OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Nachhaltigkeitsstrategie Ohlsdorf 2050

Autor:
 - Februar 2016
Ausgabe: 
Nr. 132, I, 2016

Seit mehr als 130 Jahren gibt es den Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg.
Weil allerdings die Zahl der Urnenbestattungen zunimmt und Sargbestattungen in Hamburg von 40 auf fast 25 Prozent zurückgegangen sind, hat der Friedhof inzwischen zu viel Platz.

Um den weltgrößten Parkfriedhof erhalten zu können – die Einnahmen aus dem Friedhofswesen gehen mehr und mehr zurück – plant die Umweltbehörde zusammen mit den Hamburger Friedhöfen umfassende Maßnahmen, um "Ohlsdorf 2050" zu entwickeln. Was steckt dahinter?

Das Friedhofsentwicklungsprojekt 2050 (zur Umsetzung seiner Ziele erhält Hamburg insgesamt drei Millionen Euro, 2 Millionen vom Bundesministerium, 1 Million von der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt, der Hamburger Friedhöfe -AöR- sowie dem Denkmalschutzamt) sieht vor, dass große freiwerdende Flächen (100 Hektar) nicht mehr für Bestattungszwecke genutzt werden sollen, sondern in städtische Grünflächen umgewandelt werden. Dies erfordert, die Aspekte des Friedhofsbetriebes, des Denkmalschutzes und der Naturentwicklung im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten in Einklang zu bringen.

Wie der freiwerdende Platz zukünftig genutzt werden soll, darüber wurde in der Hansestadt erstmals in einem Expertengespräch am 12. Oktober 2015 beraten. Ziel war es, das Thema von allen Seiten zu beleuchten und Leitbilder sowie Szenarien zu entwickeln, in welche Richtungen eine nachhaltige Friedhofsentwicklung gehen kann. Als Ideen für alternative friedhofsvertägliche Nutzungen wurden zum Beispiel Barfuß- oder Yogagärten, Labyrinthgärten aus Hecken, Blumen-Selbstpflückfelder, Tierfriedhöfe/Tier-Mensch-Friedhöfe oder Ponyreiten gesammelt. Die freistehenden Kapellen könnten für internationale Begegnungsstätten, Yoga-Kurse, Theateraufführungen und Trauerbewältigung als Bildungsthema genutzt werden.
Schon vorher fand am 31. August des letzten Jahres eine Mitarbeiterveranstaltung der Hamburger Friedhöfe -AöR- statt. Dort war die Forderung zu hören, dass der Friedhof zwar Friedhof bleiben muss, aber – nach einem Zitat von Gustav Heinemann: "Wer nichts verändern will, wird auch verlieren, was er bewahren möchte". Diese Veranstaltung diente zum einen der Information der Friedhofsmitarbeiter. Florian Franz von der Firma Consulaqua berichtete über die Problematik der Entwässerungssysteme auf dem Friedhof Ohlsdorf. Angesichts einer nachhaltigen Friedhofsentwicklung soll das 120 Kilometer lange Sielnetz auf dem Friedhof saniert und ein tragfähiges Brauchwasserkonzept entwickelt werden, um Trinkwasser aus Regenwasser zu gewinnen. Zum anderen diente sie auch dazu, die Ideen und Wünsche der Mitarbeiter zur erfahren. Dazu hat das mit der Planung beauftragte Büro bgmr Landschaftsarchitekten aus Berlin in wechselnder Zusammensetzung sich mit den Mitarbeitern ausgetauscht. Festgestellt wurde, dass die wichtigste Forderung von ihrer Seite lautet, den Friedhof Ohlsdorf in seiner Einzigartigkeit zu erhalten und sensibel an die Friedhofsentwicklung heranzugehen.

Heft-Rubrik: 

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