OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Neue Themen- und Sonderanlagen auf dem Öjendorfer Friedhof

 - August 2016
Ausgabe: 
Nr. 134, III, 2016

Der Öjendorfer Friedhof ist der zweitgrößte Friedhof in Hamburg – daher kann an ihm die Dynamik in der Bestattungskultur nicht spurlos vorbeigehen. Vor dem Hintergrund der stetig zunehmenden Urnenbeisetzungen und der neuen Vielfalt in der Bestattungskultur ist in den letzten Jahren auf dem Öjendorfer Friedhof eine Vielzahl neuer Grabstätten und Sonderanlagen eingerichtet worden, die jeweils eine ganz besondere Beziehung zu diesem Friedhof haben.

Urnenwand

In unmittelbarer Nähe des Krematoriums und der Feierhallen (Lage 06-01 bis 06-09) wurde im Jahr 2006 eine neue Bestattungsform für Hamburg eingerichtet: eine Urnenwand.

Urnenwand
Urnenwand auf den Friedhof Öjendorf. Foto: H. Scherres

Hier werden die Urnen in einzelnen Kammern oberirdisch beigesetzt. Verschlossen werden die Kammern mit geschliffenem Sandstein, der eine warme, gemaserte Erdfarbe zeigt. Rosen, Lavendel und Schmetterlingsflieder in den dazugehörigen Beeten runden den fast mediterranen Charakter der Anlage ab. Überdachte Sitzbereiche laden zum stillen Verweilen ein, das Glasdach führt den Blick nach oben und sorgt für eine helle und freundliche Atmosphäre, ebenso der erdfarbene Bodenbelag mit Bodenleuchten. Nach einem zögerlichen Beginn wurde die Urnenwand inzwischen so gut von der Bevölkerung angenommen, dass sie erweitert wurde.

Naturgräber am Schleemer Bach

In die einzigartige Flusslandschaft des Schleemer Bachtals eingebettet, wurde 2009 eine weitere Urnengrabstätte eingerichtet, die Naturgräber am Schleemer Bach (Lage 404-02). Zur Erhaltung des natürlichen Charakters der Anlage wird die Wiesenfläche nach Bedarf gemäht, auf weitere Pflegearbeiten wird in diesem Bereich bewusst verzichtet. Von den Sitzbänken blicken die Besucher auf den Bachlauf. Einen markanten Blickfang bildet eine Gruppe Stelen mit bunten Vasen. Die Namen der Verstorbenen erscheinen, sofern gewünscht, auf einer Schildertafel auf der Rückseite der Stelen.

Paar-Anlage

Die Paar-Anlage wurde 2014 eröffnet und bezieht sich in mehreren Aspekten direkt auf die für den Öjendorfer Friedhof typische Form der kreisförmigen Grabfelder. Sie befindet sich auf den Grabfeldern 109-08 und 109-09. Die Felder werden jeweils durch eine bogenförmige Natursteinmauer unterteilt. Auf der Mauerkrone wachsen Zierquitten, die im Sommer rot blühen und im Winter kleine, gelbe Früchte tragen. Vor der Mauer geben ein Plattenstreifen aus gelbem Naturstein und ein ganzjährlich in unterschiedlichen Weißtönen blühender Pflanzstreifen Raum für die Ablage von Steckvasen und Gestecken. Die Kreise werden von zahlreichen reichblühenden Gehölzen, u.a. Rhododendren und Azaleen, umsäumt. Die Bankplätze werden von Großbäumen beschattet. Die Beisetzungsflächen sind in Rasen gehalten.

Unter Bäumen

In unmittelbarer Nähe des Haupteingangs (Lage 201-09) ist 2009 die Grabanlage "Unter Bäumen" eingerichtet worden. Sie bietet die naturnahe Urnenbeisetzung unter Bäumen.

Grabanalage der Serbisch-Orthodoxen Christen

Seit dem Jahr 2002 gibt es eine spezielle Grabanlage für Serbisch-Orthodoxe Christen (Lage 201-11). Da sie mittlerweile komplett belegt ist, ist im Jahr 2015 ein neues Grabfeld für diese religiöse Gruppe im Bereich 315-07 angelegt worden.

Grabanalage der Syrisch-Orthodoxen Christen

Vor zwei Jahren ist auch eine spezielle Anlage für syrisch-orthodoxe Christen entstanden (Lage:109-03). Bislang haben dort aber noch keine Beisetzungen stattgefunden.

Erweiterung und neue Gestaltung der Grabstätten für Bestattungen von Amts wegen

Seit Ende der 1990er finden auf dem Öjendorfer Friedhof die Bestattungen von Amts wegen für Verstorbene ohne Angehörige statt. Die Grabfeldern 318 und 319 wurden in den Jahren 2000 bis 2013 belegt. Dort wurde 2003 ein Gedenkstein der Hamburger Künstlerin Ricarda Wyrwol aufgestellt; er ist als Säule gestaltet, die eine Bronzeplastik trägt. Dargestellt sind vier Figuren: eine Liegende; eine, die sich darüberbeugt; eine, die die liegende Figur betrachtet, und eine, die sich abwendet. Ergänzt wird der Gedenkstein durch den Schriftzug "Zukunft braucht Erinnern".

In den Grabfeldern liegen zudem zehn Findlinge, die in großen Lettern z.B. die Bezeichnung "Vater" und "Mutter", "Tochter" und "Sohn", "Freund" und "Freundin" tragen. Die Steine symbolisieren die Beziehungen, in denen auch diese Verstorbenen – als Töchter und Söhne, Mütter und Väter – gelebt haben. Für die Konzeption verantwortlich ist die Künstlerin Maximiliane von Dohnányi. Eröffnet wurde der Gedenkweg von der damaligen zweiten Bürgermeisterin Birgit Schnieber-Jastram im November 2007.

Seit Mitte 2014 erfolgen die Bestattungen von Amts wegen in Grabfeld 317 – und zwar im Unterschied zu den früheren Lösungen jetzt mit Grabsteinen. Diese Steine weisen ein "Dach" auf, auf der je eine Gedenkpatte mit den Namen und den Lebensdaten der Verstorbenen angebracht ist. Zusätzlich wird diese Fläche im Vergleich zu den früheren Beisetzungsflächen für Verstorbene ohne Angehörige gärtnerisch aufgewertet. Sie erhalten einen Mittelweg sowie kleinere zentrale Gehölz- und Staudenrabatten. Die Anlage wurde von der Hamburger Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit am 19. November 2015 eingeweiht.

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