Wegen Renovierung der Räumlichkeiten und Umgestaltung der Ausstellung bleibt das Museum ab dem 31. Oktober 2022 bis auf Weiteres geschlossen.
Veranstaltung
Vortrag: Reformgartenkunst im Hamburger Raum
Uhr
Veranstaltungsort:Cordes-Halle im Forum auf dem Ohlsdorfer Friedhof
Vortrag von Dr. Joachim Schnitter
„ein Stück der großen Auseinandersetzung unserer Zeit“ - Reformgartenkunst im Hamburger Raum
Die Reformgartenkunst sollte nicht nur eine Entgegnung auf die als schablonenhaft empfundenen Gärten des „langen 19. Jahrhunderts“ sein. Eine Zeit, die bereits im Ornament eine Nähe zum Verbrechen witterte, sah auch Gärten und Parks als Teil einer umfassenden Lebensreform. Den traditionellen Titel der Gartenkünstler abstreifend versuchten sie als „Gartenarchitekten“, eine zuvor bloß dekorative Gartenkunst mit drängenden Gesellschaftsbedürfnissen zu versöhnen.
In Hamburg prallten Anfang des 20. Jahrhunderts die grünen Bilderstürmer um Kunsthallendirektor Alfred Lichtwark auf gartenkünstlerische Traditionalisten. Im wort- und bildreichen Getümmel um die Gestaltung des Hamburger Stadtparks und des neuen Teils des Ohlsdorfer Friedhofs konnten sich die jungen Wilden schließlich behaupten, doch waren auch die siegreichen Reformer untereinander keineswegs einig: Zwischen selbstlosem „Gartensozialismus“ und lukrativen Privataufträgen changierend, schufen sie beeindruckende Parks, Gärten und städtebauliche Ensembles. Viele dieser Anlagen ereilte allerdings ein verfrühtes Ende: Nachdem sich Reformgärten und -parks in Blut-und-Boden-Phrasen und gigantomanische Raumkonzepte der NS-Zeit hatten überführen lassen, überformte nach dem Krieg eine neue Planergeneration viele ehemalige Reformgärten mit „fließenden“ Räumen als Ausdruck ihres neuen Gesellschaftsverständnisses.