch auf Kuorsalo. König Gustav Vasa forderte eine Ausbildung für die Lotsen an den offiziellen Lotsenstandorten. Die Kenntnisse wurden überprüft und der Lotse zertifiziert. Ziel war es, dass die speziellen Kenntnisse über die jeweilige Region von Generation zu Generation weitergegeben wurden und der Arbeitsplatz vom Vater an den Sohn vererbt wurde. Auf diese Weise entstanden hochspezialisierte Lotsenstützpunkte in Ostfinnland und den dortigen Inseln. Die Lotsendienste nahmen natürlich nach dem Zweiten Weltkrieg ab, als das Küstensegeln unmöglich wurde und der Schiffsverkehr in die internationalen Gewässer verlagert wurde.

Plan des Friedhofs

Während des 19. und des 20. Jahrhunderts war die große Zeit der Insel, sowohl wirtschaftlich als auch kulturell. Es wurde ein Volksschule gegründet, eine Bibliothek, ein Jugendklub und ein Turnverein. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann die Insel internationale Künstler, WissenschafterInnen und Prominente anzuziehen. Magnus Enckell und seine Freunde malten jeden Sommer auf der Insel, Professor Kaarele Krohn mietete das sogenannte "Vilniemi Manor" – das Kapitänshaus und veranstaltete Seminare und große Gesellschaften. Damals gab es 55 Häuser auf der Insel mit etwa 250 BewohnerInnen. "Unmittelbar nach unserer Unabhängigkeit begann die wirtschaftliche und geistige Talfahrt. Die Seefahrt nach Russland endete, Schiffe, für die keine Fracht mehr gefunden wurde, wurden verkauft und ehemalige Seeleute wechselten zu den Fischern. Die jüngsten Männer auf der Insel versuchten sich immer noch in der Küstenschifffahrt, aber der sich entwickelnde Autoverkehr machte dies unrentabel. Auf diese Weise begann die Bevölkerung unserer Insel seit 1920 zu schrumpfen und das ist immer so weiter gegangen", erzählt Tuomo Silenti in seinem Buch.

Es sollte auch erwähnt werden, dass durch den Frieden von Moskau nach dem 2. Weltkrieg die Inselgruppe und die KüstenbewohnerInnen in Ostfinnland große Teile ihrer Fischgewässer und Jagdreviere verloren haben, da diese nun zu Russland gehörten. Als das Leben des Archipels somit in eine Sackgasse geriet, wurde 1949 das "Archipelkomitee" gegründet um die Interessen sowohl der InselbewohnerInnen als auch der Festlandbevölkerung Ostfinnlands zu vertreten. "Es war Sache des Komitees, die wirtschaftlichen Verhältnisse der Inselbewohner zu klären und Vorschläge für deren Verbesserung zu unterbreiten. Der Ausschuss der Regierung wurde hier persönlich und später schriftlich über die Mängel und Bedürfnisse des östlichen Archipels unterrichtet. Auf die Dringlichkeit der Hilfe wurde besonderer Druck ausgeübt und der Rest Finnlands sei aufgrund der großen Gebietsverluste gezwungen, der ostfinnischen Fischereibevölkerung zu helfen. Dies ist jedoch nicht geschehen. Während der 8-jährigen Tätigkeit des Archipel-Komitees wurden wir im Gegenteil benachteiligt, weil das Komitee das Hauptaugenmerk auf Verbesserungen im westlichen Teil von Finnland richtete und uns einfach fallen ließ. In anderen Teilen Finnlands hat der Ausschuss Verkehrsverbindungen und sogar die Modernisierung von Kühlhäusern mit staatlichen Darlehen und Zuschüssen ausgestattet und damit den Status dieser Regionen wesentlich verbessert", meint Aarno Sipari.

Blick in den Friedhof

1959 wurde wegen des massiven Bevölkerungsschwunds die Schule von Kuorsalo geschlossen, 1960 wurde die Lotsenstation aufgelöst, der Klamila-Genossenschafts-Laden wurde noch einige Zeit als Sommerladen geführt, bevor die Besitzer endgültig aufgaben. Schließlich hörten die Bauern mit der Viehwirtschaft auf, und die Häuser wurden nur noch als Sommerhäuser benützt. Derzeit leben zwei Personen ganzjährig auf der Insel – "Aussteiger" werden sie von den Kuorsolanern genannt. Der Landbesitz, die Häuser und auch der Hafen sind weitgehend noch im Besitz der Nachkommen jener Familien, die seit Anbeginn der Besiedelung Kuorsalos diese Insel bewohnt haben.

Geschichte des Friedhofs

Über Leben und Tod berichtet der Friedhof der Insel, der einer der ältesten privaten Friedhöfe in Finnland ist, die noch benutzt werden. Der Kuorsalo-Friedhof befindet sich auf der Insel Kuorsalo im Pfarrgebiet Hamina. Zahlreiche EinwohnerInnen von Kuorsalo, Pyötsaari, Mäntlahti und Tammio sind auf dem Friedhof von Kuorsalo begraben. Das Recht, auf dem Friedhof in Kuorsalo begraben zu werden, wird von einigen Familien geteilt, die ein eingetragenes Landrecht auf dem Friedhof haben.

Der schwedische König schenkte in den 1650er Jahren die Insel Kuorsalo dem Gouverneur Gustav Kaarlenpika Horn, der Verwalter in der Region Hamina war. 1743 wurde dann die Insel an das russische Reich angegliedert, aber die in Schweden geltenden Steuergesetze blieben erhalten. Somit zahlten die BewohnerInnen von Kuorsalo ihre Abgaben an den Richter Arvid Renner, der Summan Manor besaß zu welchem auch die Insel Kuorsalor gehörte. Nach seinem Tod wurde im August 1778 sein Anwesen versteigert.

Die alte Seite des Friedhofs

Am 4.11.1778 kauften sechs Familien Kuorsalo mit ihren nahegelegenen Inseln und Fischgründen um 520 Rubel in bar. Jaakko Simonpoika Sipari und Arvi Erikinpoika Lommi kauften beide 2/8, Sigfrid Niilonpoika Korjuslommi, Erik Sigfrids Sohn Korjus, Joseph Tuomaanpoika Korjus und Tuomas Heikinpoika Arvilommi übernahmen jeweils 1/8 des Landes. Auf diese Weise ging auch der Friedhof in den Besitz der Familien und einiger Inseln und Dörfer (Kuorsalo, Tammio, Pyötsaari und Mäntlahti) über. 1864 und 1867 fand eine offizielle Aufteilung und Parzellierung der Gründe statt. Diese wurde von Konstantin Järnefelt, einem Landvermesser in der Region Vyborg, durchgeführt. Das neue Landgesetz wurde durch das Gericht am 31.1.1873 bestätigt. In diesem wurde das Miteigentum der Familien für das Land und die Inseln neu geregelt, aber die 1778 erhaltenen Eigentumsrechte für die Fischgewässer und den Friedhof in Kuorsalo blieben weiterhin unverändert aufrecht.

Metallkreuze und ihre Verwendung

Der Friedhof besteht aus drei Bereichen, die sich aber auf einem in sich geschlossenen Gelände befinden. Der nördliche Teil (die "alte Hälfte") des Friedhofs ist ein Feld mit dem Namen Cemetery in der Größe von 0,1300 Hektar. Am 31. Januar 1987 bestätigte das Bezirksgericht, dass auch diese Fläche zum eigenständigen Friedhof der Orte Kuorsalo und Tammio gehört. Davor gab es keine Besitzdekrete oder sie gingen im Laufe der Jahre verloren. Der südliche Teil (die "neue Seite") wird auch als Friedhof bezeichnet und wurde am 1. August 1913 als Teil des Friedhofes registriert. Es wurde einfach ein großer Durchgang in die bestehende Steinmauer gebrochen und auch der neue Teil mit einer solchen umzäunt. Dieser Teil gehört angeblich der Evangelisch-Lutherischen Kirche von Hamina, aber auch darüber liegen keine Dokumente vor. Das Areal umfasst eine Fläche von 0,22300 Hektar. In der nördlichen Ecke des Gebiets befindet sich ein Holzgebäude (die BewohnerInnen von Kuorsalo nennen es die "Passage"). Es ist die Einsegnungshalle. Ein Teil der Hütte wurde auf dem Areal des Friedhofs gebaut, wogegen der Eingang außerhalb errichtet wurde. Die den Friedhof umgebende Steinmauer markiert die innere und die äußere Grenze. Bei dem großen äußeren Doppeltor dieses Gebäudes endet der Weg vom Hafen beziehungsweise von den Inselorten. Der Sarg mit dem Toten wurde von außen in die Einsegnungshalle geschoben – dieser Mensch verlässt nun die äußere Welt. Dann wurde das innere Tor geöffnet und der Sarg oder die Urne zum Grab begleitet. Auf der Rückseite des Friedhofs befindet sich ein dritter Grundbesitz, der dreieckige Friedhof mit einer Fläche von 0,0100 Hektar, und als Eigentümer wird die Gemeinde Hamina genannt.

Dem Immobilieninformationssystem zufolge wurden die Dokumente und Karten des Friedhofs und der auf ihm befindlichen Räumlichkeiten zerstört. Niemand weiß, wann und warum das passierte. Tarja Partanen, Finanzvorstand der Kirchengemeinde Hamina bestreitet, dass die Gemeinde diese Grundstücke besitzt und beteuert, dass die Grundstücke nicht in den Kirchenbüchern stehen. Er könne dies an den finanziellen Transaktionen rund um den Friedhof nachweisen – in seinen Büchern gäbe es diesbezüglich keine Aufzeichnungen. Demnach befindet sich der Friedhof immer noch im Besitz der Familien, die ihn 1778 gekauft haben.

Kimmo Sundström, finnischer Kulturwissenschafter, hat den Friedhof von Kuorsalo 2015 besucht und schildert folgendes:

"Meine Fahrt am 8. Juni 2015 von Hamina Tervasaari über Tammio nach Kuorsalo mit dem Boot Vikla 1 dauerte 2,5 Stunden in eine Richtung. Ich besuchte den Friedhof, um eine genaue Oberflächen- und Vegetationsbeschreibung für die Behörden zu erstellen. Die Friedhofsoberfläche fällt vom Eingang betrachtet sanft von vorne nach hinten ab. Der niedrigste Punkt befindet sich in der linken hinteren Ecke, die mit einem jungen Wald bewachsen ist. Es finden sich dort große Birken und kleine Kiefern, Tannen und Wacholder zwischen den Gräbern. Auf der Rückseite der Anlage fand ich eine große Fichte mit 240 cm Stammumfang. Außerhalb des Friedhofs und außerhalb des Zauns gibt es große Fichten und Kiefern. Das Unterholz besteht aus Heidelbeeren, Heidekraut und Moos."

Weiters erwähnt er, dass die einzelnen Teile des Friedhofs heute nicht mehr erkennbar seien, da es keine Mauern im inneren Bereich des Friedhofes oder andere als Teilungen erkennbare Barrieren gäbe.

Sundström hat auch die Einsegnungshalle genau vermessen und beschrieben: "Die zwei Torsäulen sind aus Beton, grau und quadratisch (21x21x127 cm). Die Toröffnung ist 206 cm breit. Die Blätter des Tores sind aus Holz und weiß gestrichen (100x110 cm). Das Tor hat einen Metallriegel, rostig." Heute befindet sich anstelle des massiven Holztores ein zartes Türchen aus einem Holzrahmen mit dünnen Eisenstäben, ebenfalls weiß gestrichen. Der Zaun vom Tor nach links, die Rückseite und die rechte Seite zur Mitte sind nicht behauene kreisförmige Steine. Die Höhe der Steinmauer beträgt zwischen 40 und 100 cm.

Das Passage-Häuschen

Unmittelbar rechts vom Tor befindet sich ein restauriertes Gebäude (384 x 330 cm), das als Passage oder Durchgang bezeichnet wird. Durch dieses kommen die Verstorbenen im Sarg auf den Friedhof. Zuvor war das Gebäude schwarz, nach der Renovierung wurde es weiß/grau gestrichen. Eija Raussi meinte dazu: "Es war so trostlos. Alle wollten eine optimistischere Farbe, also haben wir uns für grau/weiß entschieden". Bei der Renovierung wurde auch das Dach saniert und ein neues rotes Ziegeldach errichtet, da der alte Dachstuhl zum Großteil verrottet war.

An der einen Seitenwand des Friedhofshäuschens befindet sich eine Friedhofskarte. Die neuesten Gräber (seit 1995) sind leider darauf nicht eingezeichnet. Aber auch so gibt sie einen guten Überblick über die Geschichte der Gräber und der Verstorbenen. Diese Karte verdanken wir Ilmo Siparis Studien. Ilmo Sipari (23.11.1930 – 22.8.2004) war nicht nur Manager einer großen Firma, sondern in seiner Freizeit auch passionierter Kulturhistoriker, Genealoge und Biograph. Einige Jahre lang untersuchte er den Friedhof auf Kuorsalo. Er erstellte Listen über die vorgefunden Gräber, nummerierte sie und stellte sie in der Reihenfolge der Familien- und Vornamen der Verstorbenen zusammen. Bei diesen Studien fand er auch einige verschüttete oder von Flechten überwachsene Gräber.

Auf der alten Seite des Friedhofs hat Sipari die Gräber mit 1-229 nummeriert, auf der neuen Seite mit 1-415. Diese Liste enthält mindestens 617 Namen, und zusätzlich fand Sipari mindestens 111 Gräber von völlig unbekannten Verstorbenen, deren Namen er nicht mehr eruieren konnte. So waren bis 1995 mindestens etwa 750 Menschen hier begraben worden.

Die Genealogie und die Vornamenfolge werden durch die häufigsten Nachnamen der begrabenen Toten dargestellt: Arvilommi (43 Namen), Korjus (26), Lommi (38), Mäkelä (35), Pskov (32), Pitkänen (50), Raussi (41), Sipari (113) und Finnisch (50).

Das früheste Geburtsdatum des auf der Grundlage der Sipari-Listen begrabenen Verstorbenen ist Josef Olofinpoika Pitkäsen (12.5.1802-11.4.1868). Sipari fand heraus, dass Pitkäsen keines natürlichen Todes gestorben war, sondern von Kristiina Fredrikintytär Suomalainen (7.10.1823-7.4.1861) getötet und vorerst vermutlich im eigenen Garten heimlich begraben wurde. Später erhielt er ein Grab am Kuorsalo Friedhof.

Eine Spalte in der Liste gibt zusätzliche Informationen zu einigen Verstorbenen, wie deren Familienstand ("Nton" = unverheiratet), einigen Berufen (Matrose, Verkäufer, Lehrer, Molkerei, Fischer), einigen Todesarten (ertrunken), einigen persönlichen Verdiensten (Skifahrer, Musiker), einigen Arten von Begräbnissen (Urne Sarg) und bei einigen über die Art des Grabmonuments (Holzkreuz, Stein, Metallkreuz).

Laut Marja Vasara, Vorsitzender der Kuorsalo-Gesellschaft, ist der Besitz des Häuschens nirgends dokumentiert, aber fest steht, dass es von den Familien, die diesen Friedhof besitzen, vermutlich im späten 19. Jahrhundert erbaut wurde. Das Gebäude wurde 1914 an seinen jetzigen Standort verlegt. Früher befand es sich auf der Nordseite, ganz in der Nähe der Nordspitze des Friedhofs, an einem Ort, an dem die Steinmauer jetzt etwas niedriger ist als anderswo auf dieser Seite. Am nördlichen Rand, an die Steinmauer angelehnt, gibt es einen Geräteschuppen (358x208 cm) mit einer unverschlossenen Tür. Dort ist es möglich, Schaufeln, Leitern, Planken, Gartengeräte usw. zu lagern. Hinter dem Schuppen besteht die Möglichkeit Biomüll zu entsorgen. Der Verwalter des Friedhofes meint, dass dieser Schuppen im 20. Jahrhundert gebaut wurde, der genaue Fertigstellungstermin ist jedoch nicht bekannt. Das Gebäude ist auf der Karte des National Land Survey of Finland nicht verzeichnet. Außerdem wurde vor einigen Jahren ein Brunnen mit einer Pumpe zur Bewässerung gebohrt.

Zum Transport des Sarges ist ein Wagen, dessen Innenmaße 221x84 cm betragen, in einem eigenen Verschlag eingestellt. Der Wagen wurde aus einem Metallrohr gebaut, und er hat an seinen beiden Enden einen Schiebegriff. So kann man ihn auch gut über alle Unebenheiten oder größeren Steine, die am Waldweg liegen, heben.

Gräber

Nach Angaben der InselbewohnerInnen wurden die ersten Toten vielleicht 1741 begraben. Damals (1741-1742) kämpften Schweden gegen Russen ("Hutkrieg") und es lagen Kriegsschiffe auf den nahegelegenen Inseln vor Anker. Die Soldaten starben hauptsächlich an Krankheiten wie Pest und Durchfall. Auch Ertrunkene wurden hier begraben.

Die Grabsteine sind teilweise aus behauenen oder unbehauenen Steinblöcken, manche sind mit gebrannten Ziegeln gemauert, mit einem Fries verziert. Allerdings habe ich auch runde Grabsäulen gefunden. Links, auf der alten Seite, befindet sich ein Grab, das von einem Metallzaun umgeben ist. Eine Zeitlang waren metallene Grabkreuze modern. Bei einem Grab dienen die alten Kreuze als Halterung für einen neueren Stein.

Die ältesten Gräber befinden sich auf der alten Seite des Friedhofs nahe der linken hinteren Ecke. Eija Raussi erklärte, dass nicht alle Gräber früher einen Grabstein hatten. Man sieht aber auch, dass von manchen Steinen nur noch spärliche Überreste vorhanden sind. Viele der hölzernen Kreuze sind verrottet. Manchmal liegt noch ein rostiges, kaum lesbares Täfelchen auf dem Grab.

Die Gräber wurden und werden auch heute noch mit der Schaufel ausgegraben. Das geht verhältnismäßig leicht, da der Boden sehr sandig ist und daher im Winter auch nicht durchfriert. Da sowohl der Transport zur Insel als auch die Aufbewahrung in der Zeit des dünnen Eises und Unschiffbarkeit des Meeres einfacher ist, wünschen immer mehr Menschen eine Feuerbestattung. Mittlerweile gibt es schon einige separate Urnengräber, aber die meisten Urnen werden im Familiengrab beerdigt.

Grab des Piloten

Der Winterkrieg war ein vom 30. November 1939 bis zum 13. März 1940 zwischen der Sowjetunion und Finnland ausgetragener Krieg, in dem rund 700.000 FinnInnen verwundet oder getötet wurden. Kuorsalo war von Anfang an in diese Auseinandersetzung involviert. Einerseits galt die Lotseninsel Ritsniemi als wichtiger Ort für die Verteidigung durch die finnischen Streitkräfte, andererseits lag die Insel direkt unter der Anflugroute nach Hamina, wo sich eine große Garnison befand.

Das Grab des Piloten

Bereits am ersten Kriegstag wurde die Lotsenstation Ristniemi bei einem Anflug von 55 Flugzeugen bombardiert und bis auf die Grundmauern zerstört. Es gab zahlreiche Verletzte auf dieser kleinen Insel und auch auf Kuorsalo, aber alle Menschen konnten gerettet werden.

Am 30. Januar 1940 wurde um 13:22 Uhr Alarm ausgelöst. Eine Staffel von sowjetischen Flugzeugen war gesichtet worden. Es gelang der finnischen Luftwaffe einen russischen Schwergewichtsbomber Tupolev SB abzuschießen, der südwestlich von Kuorsalo am Eis niederging. Nur der Pilot der Maschine, der ukrainische Leutnant Aleksander Rakogonin überlebte, indem er mit dem Fallschirm absprang. Seine Flucht endete mit einer Festnahme an der Nordspitze bei Raakinsaari. Eine Skipatrouille der finnischen Armee fand das Wrack des Flugzeuges und in seinem Umfeld die restlichen drei Besatzungsmitglieder. Alle drei hatten den Absturz nicht überlebt.

Leutnant Andrei Mitin, Oberleutnant Alexei Pashthenko und Oberleutnant Smirnov wurden am folgenden Tag vor dem Friedhof auf Kuorsalo begraben. Dieses Grab bot auch den beiden sowjetischen Piloten, die am 19. Juli 1943 in ihrem Bomber Pe-2 von Leutnant Kyösti Karhila in seiner Messerschmidt beschossen und zwischen Puktsaari und Viiholma abgeschossen wurden, die letzte Ruhestätte. Die BewohnerInnen von Kuorsalo empfinden das Pilotengrab als eine Besonderheit. Sie erzählen darüber und zeigen es jedem, der ihre Insel besucht. Das Grab befindet sich auf der linken Seite außerhalb des Friedhofs, umgeben von einem weißen Holzzaun und mit einem weißen Holzkreuz gekennzeichnet. Eine Informationstafel erzählt kurz die Geschichte dieses Grabes. Der Kuorsalo-Verein sieht es als seine Aufgabe an, auch dieses Grab zu pflegen und der Toten zu gedenken.

Die Friedhofsverwaltung

Kuorsalo gehörte vor dem 1. Januar 2003 zur Stadt Hamina. Am 30. Juni 1962 beschloss der Kirchenrat von Vehkalahti auf Ersuchen der Einwohner von Mäntlahti, Tammio, Kuorsalo und Pyötsaari, "den Besitz und die Pflege" des Friedhofs von Kuorsalo zu übernehmen. Da der Friedhofs jedoch das Eigentum von vielen Landbesitzern war, konnte der Besitz niemals übertragen werden. Am 31. Januar 1987 bestätigt das Bezirksgericht Hamina den Status eines separaten Friedhofs für die Dörfer Kuorsalo und Tammio. Da es keinerlei gerichtliche Unterlagen über die Gründung oder Genehmigung aus früherer Zeit gibt, gilt das vom Bezirksgericht gefällte Urteil in dieser Angelegenheit. Verwaltet wird der Friedhof vom "Verein Kuorsalo", der sich die Erhaltung des kulturellen Erbes und der Gebäude auf Kuorsalo sowie die Bewahrung der lokalen Tradition zur Aufgabe gemacht hat.

Der Friedhof ist größtenteils eine naturbelassene Anlage und erfordert keine große Pflege. Zum Beispiel gibt es keinen Rasen zum Schneiden. Die Erhaltung der Gebäude, der Steinmauer und auch der verlassenen Gräber wird in ehrenamtlicher Arbeit vom Verein wahrgenommen. Die Gräber einer Familie befinden sich jeweils auf dem Teilgrundstück des Friedhof, welches im Grundbuch eingetragen ist. Der Friedhof ist ausschließlich für die BewohnerInnen von Kuorsalo, Tammio, Pyötsaari und Mäntlahti gedacht.

Die Begräbnisstätte wird von der Kuorsalo-Gesellschaft bereitgestellt. Zum Unterschied zu den meisten anderen Friedhöfen kann man sich sein Grab nicht im Voraus reservieren. Neue Gräber werden immer auf dem Grundstück der Familie ausgehoben. Die Begräbnisstätten werden den Berechtigten kostenlos zur Verfügung gestellt. Die Anzahl der freien Plätze wurde nicht festgelegt, aber es sind noch genug vorhanden. Die Kuorsalo-Gesellschaft ist für die allgemeine Pflege des Friedhofs verantwortlich und die Angehörigen des Verstorbenen kümmern sich um die Gräber. Das Grab wird in den Büchern der Gemeinde Hamina registriert. Das Begräbnisdatum wird in das Register eingetragen.

Die Verstorbenen sind meist evangelisch-lutherisch und nur wenige römisch-katholisch. Von Muslimen wurde auf diesem Friedhof noch keine Begräbnisstätte angefordert. Die Inselbewohner finanzieren die Instandhaltung aus eigener Tasche. Die Hamina-Kongregation leistet auf Anfrage finanzielle Unterstützung. Im Jahr 2013 wurde der Kuorsalo-Gesellschaft ein Zuschuss von 2.000 EUR gewährt. Für größere Renovierungen oder Instandhaltungskosten stehen keine weiteren öffentlichen Zuschüsse zur Verfügung.

Begräbnisse heute

Einmal im Jahr, meist Mitte Mai, treffen sich die betroffenen Gemeindemitglieder der Kirche Hamina am Friedhof von Kuorsalo, um die Gräber und den ganzen Friedhof zu säubern, frische Blumen nieder zu legen und ihrer Verstorbenen zu gedenken. Dabei werden oft auch Geschichten und Begebenheiten ausgetauscht, viel gelacht und die Gemeinschaft erneuert.

Eija Raussi erzählt: "Begräbnisse gibt es nur im Sommer oder im Winter. Die Toten, egal ob in der Urne oder im Sarg, werden nach der offiziellen Einsegnung in der Heimatgemeinde von der Bestattung bis zum Bootsanleger in Mäntlahti gebracht. Dort übernehmen die Verwandten die Urne oder den Sarg und bringen diese mit dem eigenen Boot nach Kuorsalo. Das geht nur im Sommer! Im Winter verwenden wir den Motorschlitten. Im Herbst ist das Eis zu dünn um es zu befahren und im Frühling gibt es oft noch Eisschollen, und das wäre mit dem Boot zu gefährlich".

Vom Hafen in Vekanlahti werden die Toten mit einem Rollwägelchen zum Friedhof gefahren. Am äußeren Doppeltor der Einsegnungshalle endet der Weg. Der Sarg mit dem Toten wurde und wird auch noch heute von außen in die Einsegnungshalle geschoben – dieser Mensch verlässt nun die äußere Welt. Dann wurde zur Einsegnung das innenseitige Tor des kleinen Hauses geöffnet und durch dieses die Toten auf den letzten Weg, ins jenseitige Leben, geleitet.

Aber was macht man mit den Toten in den Zwischensaisonen? "Mit Urnen gibt es im Herbst und Frühjahr keine Probleme, die hat man einfach zu Hause. Die anderen werden in einem Kühlhaus quasi zwischengelagert", meint Eija Raussi. Bevor es bei der Bestattung offizielle Kühlhäuser gab, wurden die Toten oft im Kühlraum einer Fischfabrik zwischengelagert. Oder die Toten wurden in ihren Särgen auf Friedhöfen am Festland begraben und bei Gelegenheit, dann oft erst Jahre später zum Inselfriedhof gebracht und dort begraben. Das letzte Begräbnis fand im Spätsommer 2018 statt.

Künftige Aussichten

Vom Kuorsalo-Verein sind für 2019 ein großes Renovierungsprojekt und eine Flursanierung geplant. Es müssen einige Bäume gefällt und Ausbesserungen an der Friedhofsmauer vorgenommen werden. Auch weiterhin werden die Bestattungen auf dem Festland im jeweiligen Wohnort des Verstorbenen stattfinden. Anschließend wird der Sarg oder die Urne zum Friedhof auf Kuorsalo gebracht und dort begraben. So wie schon all die Jahrhunderte zuvor ist es auch heute vielen Nachkommen der ehemaligen InselbewohnerInnen wichtig, ihre letzte Ruhe auf dem Inselfriedhof zu finden. Somit werden die Beerdigungen und der Erhalt dieses einzigartigen Friedhofs fortgeführt werden.

Literatur
- Nokelainen, Seppo: Selvitys hautausmaasta, Hamina 10.6.2008
- Rauhala, Pirkko-Liisa: Kaarle Krohn, Oskar Kallas ja Aino Krohn Kuorsalossa
- Reininghaus, Wilfried: Stammlisten zu Iserlohner Kaufmannsfamilien im
18. Jahrhundert, veröffentlicht auf www.lwl.org/westfaelische -geschichte
- Silenti, Tuomo: Kursalo Kuorsalolaisille 4.11.1778
- Silenti, Tuomo: Kuorsalon talot ensimmäisestä halkomisesta nykypäivään.
Vehkalahden kunta. Vehkalahden kotiseutututkimuksia, Helsinki 1992
- Silenti, Tuomo: Saarelaiselämää Kuorsalossa. Eigenverlag, Helsinki 2016
- Sipari, Aarno: Blick auf den Inselbericht (Bericht des Archipelausschusses -
Ausschussbericht 1957: 4) Vorsitzender der Kuopio Fishing Tackle 2016
- Sipari, Ilmo: Vehkalahden Kuorsalon hautausmaa 1995, laati 5.2.1996
- Sundström, Kimmo: Vaihtoehtoiset hautausmaat, Broschüre (2007)
- Sundström, Kimmo: Kuorsalon Hautausmaa Haminassa, Broschüre (10.10.2016)
- Talvio, Maila: Jumalan puistot. Leposijoja ja hautausmaita. Kansalaisten
myötävaikutuksella toimittanut Maila Talvio, WSOY, Porvoo 1927
- Internet
https://www.kuorsalo.fi/aarno-sipari
https://www.kuorsalo.fi/kuorsalon-historia-lyhyesti von Marjatta Astrén
http://www.ateistit.fi/uutiset/uuti150720b.html
https://maisema.kymenlaasko.fi/kuorala
Interview mit Eija Raussi-Lehto am 24.4.2019

Fotos: Christiane Golubits

Auflistung alle Artikel aus dem Themenheft Alternative Bestattungskultur (Oktober 2019).
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