OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Erinnerungen an die Gründung des Förderkreises

 - August 2014
Ausgabe: 
Nr. 126, III, 2014

Erinnert sich noch jemand an das Jahr 1989? Natürlich! Alle, die dieses Jahr miterlebt haben, erinnern sich.

Die Mauer fiel und wohl niemand hat das Gefühl des Unglaubens, des Aufbruchs, der Aufregung und der Freude vergessen, das damals nach fast dreißig Jahren der Teilung in Deutschland herrschte.

Aber wer erinnert sich noch an die Gründung des Förderkreises Ohlsdorfer Friedhof im selben Jahr? Nur wenige der dreizehn Gründungmitglieder arbeiten noch heute aktiv im Förderkreis mit. Waren wir 1989 auch in Aufbruchsstimmung? Darauf kann man sicher mit "Ja" antworten.

Wir wollten etwas Neues schaffen und zugleich Altes erhalten. Das Forschungsprojekt des Denkmalschutzamtes und der VW-Stiftung war zu Ende gegangen. Mit der Inventarisierung und der Auswahl der erhaltenswerten Grabmale waren die Grundvoraussetzungen für den Erhalt der Ohlsdorfer Grabmalkultur geschaffen worden. Nun stand die Frage im Raum: Wer wird diese Vorgaben in die Praxis umsetzen? Die Autorin dieser Zeilen hatte noch in einem ABM-Projekt mit Folgearbeiten zur Erhaltung der Friedhofskultur in Ohlsdorf zu tun. Aber es war abzusehen, dass es mit dem Schutz des umfangreichen Kulturerbes nicht wirklich weitergehen würde. Weder das Denkmalschutzamt noch die damalige Friedhofsverwaltung hatten freie Kapazitäten, um sich dieser Aufgabe mit besonderer Intensität zu widmen. Dazu sprach die Kostenfrage gegen weitere Maßnahmen, und dann verließ auch noch Prof. Dr. Hermann Hipp, der bis dahin für das Forschungsprojekt zuständig gewesen war, das Denkmalschutzamt, so dass der kompetente Ansprechpartner fehlte.

Um auf das Erhaltungsproblem in Ohlsdorf aufmerksam zu machen, hielt ich am 13. April 1989 einem Diavortrag mit dem Titel "Auch Grabmale können sterben" in der Fuhlsbüttler Bücherhalle. Der Raum wurde von der damaligen Bibliotheksleiterin freundlicherweise kostenlos zur Verfügung gestellt. In meinem Vortrag thematisierte ich den kulturellen Reichtum des Friedhofs, verwies aber auch auf die schweren Schäden besonders an den historischen Grabmalen der beiden Grabmalmuseen. Abgebröckelte Marmoroberflächen, sandende Sandsteinstelen und vom Frost gesprengte Galvanoplastiken waren zu sehen.

Nach diesem Vortrag kam Prof. Dr. Dr. Wenzel Lohff auf mich zu, der gerade nach Hamburg gezogen war und in der Nähe des Friedhofs wohnte. Er und Helmut Schoenfeld, der damals in der Friedhofsverwaltung arbeitete, unterstützten mich darin, für den Friedhof aktiv zu werden. Der damalige Ortsamtleiter Harald Rösler half einen Auszug aus meinen Vortrag in der "Hamburgischen Zeitschrift für den öffentlichen Dienst" zu veröffentlichen und sorgte auch später dafür, dass wir in dieser Zeitschrift erstmals für unsere Führungen und Vorträge werben konnten.

In der Folgezeit nahm langsam die Idee Gestalt an, einen Förderkreis für den Friedhof zu gründen. Das war zu diesem Zeitpunkt etwas Neues. Zwar gab es schon lange Förderkreise, aber sie halfen Museen und anderen Kultureinrichtungen bei ihren Aufgaben. Als einziges konkretes Vorbild eines Freundeskreises, der auch die Erhaltung von Grabmalen in seine Satzung aufgenommen hatte, war uns nur der fünf Jahre zuvor gegründete "Verein der Förderer historischer Denkmäler und Friedhofskultur der Stadt Köln e.V." bekannt, der die städtische Denkmalpflege aktiv unterstützen sollte. Nachdem der Entschluss für Ohlsdorf wirklich einen Förderkreis ins Leben zu rufen nach einigen Monaten des Zögerns schließlich fest stand, wurde ein Ratgeber zur Vereinsgründung gekauft. Die Kölner Satzung kam per Post ins Haus. Nach ihrem Vorbild begann ich die Satzung für unseren zukünftigen Verein auszuarbeiten. Welche Ziele sollten angesteuert werden? Wie konnten diese Ziele so formuliert werden, dass sie allgemeinverständlich und einleuchtend waren?

Zufrieden waren wir schließlich mit diesen Aussagen: "Der Verein soll die Erhaltung und Pflege historischer Friedhofsanlagen mit ihren Grabmalen in Hamburg fördern und unterstützen. Darin eingeschlossen sind sowohl die Park- und Gartenanlagen als auch die Werke der Grabmalkunst und solche Grabmale, die beispielhaft das Schaffen der Bildhauer und Steinmetze der Vergangenheit widerspiegeln.
Gemäß seiner Bedeutung für die Geschichte Hamburgs soll das Hauptaugenmerk auf der Erhaltung des Gesamtkunstwerkes Hauptfriedhof Ohlsdorf liegen.

Der Verein soll außerdem im Rahmen dieser Aufgabe der Verdrängung des Todes aus dem Bewußtsein der Bewohner der Hansestadt entgegenwirken und auf die Geschichte der Hamburger Sepulkralkultur aufmerksam machen."

Plakat
Mit diesem Plakat wurde 1989 zu dem ersten Vortrag eingeladen, der zur Gründung des Förderkreises führte. Foto: BL

Jetzt mussten noch mindestens sieben Personen gefunden werden, die bereit waren, den Verein zu gründen. Es waren immerhin dreizehn Männer und Frauen, die sich am 21. August 1989 – der Fall der Mauer war noch nicht abzusehen – im Hinterzimmer eines Restaurants an der Fuhlsbüttler Straße trafen. Die neue Satzung wurde verlesen und einstimmig angenommen. Die Gründungsmitglieder wählten mich zur ersten und Prof. Dr. Dr. Wenzel Lohff zum zweiten Vorsitzenden, Helmut Schoenfeld wurde Schriftführer. An die Besetzung der anderen Posten erinnere ich mich nicht, ebenso wie ich einige der Gründungsmitglieder kaum noch vor Augen habe. Aber ich erinnere mich gut daran, dass viel Arbeit auf mich zukam. Die Öffentlichkeitsarbeit des neuen Vereins musste organisiert werden. Wir brauchten ein Logo – eine befreundete Grafikerin half; Flyer mussten geschrieben und kopiert werden; erste Führungen wurden angekündigt und hatten unerwartet großen Zulauf; wir brauchten ein Veranstaltungsprogramm für das Winterhalbjahr.

Flyer
Der erste Flyer des Förderkreises von 1989. Foto: BL

Sonntags standen wir mit einem eigenen kleinen Stand auf dem Stadtteil-Flohmarkt in Fuhlsbüttel oder sprachen am Eingang des Friedhofes die Vorüberkommenden an. Ich hatte auf dem Friedhof den abgebrochenen Fuß einer Galvanoplastik gefunden und in mein Büro mitgenommen. Dieses Bruchstück wurde zum Beschwerer unserer ersten – noch schlicht schwarz-weiß kopierten – Flyer, die wir an unsere Besucher verteilten. Es gab viel – ehrenamtliche – Arbeit damals! Kaum zu glauben, dass der Förderkreis jetzt schon seit 25 Jahren besteht und dass diese Arbeit inzwischen von so vielen Menschen mitgetragen wird und so reiche Früchte getragen hat.

Heft-Rubrik: 

Förderkreis Ohlsdorfer Friedhof e.V.
Fuhlsbüttler Strasse 756, 22337 Hamburg
Telefon: 040 / 50 05 33 87 | E-Mail: info@fof-ohlsdorf.de
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